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Auf den Marmorklippen
 
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Auf den Marmorklippen [Gebundene Ausgabe]

Ernst Jünger
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 138 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 19., Aufl. (2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608952071
  • ISBN-13: 978-3608952070
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 13,4 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 180.660 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Auf den Marmorklippen
OA 1939 Form Erzählung Epoche Moderne
Die Erzählung Auf den Marmorklippen gehört zu den meistgelesenen Werken von Ernst Jünger. Als symbolistische und vorausblickende Schilderung der Zerstörung Europas durch den Zweiten Weltkrieg gilt es vielen als Zeugnis der inneren Emigration des Autors und als kaum verschlüsselter Angriff gegen das NS-Regime.
Inhalt: Bruder Minor und Bruder Otho leben gemeinsam zurückgezogen in ihrer Klause in der Marina, einer Gegend, die an mediterrane Landschaften erinnert, an den Schwarzwald und die Region um den Bodensee: eine arkadische Landschaft, deren Verbindung von nordeuropäischen und südeuropäischen Elermenten einen mythischen Raum entwirft.
Hier erforschen die Brüder die Botanik und legen in jahrelanger Arbeit ein umfangreiches Herbarium an. Bedroht wird die Idylle durch den Oberförster, dessen im tiefen Wald versteckte Reviere Zufluchtsort für Verbrecher und Ausgestoßene aller Art sind – auch der Rattenfänger von Hameln soll mit den verführten Kindern dort hin gezogen sein.
Auf einer ihrer Exkursionen in die Wälder entdecken die Brüder die »Köppelsblek«, das hier als »Schinderhütte« genannte Konzentrationslager des Oberförsters. Zunächst schleichend – dann aber in eine kurze erbarmungslose Schlacht zwischen den Bewohnern der Marina und den Horden des Oberförsters mündend, wird das Land und seine Gesellschaft zerstört. Auch die Klause mit dem Herbarium geht in Flammen auf – die Brüder selbst stecken sie durch einen Strahl des aus Kristall geschnittenen »Spiegels des Nigromontanus« in Brand und sichern so den Fortbestand ihrers Werks in der »Sicherheit des Nichts«. Durch ihre guten Beziehungen gelingt ihnen die Ausreise über das Meer in das nicht weit entfernte Alta Plana, wo sie von früheren Freunden warmherzig empfangen werden. Das Schicksal der Marina hingegen bleibt im Dunkeln.
Aufbau: Auf den Marmorklippen steuert erzählerisch auf den finalen Kampf zu und wird deshalb immer wieder auch als Novelle bezeichnet. In zahlreichen Andeutungen und Reflexionen deutet Jünger die Katastrophe voraus. Dabei erinnert die mythisch-symbolistische Schilderung der Geschehnisse und Personen an die Welt der nordischen Sagen.
Wirkung: In den letzten Friedensmonaten des Jahres 1939 geschrieben und von den Nationalsozialisten nur teilweise und aus verschiedenen Gründen geduldet – zu diesen Gründen muss auch Jüngers hohes Ansehen als Held des Ersten Weltkriegs gerechnet werden –, gilt Auf den Marmorklippen als Zeugnis der Inneren Emigration Jüngers, als Akt des Widerstandes, da es unverschlüsselt den nationalsozialistischen Terror schildert. Es ist Ausdruck der Distanz und Ablehnung des Autors, indem es wie kein zweites zeitgenössisches Buch im Dritten Reich das NS-Regime und seinen als geistlos empfundenen Totalitarismus angriff. Kritiker Jüngers sehen allerdings in den Schilderungen einen Versuch, den blutigen Untergangsszenarien Schönheit abzuringen und sie zu verklären. Giorgio Battistelli (Komposition) und Giorgio van Straten (Libretto) schufen die Oper Auf den Marmorklippen, die in Zusammenarbeit mit der spanischen Performance-Gruppe »La Fura Dels Baus« am 8. März 2002 am Mannheimer Opernhaus uraufgeführt wurde J. We. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Kurzbeschreibung

