AUF EINEM LANGEN WEG gehört zu den wenigen Pausewang-Werken, denen ich eine überdurchschnittliche Bewertung zuerkennen kann. Die Abenteuer von Werner und Achim, die in den letzten Kriegstagen ihre Mutter auf der Flucht aus den Augen verlieren und, lediglich mit der Adresse ihrer Tante ausgestattet, sich auf eine entbehrungsreiche gefährliche Reise begeben, zeichnet ein spannendes und realistisches Bild der besonders geschundenen Nachkriegsgebiete im Osten Deutschlands, die dann wenig später unter der Hand der Sowjetunion in der DDR "aufgehen" sollten.
Der einzige Punkt, der Kritik verdient, ist die Tatsache, dass die Jungen auf ihrer Odyssee ausnahmslos Figuren begegnen, die wenige Tage/Wochen nach dem Waffenstillstand entweder einen einhundertprozentigen Meinungsumschwung gegen das Dritte Reich durchgeführt haben oder mit der Entschuldigung aufwarten, dass sie keine Möglichkeit gesehen hätten, sich gegen Hitler´s Politik zu wehren. Der Einbau mindestens einer Person, die sich nicht als Wendehals präsentiert, hätte der Story etwas mehr Ausgewogenheit verliehen...wonach man bei Gudrun Pausewang bedauerlicherweise in den meisten Fällen vergeblich sucht.
Als direkten thematischen Vergleich (und zur Klärung der Frage, ob Einseitigkeit oder Ausgewogenheit die Thematik besser beschreibt) würde ich Peter Härtlings KRÜCKE empfehlen.