Inhalt
März 1944: Die letzten Kriegsmonate haben begonnen. Auf der Flucht vor den immer näher rückenden Russen versuchen der sechsjährige Achim und sein zehnjähriger Bruder Werner tapfer über die Trennung von ihrer schwer verletzten Mutter hinwegzukommen. Völlig auf sich allein gestellt, ohne Geld, ohne Proviant und nur mit der Adresse Ihrer Tante im Westen ausgestattet, begeben sie sich, immer den Schienen entlang, auf eine entbehrungsreiche, gefährliche Reise - auf einen langen Weg...
Bildbewertung:
Mit "Auf einem langen Weg", kommt innerhalb der Edition "Grosse Geschichten" eine wieder einmal mehr als nur gerecht werdende großartige Literaturverfilmung, nach dem Buch der Bestseller-Autorin Gudrun Pausewang, durch "ARD-VIDEO" und "EUROVIDEO", zur Veröffentlichung auf DVD.
Die Romanvorlage der BVK- und Jugendliteraturpreis-Trägerin Gudrun Pausewang aus dem Jahr 1978 trägt autobiographische Züge und Erinnerungen an die eigene Kindheit in sich. In den Wirren der letzten Kriegswochen war sie selber mehrere Wochen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern auf der Flucht und erlebte einige der in der Verfilmung zu sehenden Geschehnisse selber. Die erzählte Geschichte in ihrem Buch und in der Verfilmung unter der großartigen Regie vom Grimme Preis-Träger Helmut Christian Görlitz, beeindruckte mich dermaßen, dass ich mir nach dem Film ihr Buch "Fern von der Rosinkawiese" zulegte. In diesem Buch schildert Gudrun Pausewang in sehr persönlicher und nahegehender Art aus der Sicht einer Siebzehnjährigen, die Fluchterlebnisse mit ihrer Mutter und Geschwistern im Sommer des Jahres1945 bis in den November 1945 aus den deutschen Ostgebieten. Dieser Roman ist eine wirklich sehr passende Ergänzung zur von der DVD vorliegenden Veröffentlichung der Verfilmung. Aus diesem Grund erlaube ich mir, ihn hier kurz zu erwähnen.
Aber zurück zum Film "Auf einem langen Weg", von der vorliegenden DVD innerhalb der Reihe Grosse Geschichten. Wobei es bei der Erstausstrahlung im TV ja eigentlich ein Dreiteiler war, welcher die Geschichte der beiden sechs und zehn Jahre alten Brüder Achim und Werner auf ihrem Weg und der Flucht vor der russischen Offensive, anfangs noch mit ihrer Mutter, zeigt. Als ihr Zug, mit dem sie zusammen mit der Mutter auf der Flucht sind, einem nächtlichen Bombenangriff erlebt, müssen die Kinder den Krieg in seiner Grausamkeit hautnah miterleben, sehen wie vor ihren Augen Erwachsene und Kinder sterben. Bei diesem Angriff werden die Kinder von ihrer Mutter getrennt, die verletzt in ein Krankenhaus vor Ort gebracht wird. Die Kinder, welche zunächst Anhang und Obhut bei zwei mitreisenden Nachbarsfrauen finden, wollen am nächsten Tag ihre Mutter im Krankenhaus besuchen. Dabei verpassen sie die Weiterfahrt ihres Zuges und verlieren zugleich auch die beiden Nachbarsfrauen, die sich um sie kümmerten, aus den Augen. Nun sind sie ganz ohne Essen und ohne Papiere auf sich allein gestellt und begeben sich "auf einem langen Weg", hin zu ihrer Tante Leni.
Nach dem Drehbuch von Peter F. Steinbach und Sylvia Ulrich, entstand unter der Regie von Grimme Preis-Träger Helmut Christian Görlitz ("Der kleine Vampir", "Fleisch ist mein Gemüse"), ein einfühlsames und emotional packend inszeniertes Werk, voller eindringlicher Dichte und einer Anklage, ja geradezu einem Aufschrei gegen den Krieg, mit seinen ihm stets begleitenden Leid und Elend.
