Ein altes Holzkreuz: Das ist das einzige, was von Melvin Woodworths älterem Bruder übrig geblieben ist. Ende der 1920er-Jahre begibt sich der englische Schriftsteller unter dem Vorwand, einen neuen Roman zu schreiben, ins Wallis, will aber insgeheim seinen Bruder suchen, der zuletzt im Dorf Ardolaz gesehen wurde. Als dieses wegen eines drohenden Gletschersturzes evakuiert wird, entscheidet Woodworth zu bleiben.
In der Neuauflage von «Auf der Suche nach Peter Pan» erscheinen die ursprünglich zwei Bände von 1984/85 als Gesamtausgabe. In starken, erdigen Farben erzählt Cosey vom Schicksal des Bergdorfs Ardolaz. Bereits nach den ersten Seiten ist klar, weshalb der Comic geradezu mit Lorbeeren überhäuft worden ist: Cosey versteht es meisterhaft, die erzählerischen Möglichkeiten des Mediums Comic auszuschöpfen, auch indem er seitenweise komplett auf Text verzichtet. Kurzerhand löst Cosey Panellinien auf und lässt die Bilder zu einer Art Collage werden oder bettet einzelne Zeichnungen in den weissen Hintergrund ein. Sogar das Experiment, eine in der Geschichte gespielte Klavier-Melodie mit assoziativen Bildern darzustellen und so die Musik durch Bilder zu ersetzen, gelingt auf beeindruckende Weise.
Neben dem grafischen Aspekt besticht der Comic auch durch seinen Plot: Mit dem kargen Leben auf den Alpen des Wallis in den 1930er-Jahren verwendet Cosey ein unverbrauchtes Szenario. Dieses stellt sich auch als akribisch recherchiert heraus: Zwar sind Dorf und Hauptcharaktere fiktiv, doch von der Architektur bis hin zum historischen Walliser Münzfälscher Farinet werden unzählige Details von damals berücksichtigt. Wenn man «Auf der Suche nach Peter Pan» etwas ankreiden kann, dann wahrscheinlich höchstens den Schluss, der leider allzu trivial ausfällt. Neben der Geschichte glänzt die Neuauflage mit einer Einführung zum geschichtlichen Hintergrund des Handlungsortes und ausführlichen Informationen zu Coseys Werk und Leben. (Sasa Rasic bei Comic-Check)