Puh! Ein ganz schön schwieriges Album. An mein Lieblingsalbum "Raus" kommt "Auf Zum Atem" nicht ganz ran. Nach dem ersten Durchhören war ich irgendwie erschlagen.
Im Vergleich zu den ersten beiden Alben sehe ich "Auf zum Atem" als eine konsequente Weiterentwicklung. Die Stücke rocken immer noch, und es geht nur in eine Richtung: vorwärts, und das schnell. Aber die Stücke sind teilweise deutlich düsterer geworden. Das gilt sowohl für die Texte als auch für die Melodien. Wer meint, zu "Hubschrauber", "Bitte Bitte Bitte" oder gar "Lass Mich" einfach so unbeschwert tanzen zu können - gut. Ich kann es nicht.
Einfach so konsumieren geht hier nicht mehr: "Wie ein Clown schrei ich nach Liebe, wie ein Fisch brauch ich mehr Luft! Meine Würde stahlen Diebe und mein Stolz verstarb im Suff! Schon zum fünften Mal in Folge hat die Bank das Spiel gemacht. Denn der Teufel ist ein Nehmer, und er schummelt nicht, er lacht!" - das sind die ersten Zeilen aus "Sturzflug".
Oder "Es ist egal was du auf dem Kasten hast, wenn du in die Kiste kommst. Im Mittelpunkt zu stehen oder liegen, das Ende ist umsonst." - das sind die ersten Zeilen aus "Egal".
Also: ein Album, das sich mit vielen gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt, so intensiv und authentisch wie Spillsbury nun mal sind (= sehr). Einsamkeit ("Lass Mich"), Depression ("Grau"), Ängste ("Mitten In Der Nacht") und Dummheit und moralische Verkommenheit ("Irrsinn") sind so in etwa die Themen des Albums.
Der rotzige Gesang von Zoe haut einem das regelrecht um die Ohren, und dazu passt, dass die Produktion dieses Mal ungeschliffener ist als bei den Vorgängern und die Stücke sich teilweise roh anhören (mehr Gitarre und etwas weniger Synthesizer).
Ich weiß nicht, woran es liegt, aber die ersten beiden Alben, besonders "Raus", haben mich beim Hören mit einer ungeheuren Intensität emotional beflügelt. Mit der gleichen Intensität hat mich dieses Album regelrecht runtergezogen. Es gibt tausend andere Bands, die sich schon über ähnliche Themen wie Spillsbury ausgelassen haben, aber das hat mich emotional selten erreicht. Hier ist das ganz anders.
Was soll ich jetzt für ein Fazit ziehen? Wer mit der Musik von Spillsbury bislang nichts anfangen konnte, der wird mit "Auf Zum Atem" erst recht nichts anfangen können. Wer sie liebt (so wie ich), der sollte sich, wenn er (oder sie) dieses Album kauft, schon mal innerlich wappnen.