Allen voran sind es verständlicher Weise besonders und gerade die beiden Kinder, deren Darstellung als die schwächsten und am meisten unter der Unbarmherzigkeit und Grausamkeit des Krieges Leidenden von den beiden rührend agierenden kleinen Darstellern (Mark Heine, Nils Viktor Sorge) mitreißend verkörpert wird. Aber auch alle anderen Darsteller vermögen in den von ihnen dargestellten Charakteren zu überzeugen, sei es nun Heidrun Pollack in der Rolle als Mutter der beiden Jungs, oder Gisela Trowe und Gerda Gmelin als "Erna" und "Martha Rebsam", Witta Pohl als "Frau Stucklicht" oder Toni Herbert als "Herr Wesel", um hier nur einige wenige der hervorragend agierenden Darsteller zu nennen.
Für die Veröffentlichung auf DVD, wurden die drei Teile der ehemaligen TV-Version zu einem Film mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 90 Minuten zusammengefügt. Die im Auftrag des ZDF im Jahr 1982 durch die "Multimedia" im Studio Hamburg im Bildformat 4:3 Vollbild (1.33:1) produzierte Verfilmung, kann ihr betagtes Alter beim zur Ansicht kommenden Bild nicht leugnen.
Die bei so alten Produktionen oft üblichen Mängel im bzw. am Bild, wie schwache Einstellungen und Werte beim Kontrast und Schärfe machen sich in wechselnder Intensität während der Wiedergabe der DVD bemerkbar. Die Farben sind noch relativ gut ausgeprägt, tendieren in ihrer Ausstrahlung aber zu leicht auffälligen Verfälschungen und einer gelegentlichen leichten Überzeichnung hin zu Pastelltönen.
Verschmutzungen und mechanische Beschädigungen fallen erfreulich wenige auf. Hingegen macht sich des Öfteren eine Art Struktur von Linien im Bild bemerkbar, die eine unsachgemäße Lagerung des für die DVD-Veröffentlichung verwendeten Filmursprungsmaterials vermuten lässt. Dennoch überwiegt bei mir die Freude, diesen wunderbaren Film nun endlich auf DVD vorliegen zu haben. Ich, für meinen Teil, kann mit dem nicht mehr ganz zeitgerechten und heutigen Sehgewohnheiten entsprechenden Bild leben, war ich von der ersten Filmminute an doch so vom Geschehen selber fasziniert, dass mich die zugegebener Massen vorhandenen Mängel im Bild, nicht wirklich beim Ansehen störten.
Im Stil bereits vorhergehender erfolgter Veröffentlichungen anderer Produktionen innerhalb der Filmreihe "Grosse Geschichten", präsentiert sich auch das übersichtlich und gut zu bedienende DVD-Menü der vorliegenden DVD in seiner Gestaltung. Es ermöglicht einen einfachen Filmstart sowie das Aufrufen einer Kapitelauswahl, über das zum Teil mit Animationen und Soundeffekten unterlegte Menü von der DVD. Neben einer Trailershow zu weiteren Veröffentlichungen von "ARD-Video", gibt es keine weiteren Extras von dieser DVD.
Tonbewertung:
Auf der DVD liegt der Ton zum Film im deutschen Dolby Digital 2.0 vor. Der Ton präsentiert sich in gleichbleibender guter Qualität und bietet eine zumeist gute Verständlichkeit der Dialoge. Insgesamt wirkt der Ton, sicher auch in Anbetracht seines Produktionsalters, zum Teil etwas dumpf, mit wenig Höhen und Tiefen in sich. Die den Hauptton umgebenden Neben- und Hintergrundgeräusche sind harmonisch in den Ton als ganzes eingefügt. Sie wirken nie überzeichnet oder deplaziert. Störende Geräusche im Ton, außer einem ab und an etwas stärker zu bemerkenden Grundrauschen, fielen mir während der Wiedergabe der DVD nicht auf. Untertitel für Gehörlose oder Hörgeschädigte fehlen leider bei dieser Veröffentlichung.
Gesamturteil:
Die von "ARD-Video" in der Reihe "Grosse Geschichten" veröffentlichte Box 19 mit dem Film "Auf einem langen Weg", überzeugt mit seiner sehr gelungenen Inszenierung und den beiden anrührend agierenden kleinen Darstellern sowie einer ebenfalls überzeugenden Leistung aller anderen Darsteller. Eine berührende, emotional bewegende und nie langatmige Literaturverfilmung, die äußerst gelungen und treffend die Sinnlosigkeit und das ganze menschenverachtende Antlitz des Krieges überdeutlich entlarvt und zeigt. Sehr zu empfehlen.
Autor: Torsten
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