Das Thema "Nahtoderfahrung" hat in den letzten Jahren bis Jahrzehnten immer mehr Bedeutung gewonnen. Einerseits macht die Forschung in der Neurobiologie und Physik fortwährend weitere Fortschritte, was dem Thema aus wissenschaftlicher Sicht stetig neuen Stoff liefert, und andererseits nimmt auch das Interesse der Menschen daran immer mehr zu. Dies hat zur Folge, dass im deutschsprachigen Raum und noch viel mehr im englischsprachigen die Literatur zum Thema "Leben nach dem Tod" fast überhandnimmt. Die Qualität des Schrifttums ist allerdings sehr unterschiedlich. Sie reicht von populistisch aufgemachtem Nonsens bis hin zu wissenschaftlich fundierten Ausarbeitungen, die hochinteressant sind. Zu letzteren möchte ich auch das vorliegende Buch zählen. Dabei sticht Günter Ewald besonders damit aus all der anderen Literatur heraus, dass er seine Aussagen auf den Punkt bringt. So kann auch der Laie wissenschaftliche Zusammenhänge gut verstehen und man erkennt klar, welche Position der Autor selbst vertritt. Dies ist in vielen vergleichbaren Büchern nicht der Fall.
Schon in der Einleitung weist Prof. Ewald darauf hin, dass Wissenschaft, Unsterblichkeit und auch der Glaube miteinander zu vereinbarende Gebiete sind.
Dann geht er in einem ersten Teil auf die verschiedenen typischen Phänomene der Nahtoderlebnisse ein, die er an Hand einer Studie des renommierten Nahtodforschers Pim van Lommel aufzeigt und im Folgenden durch einige ausgesuchte Fallbeispiele illustriert. Dabei stellt er auch die Frage, ob diese Ereignisse durch die Neurobiologie erklärbar sind, so wie dies viele materialistisch orientierte Wissenschaftler darzustellen versuchen.
Prof. Ewald schildert teils eindrückliche, meist subjektiv sehr positiv empfundene Erlebnisse, die Menschen in der Nähe des Todes machten, zeigt aber ebenso auf, dass es durchaus auch negative Gefühle in dieser Lebensphase geben kann. Dies ist beispielhaft für die Objektivität des ganzen Buches.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem für Laien sehr schwer verständlichen Gebiet der Quantenphysik, durch welche Prof. Ewald Aspekte des Bewusstseins und dessen Trennbarkeit vom Körper aufzeigt. In eindeutiger, wohltuender Abgrenzung von Esoterik und Materialismus geht er der Frage nach, ob das "Bewusstsein" das "Sein" schafft und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass beides zwar verflochten ist, jedoch keine Kausalität besteht. So sei auch der Umkehrschluss der Materialisten falsch, dass aus dem "Sein" "Bewusstsein" entsteht. In der Erweiterung dieser Gedanken erklärt der Autor an Hand eines praktischen Beispiels sehr verständlich, was man in der Quantenphysik unter "Nichtlokalität" und "Verschränkung" versteht und wie diese Phänomene für das Verständnis von Bewusstsein und Seele von Bedeutung sind.
Der dritte Abschnitt beginnt damit, dass das Diesseits und das Jenseits nicht einfach als verschiedenartige Dimensionen gedacht werden können, sondern sich gegenseitig durchdringen.
Fragen dieses Kapitels sind, wer der Träger des Bewusstseins ist, was eigentlich der Begriff "Seele" beinhaltet und wie das Phänomen der "Verschränkung" zum Fortbestand der Seele nach dem Tod mitwirkt.
Günter Ewald geht dann schließlich auf diverse Positionen verschiedener Denker und Wissenschaftler ein. Er grenzt sich ab von Pim van Lommels "Endlosem Bewusstsein" und dem damit verbundenen Panpsychismus, zeigt durch einen Dialog zwischen Wolfgang Pauli und C.G. Jung noch einmal die Bedeutung der Begriffe "Nichtlokalität" und "Verschränkung" auf und stellt an Hand der sog. Niemz'schen Seelenflugtheorie dar, zu welch abstrusen Vorstellungen man in diesem Themenbereich kommen kann.
Durch diese verschiedenen Herangehensweisen an das Thema illustriert der Autor die überaus wichtige Erkenntnis, welche auch auf anderen wissenschaftlichen Gebieten Gültigkeit hat, dass beim Erstellen jeglicher Hypothesen immer die Überzeugungen des formulierenden Wissenschaftlers mitspielen und niemand in einem ideologisch freien Raum steht.
Schließlich bringt Günter Ewald sein Buch im letzten Abschnitt über die unsterbliche Seele und den christlichen Auferstehungsglauben zu einem Höhepunkt mit der Aussage: "Die unsagbare Liebe, die in Nahtodbegegnungen erfahren wird, entspricht der befreienden Botschaft der Liebe, die Kernaussage der christlichen Auferstehungshoffnung ist." Dadurch werde ich als Christ in dem Glauben bestärkt: Das Schönste kommt noch.
Der Leser hat mit "Auf den Spuren der Nahtoderfahrung" ein hervorragendes Buch in der Hand. Die klaren, eindeutigen und fundierten Aussagen lassen ihn auf die hoffnungsvolle Zukunft, die man erahnen kann, vertrauen. Ganz persönlich möchte ich allerdings noch hinzufügen, dass erst ein Einziger von hinter der Grenze zurückgekommen ist, Jesus Christus selbst, und dass auch nur er, wie er selbst sagt, der Grund irgendeiner Hoffnung sein kann.