Im Allgemeinwissen der meisten Menschen werden selbst die größten Einschnitte in der Weltgeschichte auf wenige Einzelheiten reduziert - und die sind oft noch falsch. Ein Beispiel dafür ist, dass die spanischen Eroberer des frühen 16. Jahrhunderts deshalb so leichtes Spiel mit Südamerikas Ureinwohnern gehabt hätten, weil diese sie für Götter gehalten hätten und ihnen waffentechnisch überlegen gewesen seien.
Dass diese Geschichte so zu einfach wiedergegeben ist, beschreibt Michael Wood in seinem Buch, das als Nebenprodukt einer Reihe von Filmen entstanden ist, die er u. a. im Auftrag der britischen BBC gedreht hat. Seine Recherche hatte sich dabei nicht auf die Lektüre verstaubter Manuskripte beschränkt, sondern er hatte sich im eigentlichen Sinne auf die Spuren der Konquistadoren gemacht und war auf dem Amazonas, in Mexiko und Peru unterwegs.
Das Ergebnis kann sich lesen lassen: In vier großen Kapiteln lernt der Leser viele bislang unbekannte Details kennen. Die erste Hälfte bilden die Geschichten um Hernan Cortés und seine Zerstörung des Aztekenreiches in Mexiko sowie um Francisco Pizzaro und sein blutiges Vorgehen bei den Inka in Peru. Die zweite Hälfte beleuchtet zwei Männer, deren Taten unblutiger und wahrscheinlich deshalb unbekannter sind. Aber gerade sie waren es, die mit ihren Reisen zu neuen Erkenntnissen der unerforschten Regionen und Menschen beigetragen haben. Zum einen ist es Francisco Orellanas Fahrt den Amazonas entlang, die sich aus der Not auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland El Dorado ergeben hatte. Zum anderen ist es Cabeza de Vacas jahrelanger Aufenthalt im Grenzgebiet zwischen den heutigen USA und Mexiko, nachdem er als Schiffbrüchiger überlebt hatte.
Das Buch ist verhalten mit Fotos, Reproduktionen alter Gemälde und aufschlussreichen Routenkarten illustriert. Neben der gelungenen Präsentation des intensiv recherchierten Inhaltes erhöht die überdurchschnittlich gute Papierqualität das Gefühl, ein wirklich gutes Buch in Händen zu halten.