"Ich ärgere mich nicht, ich ärgere lieber die anderen."
(Robert Koldewey)
"Auf dem Weg nach Babylon: Robert Koldewey - Ein Archäologenleben" wurde im Jahre 2008 vom Mainzer Philipp von Zabern Ve
Babylon - Mythos; Babylon - Wahrheit, 2 Bde.rlag zwar zur damaligen Sonderausstellung im Berliner Pergamonmuseum "Babylon – Mythos und Wahrheit" herausgegeben, stellt jedoch nicht deren Katalog oder Begleitband dar. Das, die zwei Bände „Wahrheit“ und Mythos umfassende Begleitbuch "" war vielmehr im Müchner Kunstbuchverlag Hirmer erschienen. Das insgesamt 928seitige Werk ist heute nur im Modernen Antiquariat zu erhalten.
Der 192seitige Band ist vielmehr im Zuge einer Sonderausstellung des Vorderasiatischen Museums Berlin zum 150. Geburtstag und zugleich 80. Todetages von Johannes Gustav Eduard Robert Koldewey (1855 – 1925), einem der bedeutendsten deutschen Vertreter der vorderasiatischen Archäologie und Begründer der modernen historischen Bauforschung, sowie eines anschließenden Symposiums im Jahre 2005 entstanden. Die Ausstellung "Robert Koldewey – ein Archäologenleben" war vom 01.09.2005 bis 31.12.2005 ebenfalls im Pergamonmuseum exponiert worden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Kustos der archäologischen Sammlung des Museums, Dr. Ralf-Bernhard Wartke (Jahrhgang 1948) als Herausgeber des Bandes fungiert und auchs selbst eines von 10 Kapiteln verfasst hat. Auch bei den anderen neun Autoren handelt es sich um Experten der vorderasiatischen Archäologie.
Dr. Ralf-Bernhard Wartke führt in seinem Vorwort aus, dass der Band nur vordergründigder Extrakt des wissenschaftlichen Komposiums zu Ehren Robert Koldeweys ist. Die Autoren beabsichtigten vielmehr, neben Daten, Fakten und Analysen des Archäologenlebens auch den Menschen Koldewey in all seiner Widersprüchlichkeit darzustellen. Sein sprichwörtlicher Humor war sehr oft gewürzt mit Bitterkeit und verletztender Schärfe, wie das Eingangszitat deutlich macht. Vielleicht ermöglichten ihm gerade diese Maxime und seine Schroffheit, seine psychisch belastende Arbeit zu ertragen, der er sich kompromisslos mit Bessenheit und unter Zurückstellung möglicher Lebenswünsche, hingab. Als Symposiumsprotokoll soll der Band in einer Verschränkung von Wissenschaft und Feuilleton, von Fakten und Lebensfacetten, auch außerhalb der strengen Forschungsregeln, die alten Pfade verlassen. In einem neuen Format möchten die Autoren ihre Leser gleichzeit belehren und unterhalten.
Der Band widmet sich somit dem "Ausgäber von Babylon", dessen unermüdlicher Einsatz es zu verdanken ist, dass ein Teil der archäologischen Fundeim Jahre 1927 nach Berlin kamen. Auch die Rekonstruktionen von farbig glasierten Monumentalbauten aus Babylon gehen als Grundstock für das Interesse an den im Vorderasiatischen Museum aufgestellten Exponaten auf Koldeweys Initiative zurück. Leider konnte er die Rekontruktionen der Prozessionsstrasse, des Ischtar-Tores und der Thronsaalfassade im Pergamonmuseum nicht mehr sehen, weil sie erst 1930, fünf Jahre nach seinem Tod fertiggestellt werden sollten. Obgleich der Band den Fokus auf Robert Koldewey richtet, bietet er dennoch eine ganze Reihe von Informationen, Fotos, Zeichnungen usw. Von Babylon, wo der Archäologe 17 Jahre seines Lebens verbrachte, die lediglich von kurzen Aufentahlten in Deutschland (1904, 1910 und 1914) unterbrochen wurden. Zur Biographie der geradlinigen, aber auch selbstzerstörerischen Persönlichkeit Koldeweys gehören auch seine wissenschaftlichen Aktivitäten in Troas, auf Lesbos sowie in Süditalien. Während er mit seiner Feldforschung neue Maßstäbe setzten konnte, stützte er sich bei seinen Ausgrabungen vornehmlich auf Architekten, was ihn zu einem Begründer der "Architektonischen Bauforschung" machte. Eine Koldewey-Bibliographie, ein Literaturverzeichnis und ein Verzeichnis der Quellen von Zitaten und Aphorismen bilden den Abschluß eines außergewöhnlichen Bandes.
Die Annäherung an die Archäologie Babylons über einen ihrer bedeutenden Protagonisten verdient eine Bewertung mit 5 Amazonsternen.
Berlin-Schöneberg, den 9. Mai 2013