Aus der Amazon.de-Redaktion
"Alles, was ich will, ist Regen, Wind und tosendes Meer." Erst bei einer derartigen Mischung blüht der französische Fotograf Jean Gaumy richtig auf, selbst wenn er von tagelangem Geschaukel an Deck regelmäßig seekrank wird.
Mit sonnigen Bildern eines ruhigen Ozeans kann und will das Mitglied der renommierten Fotoagentur Magnum einfach nichts anfangen. Seine Stärke, die im Laufe von vier ausgiebigen Atlantik-Passagen zur Obsession wird, ist es, die eisigen, nassen und von harter Arbeit zeugenden Momente an Bord eines Trawlers im Bild einzufangen. Und wenn ihn Übelkeit, griesgrämige Matrosen oder kameratechnische Widrigkeiten nicht an seiner Arbeit hindern, schießt Gaumy wahrlich beeindruckende Fotos, die ihresgleichen suchen. Die allesamt in Schwarz-Weiß gehaltenen Aufnahmen reichert er mit zahlreichen Seekarten, Faksimiles, Schiffsskizzen und Geheimcodes verbündeter Trawlerfischer an. Diese auf blauem Papier gedruckten Einschübe sind die einzigen Farbtupfer in einem dunklen Bildermeer, in dem sogar hin und wieder Doppelseiten komplett in Schwarz erscheinen.
Bei aller Faszination für Fisch- und Meeraufnahmen: Die wahren Helden des umfangreichen Bildbandes stellen die Männer an Bord dar, deren rauer Alltag bislang viel zu selten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Wer in die Gesichter der Matrosen, Kapitäne, Motoristen und Mechaniker blickt, wird dort neben einer ungeschminkten Dokumentation des harten Seemannsdaseins eine Menge Stolz und eisernen Lebenswillen entdecken. Diese Erkenntnis überlappt sich mit den kurzsilbigen, aber höchst aufregenden Tagebucheinträgen des Autors. Und eigentlich passiert ständig etwas. Da kommt es auch mal vor, dass statt Heringsschwärmen ein U-Boot der französischen Marine ins Netz geht -- und auf diese Weise das Hauptschiff in Seenot gerät. --Christina Falkenberg
Kurzbeschreibung
Meterhohe Wellen, eisige Kälte, peitschender Regen: Hochseefischer sind bei ihrer waghalsigen Arbeit auf dem offenen Meer den extremsten Witterungsverhältnissen ausgesetzt und geraten nicht selten an ihre existentiellen Grenzen. Was motiviert sie dennoch immer wieder, auf die hohe See hinauszufahren und ihre Netze auszuwerfen? Jean Gaumy, Fotograf der Agentur Magnum, hat in seinem Fototagebuch Auf hoher See Antworten auf diese Fragen gesucht. Er heuerte bei vier heute noch aktiven Trawlern an und begleitete die Hochseefischer mit seiner Kamera bei ihrer Kräfte zehrenden Arbeit. Was zunächst aus reiner Abenteuerlust geschah, gepaart mit einer romantischen Vorstellung des Fischfangs, wurde schließlich zur Obsession. In fünfzehn Jahren entstand eine eindrucksvolle Fotoreportage, die den wagemutigen Kampf der Männer gegen die Macht der Natur illustriert und uns die Strapazen an Bord hautnah und sinnlich spürbar miterleben lässt. Neben den atemberaubenden Aufnahmen enthält Auf hoher See das Reisetagebuch, in dem Gaumy die rauen Gesellen und deren Alltag und Kameradschaft beschreibt. Er ergänzt seine Beobachtungen durch Seekarten, Faksimiles aus dem Logbuch und Skizzen der Trawler. Unermüdlich versucht er zu ergründen, aus welchem Antrieb sich die Bootsmänner immer wieder der harten Arbeit bei Sturm und Kälte aussetzen und sich trotz Unwetter, Krankheit und leerer Netze beharrlich der Herausforderung stellen. Auf hoher See ist eine Hommage an eine Männerwelt, die im 21. Jahrhundert bereits ein Stück Geschichte ist.
Umschlagtext
Von 1984 bis 1998 hat Jean Gaumy, Fotograf der Agentur Magnum, mit seiner Kamera den Alltag der Hochseefischer an Bord der legendären Trawler festgehalten. Hautnah erlebte er die harten Arbeitsbedingungen und den Kampf der Männer gegen die Kräfte der Natur mit. Auszüge aus seinem Tagebuch und mehr als 180 Fotos dokumentieren diese Zeit.