"Das kleine Buch von Ernst Jünger...war das kühnste Erzeugnis der Schönen Literatur, das während der Zeit des Dritten Reiches in Deutschland ans Licht getreten ist. Die Lektüre erregte und bewegte uns außerordentlich. Es war wie ein Signal, das plötzlich aus der Düsternis aufschießt und die Gegend erhellt. Es bot Stärkung und wirkte als ein Mittel der Verständigung unter denen, die gegen Bedrohung oder Versuchung der Tyrannei sich festigten... In Chiffren war unseren elenden Beherrschern das Urteil gesprochen." Dolf Sternberger/Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Auf den Marmorklippen" beschreibt eine Art idealisiertes, stark komprimiertes Paneuropa, in dem grobgefaßt drei Stände leben: ein kultivierter Stand, der an der "großen Marina" lebt; ein halbarchaisches Hirtenvolk sowie im angrenzenden Wald der "Oberförster" mit seinen aus verschiedenen Gründen von der Gesellschaft ausgestoßenen Gefolgsleuten.
Der Erzähler lebt mit seinem Bruder in einer Hütte "auf den Marmorklippen", wo sie weltfern abgewandt botanische Studien betreiben. Zusammen mit ihnen leben der Knabe Erio und dessen Großmutter.
Die Brüder, ehedem selbst als Soldaten in einem noch altmodisch-ritterlich geführten Feldzug beteiligt, erkennen zwar den allmählichen Zerfall des Marinavolkes, der durch die geschickte Untergrabung und Ränke des "Oberförsters" unausweichlich zu sein scheint, handeln aber weiterhin nicht. Erst als sie von einem befreundeten Priester einen Hinweis auf einen Standort einer seltenen Pflanze erhalten, erkennen sie die wahre Fratze des kommenden Tyrannen. Am Ort der Pflanze befindet sich auch eine Scheune, die "Schinderhütte", die ihren Namen auf grausame Weise alle Ehre macht: abgeschlagene Hände wurden zuhauf an die Wände genagelt, deutliche Spuren von Folter und Quälerei sind erkennbar.
Doch immer noch greifen die Brüder nicht ein. Erst als zwei befreundete Besucher einen Anschlag auf den Tyrannen auszuführen suchen und dabei ums Leben kommen, sehen sie sich in der Pflicht, gemeinsam mit einigen wenigen Aufrechten gegen die aufkommende Gewaltherrschaft anzutreten.
Es kommt zu einem blutigen Gemetzel, das verloren geht; die Brüder können knapp und mit Glück ins Exil entkommen, um dort auf bessere Zeiten zu hoffen.
Man kann dieses Werk meiner Meinung nach sehr exemplarisch für Jüngers eigene Haltung dem Totalitarismus gegenüber verstehen: Auch er stand dem aufkommenden Nationalsozialismus lange Zeit zumindest wohlwollend duldend gegenüber, ließ sich aber nicht auf eine Vereinnahmung durch die Nazis ein. Er wußte vom geplanten Attentat auf Hitler, involvierte sich hier aber ebensowenig. Er blieb distanziert-beobachtend, vielleicht war es für ihn der einzige Weg, diese Zeit unbeschadet zu überstehen.
Und doch scheint mir "Auf den Marmorklippen" auch eine Art selbstreflektierende Kritik zu sein: Als der Erzähler den abgetrennten Kopf seines "edlen" Freundes erblickt, "schwur ich vor diesem Haupt mir zu, in aller Zukunft lieber mit den Freien einsam zu fallen, als mit den Knechten im Triumph zu gehn".
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Auf den Marmorklippen" ist ein wahrhaft beeindruckendes Werk, welches jedoch nicht für jeden Leser ansprechend seien dürfte. In ihm beschreibt Ernst Jünger ein imaginäres Ringen zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten, in einer erdachten Welt aus Mooren, Wiesen und Wäldern.

Zunächst gilt es den Entstehungshintergrund des Werkes zu kennen, denn "Auf den Marmorklippen" nimmt ganz entscheidend auf diesen Bezug: Es entstand zur Blüte des Faschismus und bildet eine zeitgenössische Allegorie auf dessen Aufstieg, dessen Natur und dessen Ringen mit den Mächten der Freiheit. Fast alle Personen, jedes Geschehen lässt sich abstrahieren, so dass dieses Buch von Beginn an ein Symbol sein will, ein Symbol gegen und über die Natur der aggressiven diktatorischen Systeme des 20. Jahrhunderts.
Beeindruckend ist in diesem Buch vor allem die Fähigkeit Jüngers mit seiner brisanten Thematik umzugehen: Statt seine Darstellung in ein nüchternes, kaltes ja fast schon biederes Gewand zu kleiden, wie in vielen Werken anderer Autoren über den Faschismus, wählt Jünger einen gänzlich anderen Tenor aus träumerischer Leichtigkeit und surrealer Verschlungenheit. So hat vom kleinsten Käfer bis zum größten Wald alles eine ausgestaltete, träumerische Note, die wahrhaft zum Schwelgen in Naturbetrachtungen sowie in epischen Dimensionen einlädt. Jünger schafft es auf diese Weise außerdem, seiner Geschichte eine altmodische Größe zu geben, eine, die bewusst mehr sagt als nur das unbedingt zu Sagende, was "Auf den Marmorklippen" auch zu einem Buch macht, in das man sich wundervoll fallen lassen kann.
Leider mag gerade diese besondere Note für viele Leser sehr abschreckend seien, denn man muss zugeben, dass Jünger einige Opfer für die Erzeugung der speziellen Atmosphäre bringt: Die Sprache mag modernen und jungen Lesern (zu) altmodisch erscheinen und vor allem zu komplex. Etwas auf vielschichtige Weise Gesagtes kann nämlich nicht nur zum Nachdenken und Schwelgen einladen, sondern in manchen Augen das Gelesene auch verwirrend und abstrus erscheinen lassen. So lässt sich feststellen, dass, wer leichte Unterhaltung sucht, sicher nicht an erster Stelle zu "Auf den Marmorklippen" greifen sollte.

