Bei Krimis darf man nicht zuviel von der Story verraten. Der Roman schließt inhaltlich an "Alle singen im Chor" an. Maria Kallio ist inzwischen im Helsinkier Vorort Tapiola mit einer der Personen aus dem Vorgängerkrimi zusammengezogen und arbeitet dort auch bei einem Rechtsanwalt. Dann geschieht ein Mord in der Verwandschaft ihres Freundes. Maria Kallio macht sich, meist radelnd, auf die Suche nach dem/der Täter(in). Das ist recht ereignislos inszeniert, im Grunde radelt Maria von einem Ort zum anderen, redet dort mit den Leuten (meistens trinkt sie auch was) und radelt dann weiter. Auch die im Klappentext genannte Bedrohung erfolgt eher undramatisch und wenig spannungsgeladen. Sowieso ist das ganze Buch ziemlich unspannend. Am Ende fällt dann Maria ein, wie alles zusammenpasst und sie stellt den/die Täter(in). Das Buch wirkt etwas konstruiert, es finden sich auch einige Hinweise auf andere Krimiautoren und wie diese jetzt die Geschichte vorantreiben würden. Insgesamt ziemlich bemüht. Was den Reiz des Buches ausmacht, ist wie so oft bei Krimis, das Lokalkolorit. Helsinki, v.a. aber Tapiola, wird in die Handlung eingeflochten, so dass man gerne den Stadtplan ausbreitet und die Stationen nachverfolgt (gegenüber dieser örtlichen Präzision stört aber die zeitliche sehr, einmal geht Maria nach 5 von der Arbeit heim, fährt zum Fitnessstudio, ist dort 1,5 Stunden, fährt nach Hause, fährt dann einige Stunden später nach Helsinki, hat dort eines ihrer Gespräche, fährt heim und ist, oh Wunder, um 9 Uhr wieder zu Hause). Schön, wenn auch etwas frustrierend, sind die Personen und deren Lebensverhältnisse gezeichnet. Erstaunlich der häufige und starke Alkoholgenuß, der offensichtlich zum Alltag gehört. Die Beschreibungen erinnern ein wenig an Kaurismäki Filme, offensichtlich ist an seiner Zustandsbeschreibung Finnlands und der Finnen einiges dran. Diese atmosphärischen Elemente machen das Buch noch lesenswert, aber die Story ist doch zu öde (Story 2 Punkte, Atmosphäre 4 Punkte). Das kann die Lehtolainen viel besser, besonders "Zeit zu sterben" ist sehr zu empfehlen. Da kommt eine klasse Story mit der Atmosphäre zusammen (ein glatter 5-Punkte Krimi). Auch "Alle singen im Chor" ist stärker, wenn auch nur etwas (dafür würde ich 3,5 Punkte geben)