Kerry und Eve sind Zwillinge, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Kerry ist romantisch und ernsthaft während Eve impulsiv und rebellisch ist. Dennoch verbindet sie mehr als das übliche Band zwischen Schwestern. Doch dieses Band zerreißt, als sie sich beide in Justin verlieben, die Ereignisse aus dem Ruder laufen und sich ihre Wege schließlich trennen. Dreizehn Jahre später kehrt Kerry nach Block Island zurück, da Eve schwer krank ist, und muss sich den Dämonen der Vergangenheit stellen.
Die Covergestaltung erinnert an eine japanische Geschichte, was das Thema des Buches etwas verfehlt. Dennoch ist es schön und romantisch gestaltet und passt insofern, dass es deutlich macht, um welches Genre es sich handelt: Eine wunderschön geschriebene Familiengeschichte für Frauen.
Der Aufbau des Romans "Auf ewig und einen Tag" von Elizabeth Joy Arnold ist auf den ersten Blick verwirrend. Es gibt eine Unterteilung in sechs Abschnitte, diese Abschnitte sind jeweils in Gegenwart und Vergangenheit gegliedert. Weiterhin ist das Buch in Kapitel 1 bis 37 innerhalb der Abschnitte segmentiert. Ein Zitat von Thomas Rathburn über die unberechenbare See ist dem Roman vorangestellt. Ein Prolog leitet in das Thema ein, lässt den Leser aber vorerst über die Geschehnisse im Unklaren. Und am Ende steht ein Epilog. Viele Unterteilungen für 512 Seiten.
Der Roman ist aus der Sicht von Kerry geschrieben, sie schildert die Geschehnisse von 1993/1994 und von 2007. Die dreizehn Jahre dazwischen hatten die Geschwister jeglichen Kontakt abgebrochen. Umso erschreckender ist es für Kerry auf einmal Justins Stimme auf ihrem Anrufbeantworter zu hören, die sagt, dass ihre Schwester sterben wird. Nach all den Jahren ohne ihre bessere Hälfte macht sie sich auf den Rückweg nach Block Island.
Der Schreibstil von Elizabeth Joy Arnold ist nicht statisch, aber auch nicht blumig. Sie geht einen für den Leser angenehmen Mittelweg, benutzt Vergleiche, hat einen verträumten Schreibstil. An manchen Stellen ist der Übergang zwischen Erinnerungen und dem Hier und Jetzt missglückt, was etwas verwirrt. Aber dennoch reißt das Buch den Leser mit, fängt ihn ein und führt ihn in eine andere Welt. Er leidet mit Kerry, er liebt und hasst mit Kerry und am Ende verzeiht er mit Kerry.
Ein aufwühlender, unglaublich mitreißender Roman, der das Thema des Verlustes und der Vergebung aufgreift, die für unseren Seelenfrieden unabdingbar ist. "Auf ewig und einen Tag" ist auf jeden Fall empfehlenswert.
© Corinna Müller