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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
49 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wissenschaft und Begeisterung,
Von Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes (Gebundene Ausgabe)
''Wenn Sie sich an irgendetwas aus diesem Buch erinnern sollten, so wird es daran liegen, dass Ihr Gedächtnis sich nach der Beendigung der Lektüre ein wenig verändert hat.' Sätze wie diese bringen neurologische Erkenntnisse auf den Punkt. Davon gibt es in Kandels Mischung aus Wissenschafts- und Lebensgeschichte genügend, um auch dem Laien eine verständliche Einsicht in die Erkenntnisse der modernen Neurologie zu ermöglichen. Allerdings dürfen Leser nicht davon getrieben sein, alles verstehen zu wollen. Doch Kandel macht es Leseperfektionisten leicht, über ihren Schatten zu springen. Denn die großen Zusammenhänge erläutert er in anschaulichen Bildern und spannenden Geschichten. Ich kenne jedenfalls nur ganz wenige Bücher, die dem gewöhnlichen Fußvolk die faszinierende Welt der Neuronen so verständlich erläutern.Wie jedes gute Buch lässt auch das von Eric Kandel verschiedene Lesarten zu. Am wenigsten kommen vielleicht die Liebhaber detaillierter Autobiographien auf die Rechnung. Bis Seite 68, bzw. bis zur Aufnahme seiner Forschungstätigkeit in Amerika gewährt uns Kandel einen tiefen Einblick in sein Leben. Danach steht die Arbeit so im Vordergrund, dass wir gut nachfühlen können, wie Frau und Kinder damit zurechtkommen müssen, Teil einer größeren Aufgabe zu sein. Jubeln können alle Leser, die aus erster Hand erfahren möchten, was in den Labors von Nobelpreisträgern gebastelt, gedacht und experimentiert wird. Künstler und Werber glauben ja oft, sie hätten die Kreativität für sich gepachtet. Doch mit der Kreativität ist es wie mit der Intelligenz, es gibt die verschiedensten Formen. Die meisten Forscher, von denen uns Kandel berichtet, sehen auf den Bildern aus wie biedere Buchhalter oder Drogisten. Vom äußeren Schein geblendet trauen ihnen die wenigsten so kreative Experimente zu, wie sie im Buch beschrieben werden. Lust am Entdecken weckt ganz offensichtlich die Phantasie. Was das Inhaltliche betrifft, so verweise ich gerne auf die Besprechung von 'Don Bernardo', die mir sehr gut gefallen hat. Nur bei der Schlussbewertung komme ich zu einem anderen Resultat, weil ich die Fehler nicht so stark gewichte und Kandels Selbstverliebtheit eher unterdurchschnittlich finde. Was 'Don Bernardo' zum Urteil kommen ließ, Eric Kandel schreibe seine persönliche Erfolgsstory und opfere diesem Unterfangen den Realitätsbezug, weiß ich nicht. Bei mir kamen die Geschichten anders an. Denn immer wieder verweist der Autor auf den Zufall, auf Irrwege und auf andere Kollegen. Und es sind diese Verweise, die mir Buch und Autor sympathisch machen. Aber gerade die Beschäftigung mit Neurologie kann dazu beitragen, solch unterschiedliche Wahrnehmungen als völlig normal zu betrachten. Das Gehirn kennt keine Wahrheiten. In unserem Kopf gibt es 'bloß' über 100 Milliarden Nervenzellen, die ihre Muster so bilden, dass es individuellen Sinn ergibt. Sinn für alle Leser ergibt das ausgezeichnete Glossar. Ich kann mich nicht erinnern, auf ein ähnlich kompaktes und verständliches 'Lexikon' dieser Art gestoßen zu sein. Schade nur, dass dem Anmerkungsapparat und dem Namenregister nicht auch ein Sachregister beigefügt wurde. Mein Fazit: Weder Autobiographie, noch wissenschaftliches Lehrbuch. Eric Kandel führt seine Leser in die Welt des Forschens und des Gehirns. Obwohl er zum Teil erstaunlich tief in die Details geht und dabei auf wissenschaftliches Vokabular zurückgreift, schafft er es auf wunderbare Art, den roten Faden immer wieder aufzunehmen. Wer nicht alles verstehen muss, wird dank Kandel besser verstehen, was sich in unseren Köpfen abspielt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
61 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ausgezeichnete Erkenntnisse,
Von
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes (Gebundene Ausgabe)
Das verbreitete Desinteresse innerhalb der pädagogischen Zunft gegenüber Fragestellungen der Neurobiologie und der Kognitionsforschung ist mir weithin unverständlich. Meine Prognose geht dahin, dass in den vor uns liegenden Jahrzehnten die Hälfte der Erklärungen für das menschliche Verhalten mit der Struktur und Funktionsweise des Gehirns zu tun haben werden. Darüberhinaus kann ich mir recht gut vorstellen, dass "Spur" und "Umschrift" schon bald genauso zu unserem Wortschatz gehören wie "Verdrängung" oder "Projektion". Deshalb scheint mir mehr als ratsam, beizeiten zu lernen, seriöse Forschung von marktschreierischer Gaukelei zu unterscheiden.Man lernt nie aus. Schon allein deshalb halte ich bei der Grundannahme einer biologischen Determination unseres Wesens größte Vorsicht für angebracht. Doch hier enden auch schon meine Gemeinsamkeiten mit den Skeptikern hinsichtlich der Arbeit von Hirnforschern. Besonders die hier vorgestellte Zusammenstellung aus persönlichen Erinnerungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen kann unseren Blick auf die zunehmend an Bedeutung gewinnende Disziplin der Neurobiologie sehr verändern. Eric Kandel hat den Kampf um meine Aufmerksamkeit