Für "Nach Hause schwimmen" erhielt Rolf Lappert den Schweizer Buchpreis. Nach diesem prallen Roman, der in seiner erzählerischen Kraft, überbordenden Phantasie und Mischung aus Komik und Tragik im besten Sinn an amerikanische Erzähler wie John Irving erinnerte, waren die Erwartungen hoch.
Für die "Inseln des letzten Lichts" hat Lappert Kritik einstecken müssen, wie man hier lesen kann. Doch auch die Profikritiker waren nicht überzeugt. Dabei ist das Buch keineswegs schlecht. Wie "Schwimmen" ist es voller liebevoll ausgeschmückter Geschichten und Charaktere, und spannend ist es eigentlich auch. Bis zum Schluss treibt den Leser die Frage nach der Auflösung, und ganz hinten löst Lappert auch auf - mit einigen überraschenden Schlusspointen.
Wahrscheinlich liegt es am Sujet und den Hauptpersonen, den Geschwistern Tobey und Megan, dass sich auch meine Begeisterung in Grenzen hält. Tobey ist ein gescheiterter irischer Rockmusiker, der sich auf die Suche nach seiner verschollenen Schwester macht. Megan ist eine militante Tierschützerin und Vegetarierin; letzter bekannter Aufenthalt eine philippinische Insel, auf der angeblich Primatenforschung betrieben wird.
Ich finde es gut, dass Lappert sich nach "Schwimmen" ein anderes Thema gesucht hat und nicht nochmal dasselbe in Grün erzählt. Doch mit den Tieren hat er sich keinen Gefallen getan. Ob er darauf spekuliert hat, eine Debatte anzustoßen? Wenn, dann geriet er unglücklich in den Sog der Vegetarierdebatte, die Jonathan Froer ausgelöst hat. Dabei ist Lapperts Thema breiter, Vegetarismus ein Unterthema des Tierschutzes, und der ein Unterthema der Sinnsuche, die Megan treibt.
Zu Beginn lernen wir in Briefen an Tobey die schwierige Megan kennen. Es ist schwer, sich mit einer unzugänglichen, extremen Persönlichkeit anzufreunden. Ebenfalls zu Beginn gibt es eine längere Schilderung über die Arbeit in einem Schlachthof. So eindringlich, ja aufwühlend das zu lesen ist - es war auch sehr unappetitlich, und das Kapitel hat mir nur wenig Lust zum Weiterlesen gemacht, weil Schlimmes zu erwarten war. Es blieb lange unklar, wohin die Geschichte führen würde - wir lesen über das Leben auf der Insel aus Tobeys, später aus Megans Perspektive; hatte der frühere Drehbuchautor Lappert "Lost" im Hinterkopf? Dazwischen wird ausführlich Tobeys Leben in Dublin geschildert, auch dies die Geschichte einer Sinnsuche. Das Buch mäandert vor sich hin, denn es ist nicht so geistreich oder stilistisch einzig, dass man sich allein dadurch gut unterhalten fühlte.
Nach wie vor halte ich Rolf Lappert für einen Erzähler mit Potential. Ich freue mich auf sein nächstes Buch.