Maeve Connelly, Mitte Zwanzig und endlich bereit, ihr altes Ich samt Krankheit hinter sich zu lassen und ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, macht die Reise ihres Lebens. Ziel: Los Angeles, Reisegefährte: Kakadu Oliver, Fortbewegungsmittel: Rostlaube Elsie, die Maeve schicksalsträchtig gerade noch bis ins beschauliche Städtchen Unkown führt, wo auf die junge Frau die Abenteuer ihres Lebens warten...
In "Auf gut Glück" lernen wir die junge Maeve kennen, deren Schwester Vi ja schon in "Braut auf Probe" ihre Geschichte erzählt hat und hier auch einige kleinere Gastauftritte hat und mit schwesterlichen Tipps der guten Maeve mit Rat und Tat zur Seite steht.
Mit Maeve hat die Autorin eine Hauptprotagonistin geschaffen, die zu Beginn mal mit einer wirklich liebenswert-chaotischen Ader dem Leser ins Auge fällt und man da spontan beschließt: Die musst du einfach mögen!
Aber nicht nur jede Menge Sympathiepunkte kann die junge Frau einheimsen, nein eine gehörige Portion Respekt und Achtung gehört ihr auch, denn wir werden im Laufe ihrer Reise Zeuge, wie sie in ihren jungen Jahren einige schwere Schicksalsschläge einstecken musste und nun versucht, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und ihr Leben neu zu sortieren.
Überhaupt zeigt sich hier nicht nur die gute Maeve mit herrlich skurrilen und schrulligen Eigenarten ausgestattet, die beim Lesen immer mal wieder für einige Heiterkeit sorgen, ob der Faible für verrückte Ortsnamen, die eine ungeahnte Reiselust in der abenteuerlichen Maeve wecken oder ihre Vorliebe für ausgefallene Kniestrümpfe, die eher einem Kleinkind gut zu Gesicht stehen würden und nicht zu vergessen die arme Elsie, Maeves fahrbarer Untersatz, bei dem als Leser wahrhaftig großes Mitleid aufkommt mit diesem armen Geschöpf, das hier förmlich aus dem letzten Loch pfeift und man es doch so gerne von seinen schrecklichen Qualen befreien möchte.
Als heimlicher "Star" der Erzählung entpuppt sich hier meiner Meinung nach allerdings Maeves ungewöhnlicher Reisebegleiter Oliver, seines Zeichens äußerst kommunikativer Kakadu, der mit Hilfe einer Artgenossin für einige Lacher sorgt und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält.
Aber auch die "menschlichen" Nebenprotagonisten im Städtchen Unkown überzeugen hier mit wirklich charmanten Auftritten und geben dem Ganze so das gewisse Etwas und man fühlt sich als Leser auch umgehend heimisch in diesem kleinen Örtchen.
Trotz aller Irrungen und Wirrungen im Laufe der Story ist es doch Maeve, die hier absolut im Fokus steht und uns aus ihrer Perspektive am Geschehen teilhaben lässt, sich dabei neu entdeckt und von vorn mit ihrem Leben beginnt und spürt, dass das Erwachsenwerden nicht immer leicht ist...
Mit einigen Rückblenden in Maeves Vergangenheit und deren schwierigem Heilungsprozess samt Rückschlägen und noch nicht abgeschlossener Trauerbewältigung gibt es immer mal wieder traurige Lese-Momente, denen die Autorin aber immer wieder geschickt heitere und spielerische Augenblicke folgen lässt.
Die Autorin widmet sich dem eigentlich so sensiblen Thema Krebs auch ein bisschen intensiver von der humorigen Seite, was zur Folge hat, dass man beim Lesen die vielleicht vorhandenen Berührungsängste mit dieser Krankheit hinten anstellen kann und diese so zauberhaft inszenierte Geschichte unbefangen und entspannt genießen kann.
All das hat Kerry Reichs mit so viel Einfühlungsvermögen und Behutsamkeit aufs Papier gebracht, dass da natürlich auch bei mir einige kleine Tränchen gekullert sind und dank einer kleinen, aber feinen Love Story gibt es natürlich auch für unsere unerschrockene Superheldin ein obligatorisches Happy End, das diesem so wunderbaren Frauenschmöker wirklich mehr als gerecht wird.
Also anschnallen und auf geht die Lese-Reise ins kleine beschauliche Unkown!