Colometa, eigentlich heißt sie Natàlia, lernt auf einem Fest ihren zukünftigen Mann kennen. Er wird deshalb ihr Mann, weil er weiß, dass sie seine Frau wird. Das akzeptiert Natàlia genauso, wie sie es hinnimmt, dass er sie Colometa nennt, obwohl sie ihm ihren richtigen Namen gesagt hat. Das ist eigentlich bezeichnend für sie, denn so verläuft auch ihre Ehe. Es traditionell nicht anders gewöhnt, fügt sie sich in ein Leben ein, das der Mann mit großer Selbstgefälligkeit bestimmt. Doch sie fügt sich nicht nur, sondern nimmt ihre eigene Person völlig zurück. Sie erträgt die Ungerechtigkeiten ihres Mannes, seine Wutausbrüche, seine Unzuverlässigkeit und auch seine Taubenzucht, die er in ihre Wohnung verlegt und das Leben unerträglich macht. Dann kommt der Bürgerkrieg und ihr Mann zieht begeistert fort. Er kommt nicht wieder und von jetzt an, ist sie auf sich selbst gestellt. Sie muss sich und die Kinder durch diesen Krieg mit seine Entbehrungen bringen und vor allem endlich zu sich selbst finden, ihre eigene Person wieder finden und lernen, selbst über sich zu bestimmen, nachdem sie vorher in ihrem Leben hat über sich bestimmen lassen.
Dieses Leben wird in einer Eindringlichkeit erzählt, die einen die Seiten nur so umblättern lassen. Dabei ist der Erzählstil alles andere als emotional. Colometa erzählt wie unbeteiligt, wie in einer Aufzählung von Ereignissen und Details, beobachtend ohne emotionale Regung. Man hat manchmal das Gefühl, es betrifft sie gar nicht, so nimmt sie auch hier ihre Person heraus. Aber gerade das bewirkt beim Lesen diese Eindringlichkeit. Ich kann es nicht erklären wieso, aber gerade das Weglassen von Gefühlsregungen erzeugt hier große Emotionen. Man leidet als Leser mit ihr, möchte sie schütteln, dass sie doch mal aufbegehrt, ist entsetzt über den Hunger ihrer Kinder, spürt ihre Erschöpfung, als würde man dies alles an ihrer Stelle, für sie, fühlen.
Sehr gut gefallen haben mir auch ihre Bilder, die sie im Kopf entstehen lässt. Details und Beschreibungen, die Kleinigkeiten, Gesten oder Gedanken in manchmal ungewöhnlicher Weise vor Augen bringen und dort auch haften lassen. So hat sie mir gleich auf der ersten Seite ein Bild vor Augen geführt, dass ich nicht mehr los werde: '(Zitat:) "Ich ging dann von oben bis unten in Weiß: das Kleid und der gestärkte Unterrock dazu, die Schuhe . . . alles weiß, wie ein Schluck Milch"
Die Farbe weiß werde ich wohl nicht mehr so schnell mit Schnee vergleichen.