wer adorno bisher nur gelesen hat, dem erschließt sich durchaus eine neue dimension des verstehens: geschwindigkeit des denkens, der dialektischen reaktion, der spöttischen präsenz - all dies ist über das ohr noch authentischer erfahrbar als über das niedergeschriebene. zum beispiel auf der CD 5, abschnitt 3 (der schnelleren auffindbarkeit wurden die CDs in 5 minuten sektoren unterteilt): dort will adorno im gespräch mit dem bildungswissenschaftler hellmut becker zeigen, welchem muff uns die offizielle pädagogische literatur immer noch auszusetzen wagt. zitierend aus dem erfolgs-bändchen eines herrn lichtenstein mit dem titel "erziehung, autorität, verantwortung - reflexion zu einer pädagogischen ethik" erregt sich adorno über die neo-konservative passage: "bedrängt uns nicht gerade die wirklichkeit eines ungeheuren und rapiden verfalls des sinns von autorität, des glaubens an gültige ordnung..." - bremst sich sodann ab mit: "ich möchte mich bei den phrasen, mit denen herr lichtenstein hier aufwartet gar nicht aufhalten" - kann sich aber im weiteren doch nicht davon abhalten, den frömmelnden satz zu zitieren: "diese voraussetzung des autonomen menschen IST DEM CHRISTEN UNVOLLZIEHBAR." adorno fällt sich selbst ins wort mit: "NUN, KANT WAR JA WOHL EIN CHRIST", wettert dann über eine "denunziation des denkens", die hier bundesrepublikanische lehrer-ausbildung sich erlaube - und wünscht sich, es gelänge, "endlich einmal in diesen muff einige funken zu bringen, der ihn möglicherweise doch explodieren lässt". als hellmut becker abbremsend interveniert mit: "ich weiß nicht genau, ob MUFF explodieren kann", unterlegt adorno das betuliche beruhigungs-statement mit einem weiter-querulierenden "ich glaube chemisch ist das möglich, ob es gesellschaftlich möglich ist, weiß ich nicht!" - dieser O-ton wurde am 16. juli 1969 vom hessischen rundfunk aufgenommen - im august verstarb der philosoph - näher und intensiver dran geht also nicht...