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Auf dem Weg zur deutschen Einheit. Rückblick und Ausblick
 
 
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Auf dem Weg zur deutschen Einheit. Rückblick und Ausblick [Gebundene Ausgabe]

Helmut Schmidt
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498063855
  • ISBN-13: 978-3498063856
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 480.837 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Helmut Schmidt
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Hätte Helmut Schmidt die deutsche Wiedervereinigung nicht als Herausgeber von DIE ZEIT, sondern als Bundeskanzler erlebt, so stünde Deutschland nach seiner eigenen Einschätzung heute besser da: weniger Staatsverschuldung, geringere Arbeitslosigkeit, weniger Transferleistungen und ähnliche Produktivitätsraten. Immer wieder äußerte sich der Bundeskanzler a.D. seit dem Mauerfall zu den ökonomischen, aber auch zu den sozialen und menschlichen Herausforderungen der Wiedervereinigung. Zahlreiche seiner Beiträge für DIE ZEIT, aber auch ein Interview, Buchauszüge und Reden enthält dieser Band. Er beschreibt den Vereinigungsprozess als historisches Ereignis voller Chancen, von denen aber zu wenige genutzt wurden.

Helmut Schmidt ist ein genauer und hervorragend informierter Beobachter. So lesen sich die Beträge keinesfalls als reine Auflistung der Versäumnisse der Kohl-Regierung. Vielmehr mahnte er zu jedem Zeitpunkt konkrete Kursänderungen an, etwa im "Acht-Punkte-Programm" von 1991. Zu einer Zeit, in der Kohl noch von "blühenden Landschaften" sprach, präsentierte Schmidt bereits eine ungeschönte Zustandsbeschreibung, eine ehrliche Analyse, um daraus Forderungen abzuleiten: zu den Kompetenzen der Treuhandanstalt, zu Investitionsförderung oder zu Steuererhöhungen. Wer angesichts der wirtschaftspolitischen Analysen die befürchtete "Schmidt-Schnauze" vermissen sollte, sei auf das ebenfalls abgedruckte Interview verwiesen, in dem die fragenden Journalisten einiges einstecken müssen. Interessant ist auch die Entwicklung von Schmidts Einstellung zu Negativreaktionen aus Ostdeutschland. Brachte Schmidt in den ersten Jahren noch viel Verständnis für die Ängste und Nöte der östlichen Mitbürger auf, ist in den vergangenen Jahren eher von deren "Wehleidigkeit" zu lesen.

Am interessantesten ist vielleicht das Schlusskapitel, das analytische Destillat des Buches. In der abschließenden Betrachtung werden nicht nur die Kardinalfehler der Vereinigung zusammengefasst, sondern Schmidt stellt -- ganz wirtschaftspolitischer Pragmatiker und Realist -- ein konkretes Maßnahmenpaket vor: mehr Kompetenzen und den halben Mehrwertsteuersatz für den Osten sowie Konzentration auf "Wachstumskerne". Vor allem aber müsse der wirtschaftliche Aufholprozess der östlichen Bundesländer wieder ganz oben auf die politische Agenda. Und dies ist die vielleicht wichtigste Lektion für das politische Berlin. --Henrik Flor

Kurzbeschreibung

"Heute kann von einem Aufholprozess des Ostens keine Rede mehr sein. Die Wertschöpfung im Osten liegt bei weniger als zwei Dritteln; ohne die Finanztransfers aus dem Westen läge sie nur bei der Hälfte. (...) Immer noch hat die große Mehrheit der Deutschen nicht verstanden, dass die Zukunftsfähigkeit unseres Landes entscheidend davon abhängen wird, ob und wie schnell es uns gelingt, im Osten des Vaterlandes annähernd gleiche ökonomische Bedingungen herzustellen wie im Westen. Was also ist zu tun? Wir brauchen für die Wirtschaft im Osten eine besondere, allein den Osten begünstigende wirtschaftspolitische Anstrengung. Dafür liegen mindestens drei Vorschläge auf dem Tisch, die der gleichzeitigen Verwirklichung bedürfen." (Helmut Schmidt)

6 Audio-CDs, 1 Bonus-CD im MP3-Format, Laufzeit ca. 6:30 Stunden. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
...der gilt ja bekanntermaßen nicht viel. In dem Buch „Auf dem Weg zur deutschen Einheit“ finden sich 16 Beiträge des fünften Kanzlers der BRD zum Thema Einheit. Der erste Beitrag ist ein am 5. Dezember 1989 in der ZEIT veröffentlichter Artikel, der letzte ein kurz vor der Bundestagswahl diesen Jahres verfasster Essay mit dem vielsagenden Titel „Es ist noch nicht zu spät“.

