Audition ist mit Sicherheit der Film, der Takashi Miike international bekannt machte, ihm den Status des Enfant-Terrible verlieh und ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des Horrorfilms sicherte. Prominente Regisseure wie Quentin Tarantino und Eli Roth sind Fans von diesem Film, letzterer bezeichnet ihn sogar als "perfekten Film" und inspirierte ihn zu seinem nicht minder kontroversen Hostel. Doch die Reaktionen waren auch gespalten, in diversen deutschen Kinos sollen einige Zuschauer aufgrund der Grausamkeiten in Ohnmacht gefallen sein, andere wieder empfinden,zumindest die erste Hälfte des Films, als zäh und langweilig. Es wurde schließlich also ein kontroverser Erfolg, doch nichts anderes blühte Miike vor, als er ihn drehte, denn wie in kaum einem anderen Film schafft er es, die Zuschauer zu emotionalisieren und mehr noch, sie regelrecht zu hinters Licht zu führen...
Denn die ersten 50 Minuten sind wirklich, nett ausgedrückt, sehr, sehr ruhig. In ermüdend langen Szenen erzählt Miike von der reichlich unspektakulären Liebesgeschichte zwischen einem völlig "normalen" Mann (fantastisch gespielt von Ryo Ishibashi) und einer geheimnisvollen und zarten (nicht minder gut gespielten) jungen Frau. Dabei setzt Miike vorallem auf sehr leise, poetisch und auch wunderschön fotgrafierte Szenerien, sowie auf sehr spärlich eingestreute Schockeffekte, die während des restlichen ersten Teils für eine leicht beunruhigende und morbide Atmossphäre sorgen. Insgesamt jedoch wirkt der Film bisher zäh und erinnert stark an jene, wegen ihrer Langatmigkeit berüchtigten Berliner-Schule Filme, vorallem auch wegen seines völlig unspektakulären und geradezu unerträglich normalen, an der Grenze zum Biederen schrammenden Inhalts. Beinahe jeder wird bis dahin mehrmals auf seine Uhr gestarrt haben oder bereits in einen Halbschlaf versunken sein. Aber dann steigern sich plötzlich und ohne Vorwarnung die beunruhigenden Töne ins Extreme und der Film nimmt rasant an Geschwindigkeit auf, nun wird der Zuschauer fast 30 Minuten lang mit einer surrealen Szene nach der anderen bombardiert. Der Film rast förmlich zwischen Ekelszenen, Farbfiltern und menschlichen Abgründen umher und offenbart nun auch das ganze Genie von Takashi Miike, denn hier entfacht er ein wahres Regiefeuerwerk an surrealen Ideen und stylischen Kompositionen. Dieser rasante Tempoanstieg ist es wahrscheinlich dann auch, der einige unbedarfte Kinobesucher zu den vorher angesprochenen spontanen Ohnmachtsanfällen verleitet hat... Doch damit ist das Horrorszenario noch nicht vorbei. Es gipfelt in einem schrecklichen, und in der Kinogeschichte einmaligen Finale, dass vor Blut und Grausamkeiten nur so strotzt. Am Ende bleiben jedoch auch einige, vorallem wegen der letzten Szene, melancholische Züge, die einen nachdenklich machen und über das Wesen des Menschen nachdenken lassen.
Fazit:
Wer den von Takashi Miike wohl kalkulierten zähen Anfang übersteht, wird sich plötzlich in einem genialen Meisterwerk des asiatischen Horrorfilms wiederfinden, dass die Erwartungen des Zuschauers unterläuft, ihn regelrecht malträtiert, verstört oder begeistert. Auf jeden Fall aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt, ob dieser auch positiv oder negativ sein mag. Denn kalt lässt Audition garantiert keinen!
9 von 10 Punkten