Die Regisseurin Petra Seeger hat den berühmten Neurowissenschaftler Eric Kandel zweieinhalb Jahre lang mit der Kamera begleitet. Der Film folgt ihm, dem Gedächtnisspezialisten, nach Wien, aus dem er als jüdischer Junge einst nach New York geflüchtet war. Dort besucht er nach Jahrzehnten die Schauplätze seiner Kindheit, findet warmherzige Zeitzeugen und nimmt bescheiden Ehrungen entgegen. Dazwischen sieht man den achtzigjährigen Kandel in seinem Labor, wie er Doktoranden anleitet, bei wissenschaftlichen Vorträgen, beim Schwimmen und Tennisspielen. "Auf der Suche nach dem Gedächtnis - Der Hirnforscher Eric Kandel" verwendet eine lockere Chronizität, erzählt vom Jungen, der verstehen will, wie dieselben Menschen klassische Musik hören und Juden ermorden konnten, vom Studenten, vom Jungwissenschaftler, der Anfang der '60er Jahre Pionierarbeit in der Gedächtnisforschung leistete. Kandels wissenschaftliche Leistung besteht u.a. in der Entdeckung, dass sich im Langzeitgedächtnis neue Verbindungen zwischen den Gehirnzellen bilden, während im Kurzzeitgedächtnis nur die Signalübertragung zwischen den Zellen erhöht wird. Dafür hat er 2000 den Nobelpreis gewonnen.
Petra Seegers' Dokumentation zeigt, wie man alte Erinnerungen wiedererwecken kann. Sie lebt von der Idee, die persönlichen Erinnerungen eines Gedächtniswissenschaftlers mit anschaulicher Darstellung seiner Forschung zu verknüpfen. Das Ganze wäre aber viel weniger überzeugend, wäre da nicht die Person Eric Kandels. Mit seiner Ausstrahlung, seinem Charme, seiner Bescheidenheit verleiht er dem Film eine ganz eigene, schöne Stimmung. Wer tiefe wissenschaftliche Erkenntnisse erwartet, bekommt an einigen Stellen äußerst originelle Veranschaulichungen geboten, bei manchem wie dem Zusammenwachsen von Neurowissenschaften und Psychologie bleibt es jedoch bei Andeutungen. Auch gibt es am Ende keine rechte Dramaturgie, keinen wirklichen Schluss. Insgesamt eine sehenswerte, äußerst sympathische Dokumentation.