Die chronologische Anordnung der Zeitungsartikel, Reden und Interviews gibt einen exzellenten Einblick in den Prozess der deutschen Einigung und natürlich vor allem Schmidts Ansichten hierzu. So warnte er bereits im März 1990, dass „je besser der Umtauschkurs von Mark (Ost) in D-Mark, um so größer und schneller die Arbeitslosigkeit“ (40). Doch nur vier Monate später kam die 1:1 Umstellung, die Schmidt, wie er immer und immer wieder festhält, für den größten Fehler von Helmut Kohl hält, begangen aus wahltaktischen Motiven.
Im Mai 1991 beginnt er mir der teils äußerst polemischen Kritik an den politisch Verantwortlichen. „Aber wem eigentlich kann es Mut machen, wenn der Bundeskanzler heute noch in Halle und Erfurt seine wirtschaftlichen Illusionen verkündet?“ (63), hält er Helmut Kohl vor. Der gesamten Regierung attestiert er „ökonomische[.] Inkompetenz“ sowie „Schonfärberei“ (65). Noch deutlicher wird er im Februar 1992 als er der gesamten politischen Klasse „dilettantische Beschränktheit der Urteilskraft“ (89f.) vorhält. Auch die FDP, seit dem Seitenwechsel von 1982 Schmidts Lieblingsgegner, bekommt ihr Fett weg. Im Februar 1993 wettert er gegen den „puristische[n] marktwirtschaftsideologische[n] Wahn eines freidemokratischen Wirtschaftsministers“, der sich vielmehr durch „Polemik und Propaganda“ (118) als durch wirtschaftliche Kompetenz auszeichne. Schmidts Fazit zu diesem Zeitpunkt: „Das soll ein blühendes Land sein? Nein – so haben wir uns die Vereinigung unseres Landes wirklich nicht vorgestellt!“ (109)

Doch Schmidt belässt es nicht bei reiner Kritik sondern wiederholt immer wieder seine Vorstellungen um die (wirtschaftliche) Einigung Deutschlands in Gang zu bringen. Diese Vorschläge fasst Schmidt in seinem abschließenden Essay zusammen und können auf Seite 219 nachgelesen werden.

Fazit: Sicherlich, man könnte Schmidt Besserwisserei vorwerfen, da er ja damals nicht in politischer Verantwortung gewesen ist. Dennoch, liest man seine messerscharfen Analysen und die daraus resultierenden Vorschläge so wünscht man sich, dass 1989 nicht der Helmut aus Oggersheim sondern der Helmut aus Hamburg Kanzler gewesen wäre!

