Natürlich kennen wir das auch in Deutschland: Ob in Wahlkämpfen oder in sonstigen Kampagnen - immer wieder werden wir überschüttet von Begriffen, Metaphern, und ständig wiederholten Sätzen,die sich in den Köpfen von uns Bürgern gefälligst zu feststehenden "Glaubenssätzen" entwickeln sollen.
Z. B. pöbelte zu Beginn des Jahres unser Außenminister gegen die sozial Schwachen, und verwendete neben dem hirnrissigen Sprachbild von der "spätrömischen Dekadenz" (womit er nicht seine eigene meinte) den Satz: "Wer arbeitet soll mehr haben als der der nicht arbeitet", was sowieso der Realität entspricht (jedenfalls in der sog. "Unterschicht", den "anstrengungslosen Wohlstand" von Zins-Einkunfts-Millionären hatte er auch nicht gemeint), aber darum ging es ja garnicht. Wie ein Mantra wurde dieser Satz wochenlang von zahlreichen Politikern unterschiedlicher Parteien und Legionen von Journalisten durchs Land gejagt, suggerierend, es wäre tatsächlich anders, und es gäbe diesen Sachverhalt, der die Aufregung rechtfertige. weitere Beispiele von vielen sind Sätze wie "Leistung muß sich wieder lohnen" (jahrzehntealtes FDP- und CDU-Credo, jeder fühlt sich angesprochen, gemeint ist aber nur die Einkommens-Oberschicht bzw. die, die sich dafür halten), oder die Wortschöpfung der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft - Lobby-Organisation der Arbeitgeberverbände, u. a. "Gesamtmetall"): "Sozial ist was Arbeit schafft!" Dieser Satz geistert seit vielen Jahren durch die Parteien, die Medien, die Talkshows, wir sollen ihn GLAUBEN, aber z. B. NICHT mehr nachfragen, unter welchen Bedingungen diese Arbeit etwa stattfindet. Wem solche Glaubenssätze wohl nützen?
Durch die Lektüre des aktuellen Buches des Nachdenkseiten-Autors Albrecht Müller "Meinungsmache - Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen", der dieses in Buchform unter dem Titel:"Auf leisen Sohlen ins Gehirn - Politische Sprache und ihre heimliche Macht" herausgegebene wissenschaftliche Fach-Gespräch der beiden Linguisten George Lakoff und Elisabeth Wehling zu genau diesem Thema empfiehlt, bin ich auf dieses hochinteressante Buch aufmerksam geworden.
Wehling und Lakoff behandeln in ihrem Dialog wie Metaphern ins Hirn gelangen, wie Metaphern unsere Moral strukturieren, und auch klassische Metaphern und ihre Wirkung wie Adam Smith's legendäre "unsichtbare Hand", oder der konservative Mythos vom "freien Markt", den es faktisch garnicht gibt und geben kann, weil Märkte IMMER konstruiert und - wie auch immer lautenden - Regeln unterworfen sind. Meisterleistungen der "Frame"-Platzierung sind u. a. Beispiele wie: "Achse des Bösen", "Krieg gegen den Terror", oder der ständig wiederkehrende "Frame" von den "Steuererleichterungen" (na, kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor?) George Bushs seinerzeitige Platzierung der Formulierung "Sind Sie mit uns, oder sind Sie mit den Terroristen?" wird ebenso behandelt wie geziielte Angst-Erzeugung in den Köpfen der Bürger um z. B. eine mentale Basis zu schaffen für den "Krieg gegen den Terror", und für weitere neue, oft gegen den Bürger gerichtete Maßnahmen und Gesetze...usw...usf.
Natürlich geht es in dem Buch um die Betrachtung amerikanischer Verhältnisse. Jedoch kann man diese Betrachtungsweise durchaus auf unser Land übertragen. Tatsächlich kann das Buch helfen, Augen und Ohren für entsprechende Ereignisse bei uns zu öffnen, und schon bekommt man vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Das Buch bietet spannende und oft auch durchaus amüsante Lektüre mit großem Erkenntnisgewinn - unbedingte Lese-Empfehlung! 5 Sterne!