Dennoch hat Ernst Jünger ein beeindruckendes Werk geschaffen, dass eine verträumte und gleichzeitige mahnende Allegorie der modernen Faschismen darstellt. So sollte jeder, egal ob er nun in reichen Bildern oder philosophischen Fragen nach Natur und Rettung vor dem "Bösen" schwelgen will, zugreifen.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Jünger schreibt undurchsichtig. Durchsichtig und Durchgängig ist ein Motiv, das Motiv der Ordnung. Ordnung im Kosmos, Ordnung in der sorgsamen Kategorisierung im Herbarium und Ordnung in der Gesellschaft. Doch ist diese Ordnung der Gesellschaft der Ordnung der Wissenschaft gleichzusetzen? Ist sie geprägt durch Gewalt, während seine Ordnung im Herbarium eine Ordnung des Geistes ist. Nun: Die Fakten sind das eine, die Aussage mäandert zwischen den Kräften des Geistes und den Kräften der Gewalt. Es ist die Vergangenheit, die im Glück und in Freude verbracht wurde. Die Gegenwart ist „wilde Schwermut" gepaart mit Erinnerung. So steigt er ein in einen von Mystik und Symbolik geprägten Roman, der ein finales Ende sucht auf jeder Seite, ein finales Ende im Kampf, ein Ende mit Gewalt, um letztendlich Neues zu gebären. Hesse sagte es bereits, (wer Neugeburt will, muss zum Sterben bereit sein) und Jünger bringt es in Kap 13 auf den Punkt: „Die Menschenordnung gleicht dem Kosmos darin, dass sie von Zeit zu Zeiten, um sich von neuem zu gebären, ins Feuer tauchen muss." Auf den Höhen der Marmorklippen, eigentlich an deren Abgrund, beschreibt Otho, der Bruder des Ich-Erzählers dieses erneut, „der Sinn des Lebens liegt in der Schöpfung des Vergänglichen". Um diese Vergänglichkeit zu jedem Zeitpunkt zu kennen, ist eine klare Ordnung notwendig. „Wir gehen lieber, wenn die Dinge in Ordnung sind." So wird das Siegel des Abgeschlossenen und Unveränderbaren gesetzt, dieses Ziel formvollendet in der Übertragung ins Nichts. Vernichtung und Geburt paaren sich als Gegensätzlichkeiten, wie auch Geist und rohe Gewalt als Machtinstrumente. Um die Macht der Vernichtung bei sich zu halten, dient ein Spiegel des Nigromontans, der letztendlich als Brennpunkt im wahrsten Sinne Verwendung findet.
Herrschaft über den Menschen, dieses zeigt Jünger in der Person der Oberförsters. Die Diskussion über diese Herrschaft lässt er Braquemart führen, der sich auf ein böses Abenteuer einlassen wird, einem Abenteuer, wo die Praktiker die Ethiker erledigen. Es klingt wie bei Shakespeares Othello und Jago und seinen Kabalen. Und auch hier wird deutlich, „dass einem Befehl folgend, gute Krieger sich im Sterben noch zum Kampfe erheben."
Der Schluss ist ein Finale im Kampf, ein Heer von Hunden dient zur Erleichterung der Beschreibung von Grausamkeiten. Die Furcht allerorten wird erzeugt von dem, der selbst nicht ohne Furcht ist, sagt Epikur. Und die „Verewigung im Nichts" nach Jünger ist bei Epikur im Tod. Der Tod ist für ihn das Nichts, da wir ihm nie begegnen. Ein Nichts kann keine Sehnsucht haben bzw. erzeugen, sagt Epikur.
Jünger nimmt Elemente von Hesse, Heraklit, Nietzsche (Der Antichrist) und aus der Bibel. Die Offenbarung zum „Ende des Tausendjährigen Reiches" trifft hier Heraklits „Panta rei".
Schönheit einer Kunstsprache trifft Schrecken der Wirklichkeit, Ambivalenz von Geist und Gewalt führt Ernst Jüngers Feder.
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Am 21. Juli 2000 veröffentlicht
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