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Weil Schmidt nicht mehr um Wählerstimmen für eine Kanzlerschaft buhlen muss, kann er reden, wie ihm die Schnauze steht. Er hätte nicht schlecht gefunden, wenn die DDR 1989 als eigener Staat der Europäischen Union beigetreten wäre. Der Zug ist abgefahren. Die 1:1-Währungsumsetzung fand er falsch. Er hätte gescheiter gefunden, auch zum Vorteile der Ostdeutschen, wenn ein Sonderwirtschaftsgebiet mit eigenem Lohnniveau eingerichtet worden wäre. Ihre eigenen Fabriken wären ihnen dann nicht vor der Nase weggekauft worden. Die Finanzierung des Gefälles durch Aufnahme von Staatskrediten statt durch ehrliche Steuerhöhung sieht er dadurch verursacht, dass damals Kohl hätte gern wiedergewählt werden wollen. Steuererhöhungen hätten den Wähler unlustig gemacht. Schmidt wirft auch der gegenwärtigen großen Koalition vor, immer noch nicht ehrlich genug mit diesem Debakel umzugehen. Das Steigen der Staatsschulden um 1.000 Milliarden sei identisch mit den Nettotransfers von 1.000 Milliarden in die "Neuen Länder". Er spricht von Jammer-Ossis, wenn er vergleicht, mit welchem Aufholtempo die 40 Millionen Polen (oder Tschechen oder Ungarn oder sonstige aus dem Lager der sozialistischen Bruderstaaten) zufrieden sind. Mit Meckern oder Betteln, mit naivem Glauben an die selbstregulativen Kräfte des Marktes oder mit Appellen an eine unendliche westdeutsche Brüderlichkeit und Aufopferungsbereitschaft seien die Dinge nicht ins Gleichgewicht zu bekommen. Die Wiedervereinigung sei eine nationale Notwendigkeit, sie sei aber katastrophal schlecht und unehrlich bisher politisch und ökonomisch bewältigt worden. Schmidt ist sein Leben lang wahrlich kein Marxist gewesen, aber am Ende muss er doch einsehen, wie stark es stimmt, dass der finanzielle Rahmen das Bewusstsein, ja das Wohlbefinden einer Bevölkerung bestimmt. Er hofft, dass als Trostpflaster hinzukommt die Freude darüber, dass 14 Millionen Deutsche nun auch Redefreiheit haben. Selbstverständlich ist zu wünschen, dass auch Helmut Schmidt sie im umfangreichen Maße nutzen kann - auch wenn manches manchem quer den Hals heruntergeht...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Christian Günther TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
dann wären einige Probleme wahrscheinlich inzwischen gelöst oder zumindst abgemildert. Dieses Buch versammelt in chronologischer Folge öffentliche Reden, Aufsätze aus der Wochenzeitung "Die Zeit" und Kapitel anderer Schriften von Helmut Schmidt zum Thema Entwicklung der Deutschen Einheit von 1989 bis 2005 und endet mit einem damals aktuell für dieses Buch hinzugefügten Ausblick des Autors, natürlich wieder mit klarer Aufforderung das gebotene umzusetzen. Somit ensteht ein historisch wertvoller Überblick über die Entwicklung und leider auch die Versäumnisse der ersten 15 Jahre nach Vereinigung Deutschlands, aus dem Blickwinkel der Tagesaktuallität, nicht rückblickend. Wie ein roter Faden zieht sich, bei aller wohl begründeten Kritik, die Dankbarkeit für die (unblutig) erlangte Einheit unseres Volkes, unserer Nation. Helmut Schmidt wäre nicht Helmut Schmidt, würde er für jede Fehlentwicklung die er (oft lange vor anderen) erkennt, jede Kritik die er unverstellt zum Ausdruck bringt, nicht auch einen Lösungsweg benennen können. Dies tut er, dies tut er ausführlich, dies tut er verständlich und mit dem Wissen von heute, erkennt der Leser, daß alles, was er 1990, 1992 oder 1995 usw kommen sah, auch tatsächlich eintrat. Nicht weil er seherische Fähigkeit besitzt, sonder weil er seinen Verstand gebraucht! Und man fragt sich, hat diese Beiträge damals niemand der politisch Aktiven gelesen oder verstanden? Schmidt ist niemals selbstgerecht. Es wäre Unsinn zu behaupten, ein Kolossalereignis wie der Zusammenbruch eines Systems und die daraus möglich gewordene Vereinigung zweier völlig unterschiedlicher Staaten, wäre fehlerfrei zu meistern. Für solche Ereignisse gibt es keinen Plan, darauf kann sich keine Regierung vorbereiten. Darauf geht er auch wiederholt ein, äußert klares Verständnis und kritisiert da auch nicht. Doch es gab die Fülle an vermeidbaren Ungeschicklichkeiten, größenwahnsinniger Überschätzung und mangelnden Mut zur Offenheit und daraus resultierender Fehlentscheidungen, die z.B. nachhaltig zur anhaltend hohen Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern beitrugen und die Jahr um Jahr nicht angegangen wurden und werden. Sehr lesenswert.
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