Da bin ich doch froh, dass ich dieser Band eine zweite Chance gegeben habe. Ich kannte nämlich bereits das Vorgängeralbum vom Reinhören her, fand das ganz okay, aber nicht überragend. Zufällig hörte ich kürzlich aber eher durch Zufall in das selbstbetitelte Album der Norweger Audrey Horne hinein, und ich war sofort hin und weg. Das klang viel besser, als das, was ich in Bezug auf den Bandnamen in Erinnerung hatte. Die Band liefert einen Sound, der aus klassischem und Alternative Rock sowie einigen harten Metalriffs besteht, welche auch nicht selten von Hammond-Klängen begleitet werden. Kein einziger Ausfall ist auf dem Album zu verzeichnen, jedes Lied ist absolut gelungen. Die Grundstimmung ist ein wenig düster, fröhliches Tralala findet man hier nicht. Die Refrains sind eingängig, ohne dabei gezwungen zu wirken; man hat also nicht dieses Schon-mal-gehört-Gefühl. Nach dem Quasi-Intro "These Vultures" zeigt der Übersong "Charon" bereits, wo die Reise hingeht (wer hier ein Wortspiel entdeckt hat, hat zumindest schon mal was von griechischer Mythologie gehört). Treibende Rhythmen, ein wenig Melancholie und großartige Melodien bestimmen das Geschehen. Aber auch tolle, völlig kitschfreie (Halb-)Balladen sind vertreten, wie etwa mit "Sail Away" (nein, das ist NICHT dieser Song aus der Bierwerbung) oder dem Rausschmeißer "Godspeed". Notiz am Rande: Gegründet wurde die Band übrigens als Nebenprojekt, u.a. von Ice Dale, der hauptberuflich bei der Viking/Progressive-Metal-Band Enslaved Gitarre spielt.
Ganz egal, was ihr sonst so für Musik hört: Wenn ihr Audrey Horne nicht zumindest ein bisschen was abgewinnen könnt, leidet ihr an Geschmacksverirrung.