"Die ganz große Begeisterung war am Anfang nicht da," blickt Franz Beckenbauer mit lachendem Auge zurück. "Aber dann hatten wir einen riesigen Spaß daran. Wir haben gesungen und gedacht, wir sind die größten Sänger überhaupt!" Auch wenn der Ex-Kapitän der bundesdeutschen WM-Elf nicht die Spiele meint, sondern den Song, den er damals mit seinen Jungs im Studio aufnahm, passt das haargenau auf die Stimmung des Sommers 1974. "Es war kein Schwung drin, keine Begeisterung. Es war eine leblose Mannschaft." Wie sollte Deutschland so auf eigenem Boden Weltmeister werden?
Die DVD-Dokumentation "Auf den Spuren eines Weltmeisters" zeigt, wie dann doch alles anders kam. Mitreißende Bilder von den schönsten Toren, den packendsten Situationen und den größten Überraschungen der WM '74 passieren noch einmal Revue. Chronologisch wird der Weg ins Endspiel erzählt. Die schlappe Vorrunde, der Triumph der DDR-Elf gegen die BRD-Gastgeber, die "Wasserschlacht von Frankfurt" und nicht zuletzt der sagenhafte Durchmarsch der Niederländer, die sogar die Ballkünstler aus Brasilien austricksten, lassen nicht nur Fans mitfiebern.
Das vielleicht größte Plus des Films ist die zeitgeschichtliche Sicht, die viele politische und kulturelle Ereignisse miteinbezieht und so die Stimmung des Jahres 1974 lebendig werden lässt. ABBA erobern mit "Waterloo" die Charts, schrille Plateauschuhe und Schlaghosen bestimmen das Modebild, Bundeskanzler Willy Brandt tritt wegen der Guillaume-Affäre zurück - und die Bierpreise steigen unerwartet! Mittendrin unsere Jungs, die "Das Wunder von Bern" wiederholen sollen. Beckenbauer, Breitner, Netzer und Overath schaffen es schließlich doch - mit Teamgeist, Selbstvertrauen, großem Einsatz und ein wenig Glück.