"Auf brennender Erde" ist wieder mal einer dieser Filme, die ich eher aus Zufall sah und von denen ich in der Regel wenig erwartete. Um so überraschender ist es jedes Mal, wenn sich diese Streifen dann als kleine Highlights herausstellen, was dieses Drama von Guillermo Arriaga in jeglicher Hinsicht für mich ist. Zwar zeichnete sich der mexikanische Schriftsteller bereits für die Drehbücher verantwortlich, die Alejandro Inarritos Filme wie
Amores perros,
Babel und
21 Gramm zu weltweiter Anerkennung verhalfen, trat selbst allerdings nur selten zusätzlich noch als Regisseur in Erscheinung.
Der Film beginnt mit einem brennenden Wohnwagen in der staubigen Wüste im mexikanischen Grenzgebiet. Gina und Nick verbrennen in den Flammen. Sie waren, so erfährt man im weiteren Verlauf des Filmes, ein Liebespaar. Der Trailer diente den beiden als Rückzugsort, denn ihre Liebe musste geheim bleiben. Beide waren verheiratet, hatten Kinder. An dieser Stelle wird bereits klar, dass Arriaga seiner stilistischen Idee auch in "Auf brennender Erde" treu bleiben wird, denn auch diese Geschichte verläuft nicht linear oder verbleibt bei der im Prolog vorgestellten. Sylvia, Restaurantbesitzerin, steht nach dem Sex nackt am geöffneten Fenster ihrer Wohnung und raucht. Auch von ihr wird man einges erfahren, über ihre Bindungsschwierigkeiten und dem Hang sich selbst zu verletzen. In Mexiko stürzt der Pilot eines Kleinflugzeuges während seiner Arbeit auf dem Feld ab und wird schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Er hat eine kleine Tochter, Marianna. Diese reist mit dem besten Freund des Vaters nach Amerika, auf der Suche nach der Mutter.
Alle drei Geschichten werden im Verlauf miteinander verschmelzen. Bis dies jedoch der Fall ist, funktionieren sie eigenständig. Abwechselnd folgt man den Erzählungen, ohne den Zusammenhang vollends verstehen zu können, zu viel anscheinend unterschiedliches geschieht in den Episoden. Doch im Verlauf des Filmes werden die Perspektiven näher und klarer erläutert. Viele Charaktere, untergebracht in verschiedenen Geschichten, benötigen insbesondere in den ersten 30 Minuten die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers, um am Ball bleiben zu können. Diese lohnt sich jedoch, denn ab dem Zeitpunkt, an dem die einzelnen Puzzlestücke aneinander zu passen scheinen, nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Hierbei verfestigen sich die Dramen und Schicksalsschläge der einzelnen Episoden und führen schlußendlich zu einem einzigen großes Drama. Im Gegensatz zu den in der Einleitung genannten Filmen, wird die "eingeschlagene Marschrichtung", in Bezug auf die drehbuchtechnische Umsetzung einer Geschichte in "Auf brennender Erde" zwar beibehalten, der Film öffnet sich jedoch einem breiteren Publikum. Das liegt nicht nur an dem Cast, Kim Basinger und Charlize Theron spielen (ebenfalls unerwartet gut) in Hauptrollen, sondern auch an der "Reduzierung des Schweren" und dem Verzicht, allzu intellektuell zu wirken. Ein Drama, wie immer man das auch auslegen und definieren mag, ist der Streife auf jeden Fall, jedoch weniger depressiv, weniger traurig und alles in allem weniger schwer im Magen liegend. Vergleiche mit u.a. "Babel" sind mit Abstrichen jedoch angebracht, auch wenn man, sollten Arriaga und Inarrito miteinander verglichen werden, dem Regie(fast)Neuling eben dieses "New In Business" noch anmerkt. Auch wenn den Bildern und Fotografien ein ähnlicher Stellenwert eingeräumt wird, ist Inarrito logischerweise noch Meilen voraus. Das selbe gilt für die Authentizität und Glaubwürdigkeit der entwickelten und umgesetzten Rollen. Aber warum sollte man auch Filme machen wollen, wie jemand anderes. Als Hausnummer können diese jedoch genutzt werden.