Albrecht Mayer, geboren 1965 in Erlangen, gehört zu den raren Künstlern, die sich sofort nach dem ersten Hören ins Gedächtnis prägen. Meine allererste Bekanntschaft mit ihm wurde mir durch seine herrliche Händel-CD beschert, die ich an anderer Stelle bereits angemessen gerühmt habe.
Die hier vorgelegte CD mit dem Titel "Auf Mozarts Spuren" ist wiederum eine, in die man sich spontan verlieben kann. Wieder spielt Mayer etliche Stücke, die er sich für sein Instrument umgeschrieben hat, und dies ist mir solcher Sorgfalt und mit solch behutsamen Einfühlungsvermögen geschehen, dass auch die Musikfreunde, die von solchen Transskriptionen nicht viel halten, begeistert sein werden.
Zum Einstand spielt Mayer das Andante K. 315, das vom Komponisten für die Flöte vorgesehen war. Er hat das Werk von C-dur nach B-dur transponiert, um es auf sein Instrument abzustimmen, und man ist erstaunt, wie gut ihm das gelungen ist. Ein ganz neues Hörgefühl! Es folgt das Oboenkonzert C-dur K. 314, ein originales Konzert für Flöte, das vom Komponisten selbst für die Oboe umgeschrieben wurde. Mayer spielt es mit herrlicher Tongebung und nicht zu übertreffender Virtuosität.
Danach hören wir zwei Konzertarien Mozarts (K. 368 und K. 577), in denen die Oboe den Part der Singstimme übernimmt. Aus dem Violinkonzert D-dur K. 271 hören wir danach den 2. und 3. Satz, ebenfalls so für die Oboe transkribiert, dass man hellauf begeistert ist und vermeint, ganz neue und unbekannte Stücke zu hören.
Schließlich erklingt das originale Oboenkonzert Nr. 1 d-moll von Ludwig August Lebrun, einem Komponisten der Mannheimer Schule, dessen Werke leider heute kaum noch aufgeführt werden. Lebrun war zu seinen Lebzeiten ein hochgeschätzter Komponist. Er wurde nur 38 Jahre alt und starb 1790 an einer Leberentzündung. In einem zeitgenössischen Bericht heißt es: "Lebrun bezauberte mit seiner göttlichen Oboe." Hier verzaubert uns Albrecht Mayer und schenkt uns eine Aufführung, die vom ersten bis zum letzten Ton reine Freude bereitet und uns mit einem Werk bekannt macht, das viel zu lange in den Archiven geschlummert hat. In der ausgedehnten Kadenz des Kopfsatzes begeistert uns der Solist mit lupenreinem Spiel und schier unendlichen Atembögen. Man kann nur hoffen, dass Albrecht noch manches vergessene Werk zu neuem Leben erweckt.
Claudio Abbado und das 1997 mit seiner Unterstützung gegründete Mahler Chamber Orchestra begleiten den Künstler, der inzwischen als erster Oboist der Berliner Philharmoniker wirkt. Eine ideale Kombination.
Die digitale Klangtechnik ist vom Feinsten, so dass diese CD guten Gewissens allen Freunden großer Musik nur empfohlen werden kann.