Das Buch erzählt aus der Perspektive des Autors einen Teil des unorthodoxen Lebensweges des Protagonisten Larry. Dieser kehrt schwer von seinen Erfahrungen im ersten Weltkrieg traumatisiert in die USA zurück, kann sich dort nicht entschließen, einer Beschäftigung nachzugehen und riskiert somit trotz seiner aufrichtig erscheinenden Liebe die Trennung von seiner Verlobten. Es ist jedoch weder die vordergründige Unentschlossenheit, noch ein Mangel an Selbstvertrauen Larrys, das ihn dazu verleitet zunächst nach Europa, genauer in das vom Autor W. Somerset Maugham so sehr geschätzte Paris zu gehen um dort dem Müssiggang zu fröhnen. Larry befindet sich auf der Such nach einem tieferen Sinn in allen Dingen, die ihn nach einer Zeit in Frankreich bis nach Indien treibt, wo er als Wandermönch durch die Lande zieht. Die Schilderung seiner Erfahrungen und Erkenntnisse im Südindien der 20er Jahre an den Autor in einem Pariser Straßencafe ist eindrucksvoll und für jeden Indien Kenner absolut authentisch, wenngleich Somerset Maugham selbst Indien nie betreten hat. Geistreich und charmant, mit einer guten Dosis britischen Humors beschreibt der Autor die zahlreichen, zu Larry in Beziehung stehenden Nebenfiguren. Besonders amüsant und zugleich tragisch ist die Person von Elliot, dem Onkel der früheren Verlobten von Larry, welche anstatt diesem einen erfolgreichen Börsenmakler geheiratet hatte. Elliot ist ein Mitglied der High Society und verkehrt in Kreisen von Adeligen oder anderweitig zu Ruhm und Ansehen gelangten Leuten, sein Wohl und Wehe ist von der Anerkennung durch die Mitglieder der von ihm so hochgeschätzten Gesellschaft abhängig. Er stellt den Gegenpol dar zum suchenden, genügsamen Larry ohne daß der Autor seine Sympathie nur einer der beiden Personen schenkt. Der tragische Tod von Eliott im Nierenversagen, seine von langer Hand inszenierte Beerdigung und sein letzter Wunsch, doch noch zu einem der wichtigen Bälle der Saison geladen zu werden, sind brillant konzipiert und verfaßt. Der Leser vermag trauernd zu schmunzeln. Das Buch behandelt auch das Thema der Unmöglichkeit, eine Liebe, eine zärtliche Zuneigung zwischen Mann und Frau in der Realität zu leben und zu bewahren. Larrys Verlobte vermählt sich mit dem Börsenmakler Gray um letztendlich zu Ruhm und gesellschaftlichem Ansehen zu gelangen. Ein Börsenkrach vereitelt ihre Pläne und sie zieht mitsamt ihrer Familie in die Wohnung ihres Onkels Eliott nach Paris. Dort trifft sie nach vielen Jahren wieder auf Larry, den sie immer noch liebt und vereitelt auf hochintelligente aber ungemein durchtriebene Weise die Heirat Larrys mit der heruntergekommenen Sophie Marceau, der klassischen Figur eines gefallenen Engels. Eine weitere Bekannte des Autors, Suzanne, ebenfalls zeitweise Larrys Geliebte heiratet letztendlich einen Industriellen, der sie zeitlebens für ihre Liebesdienste bezahlt hat, als dessen Frau gestorben ist. Der Autor versteht es ungeheuer geschickt, die Beziehungen der Personen untereinander zu skizzieren aber auch zu karikieren. Er erzeugt beim Leser für jede seiner Figuren (und auch für sich selbst, den Ich-Erzähler) Sympathie und Abneigung zugleich, letztere jedoch in viel geringerem Maße. W. Somerset Maugham ist ein Autor, der das Leben kennt, ein Erzähler, bei dem wohl die meisten Leser den Wunsch verspüren, mit ihm einen Nachmittag in einem der Cafes am Montmartre zu vertrödeln. Mr. Maugham ist ein Autor, der den Menschen zuhört, der berichtet und nicht bewertet, der über ausgesprochen trockenen Humor verfügt und derart geistreiche Zitate anbringt, daß der Leser nicht selten das eine oder andere markieren möchte um es bei passender Gelegenheit vorzutragen. Es ist ein ungewöhnlich lebensnahes und lebensbejahendes Buch, dessen Lektüre viel zuwenig Zeit in Anspruch nimmt. Der Leser schlägt es betrübt zu und widmet sich womöglich bald darauf dem Roman "Silbermond und Kupfermünze" des gleichen Autors, auf welchen selbiger bereits auf der ersten SEite des besprochenen Buches verweist. Ein weises, kluges, schönes Buch. Danke, Mr. Maugham!