Ich muss hinzufügen, dass ich sämtliche Wiglaf-Droste-Bücher gelesen habe, und sicher: Nicht immer war es einfach. Ich teile nicht seinen grausigen Musikgeschmack (er scheint die Tatsache, dass jemand aus allen Löchern müfft und einen Gesangswettbewerb gegen einen Schabrackentapir verlieren würde, als Authentizität und Lebensweisheit mißzuverstehen), er nervt mit dem ewigen Überfeaturing ihm nahestehender Kollegen, seine Sprache ist oft im Sponti-Dichter-Gebrabbel der Achtziger steckengeblieben, und sein gesamter Freizeithorizont scheint in gehobenem Vollstopfen und in Seen-Rumplantschen zu bestehen. Kurz und gut: Es gibt wirklich vieles an ihm, was man echt nicht lieben muss (und das wird definitiv subjektiv variieren).
Ich sage aber: Na und? Scheiß drauf!!!! Der Mann ist ein Genie. Einer der besten Schreiber Deutschlands. Kaum jemand spielt auf der Sprache herum wie ein Klaviervirtuose - Wiglaf tut's. Keiner reinigt einem so derartig die Seele, keiner leidet mit einem so an Dummheit und Bräsigkeit, keiner geht für seine Ansichten durch's Feuer. Nichts kann Wiglaf so gut wie vernichten, wo Vernichtung Not tut. Wiglaf lesen ist wie bei Pinochets Kreuzigung zusehen. Seine legendären Beschreibungen zu Hohlnervnase Hartmut Engler und Pur sollten in's Grundgesetz aufgenommen werden.
Ich habe aufgrund einiger negativer Kritiken fast gezögert, mir DIESES Buch zuzulegen, aber letztendlich aus einem Anfall von "Komm, einmal Wiglaf, immer Wiglaf" zugeschlagen und es nicht bereut. Wer ein Wiglaf-Droste-Fan ist, wird dieses Buch lieben. Ob man's dadurch wird, weiß ich nicht. Aber ich werde auch jedes weitere Buch von ihm lesen und Spaß und Seelenreinigung mitnehmen.