Der Kriminalkommissar und Tatortanalytiker Axel Petermann berichtet aus 30 Jahren Arbeit bei der Bremer Kriminalpolizei. Auf 300 Seiten breitet er fünf Fälle aus verschiedenen Stationen seiner Polizeikarriere aus. Dabei schreibt er in kurzem, prägnantem und klarem Stil, ähnlich wie ein Polizeiprotokoll, angereichert durch seine eigene Sicht, seine Gedanken, Vermutungen, Ahnungen und auch Irrwege auf der Suche nach dem Täter und seiner Motivation. Petermann nimmt seinen Leser mit auf eine Reise durch die Kriminalfälle, und sogar darüber hinaus. Die beschriebenen Verbrechen haben sich tatsächlich so zugetragen, was einen großen Teil der Faszination des Buches ausmacht.
Petermann schafft es in seinem Buch durch seine ruhige, unaufgeregte, professionelle Erzählweise, den Leser mit an den Tatort zu nehmen, beschreibt in allen Einzelheiten, was er selbst dort vorgefunden hat und was er daraus folgert. Von der naheliegenden Frage "Wer hat das getan?" wechselt Petermann schnell auf eine weitere Ebene: Ihn interessiert, was den Täter angetrieben hat, wo seine Motivation lag. "Wieso hat ein Täter genau so gehandelt?" - das wird zu Petermanns zentraler Frage. Er will verstehen, warum etwas genau so geschehen ist und nicht anders. Sein einziger Zeuge ist dabei oft stumm. Es ist allein der Tatort und die Art, wie der Täter sich dort verhalten, wie er die Szenerie komponiert und arrangiert hat.
Der Leser wird von Petermann aber nicht nur durch die Mordfälle geführt und dabei manchmal nicht mit unappetitlichen Einzelheiten verschont. Der Autor gibt nebenbei auch etwas Nachhilfe in Kriminalistik, Ermittlungstaktik und - das vielleicht Spannendste an dem Buch - seine eigene Gedankenwelt. So führt er den Leser manchmal Jahrzehnte nach Abschluss des Falles noch einmal zurück, an einen Tisch im Gefängnis, wo er sich mit dem verurteilten Mörder nochmals über Einzelheiten der Tat und seine Motive unterhält.
Mein Fazit: Ich habe dieses Buch an zwei Abenden gelesen. Der Inhalt und die Erzählweise haben mich dabei ähnlich gefesselt und fasziniert wie Ferdinand von Schirachs
Verbrechen. Der Schreibstil Petermanns ist manchmal schnell und spannend, zwischenzeitlich zieht sich die Betrachtung eines Falles aber auch, vor allem dann, wenn falsche Spuren verfolgt werden. Auf diese Weise schafft der Autor aber - und das ist eine weitere Stärke - Authentizität, denn auch die Ermittler durchleben bei einem Mordfall diese Phasen von Schnelligkeit und Stillstand. Die ausgewählten Fälle sind spannend und erschreckend zugleich, jeder für sich völlig anders, was Tathergang und Motivation des Täters anbelangt. Die einzige Schwäche des Buches ist, dass es zu kurz ist. Außerdem sollte der Leser keinesfalls erwarten, nach Ende des Buches zu wissen, was das Böse ist. Es wird eher komplizierter.