Zum 30. Todestag von Bob Marley veröffentlicht der US-Amerikaner Mark Miller seine Erinnerungen an den legendären Reggae-Künstler, der mit nur 36 Jahren an Hautkrebs starb. Miller war gut drei Jahre (die letzten drei Jahre) lang Mitarbeiter von Marleys Tour-Crew. Aus dem was Miller zu erzählen hat, hätte sich auch ein Heft, gerne auch in Farbe statt wie hier ausschliesslich in s/w, gestalteten lassen können. So ist es ein, in jeder Hinsicht, etwas dünnes Buch geworden. Die vielen Wiederholungen und die offen zu Schau getragene Unlust tiefergehend zu recherchieren hat einen gewissen, sympathischen, unschuldig-naiven und unprofessionellen Charme, im Ergebnis ist es deshalb leider keine sehr ergiebige Informationsquelle geworden. Viele Fotos, Zitate von Marley, Auszüge aus den Tourplänen, Setlists, Diskographie, Chronik von Marleys Leben, Infos über seine Ernährung (ital food = kein Salz, kein Fleisch (besonders kein Schweinefleisch, keine künstlichen Zusatzstoffe) wirken wie Füllmaterial, sind aber für Marley Neulinge ein guter Einstieg. Wären Millers Schilderungen vom Tourleben noch ausführlicher geworden, dann würde ich nun nicht zwischen 3 und 4 Sternen schwanken, um dieses dann doch im Gesamteindruck erfreuliche, weil Neugierde auf den grossen Bob Marley weckende, Buch.
Nun weiss ich, dass Bob Marley am 21. Juni 1980 im Intercontinetal in Hannover übernachtet hat und das er sehr, sehr viel Gras geraucht hat. Das ist nett zu wissen, etwas ausführlicher und kritischer hätte es dann aber doch sein dürfen (nicht nur was die völlig unreflektierten Kommentare zum Thema Hanf betrifft). Das Buch fängt so an, als ob nun sehr viel mehr über das Tourleben von den Wailers berichtet wird. Miller beginnt mit einer Anekdote. Ein Job bei den Village People war frei und niemand wollte ihn haben, also erbarmte sich der Autor, nicht ohne von seinen Kollegen mit Spott überschüttet zu werden. Am Veranstaltungsort angekommen traf er dann zum ersten Mal auf den Jamaikaner, der es zum ersten Superstar aus einem Entwicklungsland brachte. Eine wenig idyllische Schilderung Jamaikas (aggressives Betteln u.a.) und einiges andere liest sich sehr spannend. Leider ist Millers Bericht nach nicht mal einem Drittel des Buches am Ende, es folgt das Füllmaterial, von dem besonders das Interview Marleys mit Anita Waters vom 18.9.1980 recht ergiebig ist. Spannend, wenn auch etwas wage geschildert, fand ich in diesem Buch den politischen und religiösen Menschen Bob Marley. Afrika soll frei und vereint sein, die Rasta-Religion usw. - interessant! Erstaunlich auch die immense Fruchtbarkeit der Wailers - so viele Kinder, mit so vielen verschiedenen Frauen und trotzdem immer so relaxt und positiv gestimmt.
Sollte das Buch in Zukunft erweitert werden, dann würden mir ausführliche Texte zu den Songs und Alben der Wailers gefallen, dieses so zentrale Thema kommt in Millers Buch leider zu kurz.
Ein Buch für Fans und Neulinge.
204 Seiten, Softcover, zahlreiche s/w-Fotos, Übersetzung: Helmut Dierlamm, Hannibal 2011