hinsichtlich der Hirnforschung gewonnen. Der im Jahre 2000 für seine Bahn brechenden Veröffentlichungen zum Kurz- und Langzeitgedächtnis mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Autor gilt als einer der weltweit führenden Neurowissenschaftler unserer Zeit. Eric Kandels Buch "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" macht uns ein Stück Wissenschaftsgeschichte lebendig. Anders als viele seiner Fachkollegen zeigt er eindrucksvoll auf, dass wir keineswegs die willenlosen Marionetten unserer genetischen Anlagen sind, sondern dass wir, im Gegenteil, ungeahnte Möglichkeiten haben, unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und unsere Umwelt zu verändern. In seinen Studien fand Kandel heraus, dass einfache Verhaltensformen auf neuronalen Netzen beruhen, welche aus bestimmbaren, untereinander fest verbundenen Neuronen aufgebaut sind, während das Langzeitgedächtnis auf einer Neubildung von Proteinen beruht. In unsere Alltagserfahrung übersetzt bedeutet das vor allem, dass wir Bildung nicht kaufen können wie eine Elektrozahnbürste, sondern eine Menge dafür tun müssen müssen damit sie in uns Gestalt gewinnt, und dass unser Bild vom Gehirn als Schaltzentrale eines kybernetischen Regelkreises weithin unvollständig ist. Kandel zeigt sehr eindrucksvoll auf, dass das Gehirn ein Ort ist, an dem sich ein Leben lang äußerst beeindruckende psychologisch-biologische Kommunikationsprozesse ereignen, die sogar - und das hat mich am meisten beeindruckt - unser Genom und unser Miteinander verändern können. Denn es ist ja über das verständliche Streben nach dem eigenen Wohlbefinden hinaus eine der interessantesten Fragen unserer Zeit, wie Seele und Gehirn unser Zusammenleben und unser aller Gesundheit beeinflussen. Für mich ist es äußerst interessant, zu lernen, in welcher Weise unser Gehirn und unsere Gene, die es reguliert, dem Einfluss der Umwelt verbunden sind und inwiefern dies einen WECHSELSEITIGEN Prozess darstellt. Deshalb denke und hoffe ich, dass dieses Buch viele weitere lesenswerte Veröffentlichungen zum Thema nach sich ziehen wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Zwei Geschichten,
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes (Broschiert)
"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" verbindet zwei Geschichten miteinander. Da ist zum einen die Geschichte des Lebens und der Forschung des Eric Kandel, und zum anderen wird die Geschichte der Neurowissenschaften erzählt. Auf gewisse Art und Weise steht Eric Kandels persönliche Geschichte exemplarisch für die Geschichte der Wissenschaft des Geistes, die zunehmend von der Biologie bestimmt wurde. Das Bemühen Kandels um ein Verständnis für das Gedächtnis wendet sich einem biologischen Ansatz zu, wird zu dem Bemühen, das Gedächtnis auf zell- und molekularbiologischer Ebene zu verstehen. Aber es ist nicht nur die zunehmend reduktionistische Arbeitsweise, die Kandels Forscherdasein mit der Geschichte der Neurowissenschaften verbindet, sondern auch die Art und Weise, die Geschichten sich und anderen zu erzählen und dabei eine Kohärenz und Stringenz zu schaffen, die so nicht existiert. Beide Geschichten sind merkwürdig bruchlos, sind schiere Erfolgsgeschichten, so dass man bisweilen ein wenig Reibung vermisst. Kritik oder Provokation sollte man hier also nicht erwarten und sich zudem bewusst sein, dass Vergangenheit, obwohl sie stattfand, vom Erzähler in einem aktiven Prozess in eine Geschichte geformt wird. Hin und wieder wird der Leser vielleicht auch Kandels Optimismus hinsichtlich des Erklärungspotentials der Biologie kritisch betrachten und sich wünschen, dass Kandel dies selbst getan hätte.In seinem Vorwort schreibt Kandel, dass er sein Buch für Leser geschrieben hat, die ohne jedwede Vorkenntnisse eine Einführung in die Naturwissenschaft des Geistes suchen. Das hat er insofern geschafft, als dass er Fachbegriffe erklärt und überhaupt sehr verständlich und leidenschaftlich schreibt. Die Fülle an Informationen zu Versuchsaufbauten und Untersuchungsdesigns, zur Biochemie und Bioelektrizität macht dieses Buch zwar sehr detailreich und damit informativ, aber auch unüberschaubar. Und so werden wohl einige Leser am Ende weniger wissen beziehungsweise behalten, als sie erhofft haben. Andererseits vermittelt Kandel einen tiefen Einblick in die Forschung und die reduktionistische Sichtweise der Neurobiologie, so dass der Leser am Ende vielleicht nicht "weiß", so doch immerhin ein Gefühl für die Bedeutung der Forschung und die Arbeitsweise Kandels und seiner Kollegen hat. Mit einer gewissen kritischen Distanz gelesen, bietet Kandels "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" eine spannende und tiefgehende Reise in die Neurowissenschaften. Manchmal ist sie etwas anstrengend und kann den Leser angesichts der Detailfülle und Tiefe überfordern, aber immer schafft sie es, die Begeisterung und Leidenschaft des Autors für sein Fach und das Leben überhaupt zu vermitteln. Zudem lernt man einen großen Wissenschaftler unserer Zeit kennen. Für alle, die Interesse an den Neurowissenschaften haben, ist das Buch also, trotz einiger Kritikpunkte, absolut zu empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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