Na ja, was heißt 'Roman', ein Roman ist das nicht, aber das ist auch schon die einzige Kritik, die ich an dem Buch vorzubringen habe. Und die gilt womöglich weit weniger dem Autor, als seinem Verlag, aber sei's drum, ich möchte es hier nur am Rande erwähnen, da man eben im allgemeinen geneigt ist, mit der Bezeichnung 'Roman' das Vorhandensein einer Handlung zu verbinden, und die gibt es im vorliegenden Fall nicht wirklich. Im Klappentext dagegen wird das Buch ganz richtig dargestellt als: ''voller Geschichten, konzentrierter Szenen und Portraits'' usw., die dann ein Gesamtbild entstehen lassen, aber mir geht es hier nicht darum, dem Kind einen anderen Namen zu geben, sondern aufrichtig zu bewundern, wie gelungen dieses Schroeder'sche Baby tatsächlich ist.
Warum? Na, weil hier eben einer das, worüber er spricht und schreibt, so präzise trifft, dass man es einfach nicht besser, nicht stimmiger, beschreiben kann. Wie schön, endlich mal wieder auf einen Autor zu treffen, der es versteht, Sprache nicht nur als Transport-, sondern auch als Stilmittel einzusetzen, das ist leider so selten, dass man es gar nicht deutlich genug hervorheben kann. Auf der einen Seite ist Schroeders eigene, seine Erzählsprache, schon ein großer Genuss, auf der anderen ist die, die er seinen bayrischen Protagonisten, seinem Milieu, seiner erzählten Zeit gibt, von einer Stimmigkeit, die nahezu unübertrefflich ist, so gut und ohne jeden Schnitzer, dass ich immer und immer wieder an Oskar Maria Graf denken musste, der hätte es nicht besser getroffen, wenn er denn noch unter uns weilen würde und sich der Schroeder'schen Chronik angenommen hätte.
Bravo, Bernd Schroeder, und das alles ohne Effekthascherei, ohne Gimmicks, in dem Buch steht das, was drin stehen muß und es steht so drin, wie es drin stehen muß, nicht mehr und nicht weniger. Und das ist gut so. Und, ich glaube, ich habe es schon erwähnt, es gibt das leider eher selten in der heutigen Literatur.