Stone Sour sind ein Phänomen. Vor Slipknot gegründet, stillgelegt, wiederbelebt und jetzt auf dem Weg die Szene nach und nach aufzurollen. War man mit dem selbstbetitelten Debütalbum nur ein Insidertipp von eingefleischten Maggots (da Corey Taylor ja die markante Stimme Stone Sour's gibt), so gab es 2006 mit "Come What(ever) may schon eine Weiterentwicklung mit mehr und mehr Eingängigkeit und dem mittlerweile etwas bekannteren "Through the glass". Live gibt die Band alles, und es ist ein Genuss den Jungs auf der Bühne zuzusehen.
Anno 2010 liegt nun das neueste Werk "Audio Secrecy" vor.
Kurz und bündig: Stone Sour hat sich nicht neu erfunden, aber eine Platte produziert die dem Hörer vieles abfordert und eine unheimliche Intensität vorweist die mit Breitwandsound fast schon perfekt untermalt wurde.
Eingeleitet wird das Album mit "Audio Secrecy", einem knapp 1 1/2 minütigen Instrumental mit Pianoklängen, welches die Grundstimmung schon einmal ganz gut wiedergibt, bis gleich darauf das erste Brett aus den Boxen hämmert: "Mission Statement". Hervorragende Gitarrenarbeit, ein solider Corey Taylor mit Ohrwurmcharakter im Refrain, treibende Drums. Genau so kann es weitergehen, denn "Digital (Did you tell)" steht dem in nichts nach. Mit "Say you'll haunt me" werden dann erstmals ruhigere Töne angeschlagen, bis Corey im Refrain "Say you wanna stay - you want me too, say you'll never die - You'll always haunt me" herausbricht und dem Song Geschwindigkeit und Intenstiät verleiht. Großartig und mit Sicherheit eine Single-Auskopplung.
"Dying" ist die erste Ballade auf "Audio Secrecy", hat einen 80er-Touch aber richtig gute Lyrics, wie so ziemlich jeder Song des Albums. Allgemein ist zu sagen, dass die Platte von ihrer unglaublichen Abwechslung lebt. "Let's be honest" wird dann wieder rockiger und kommt recht eingängig um die Ecke. "Unfinished" treibt den Drive dann wieder an einen Höhepunkt und überzeugt mit hymnenartigen Passagen woraufhin "Hesitate" die nächste Powerballade folgt. Mein persönlicher Favourite, da Corey alles in den Song legt, Gänsehaut erzeugt und im Refrain mit mehrstimmigen Gesang seine Verzweiflung unheimlich intensiv rüberbringt. Klar ist man solche Töne von Stone Sour weniger gewohnt, aber es muss nichts schlechtes sein, wenn man solche melancholische Songs in diesem Gewand an den/die Mann/Frau bringt. Großes Tennis!
"Nylon 6/6" zerschmettert die Melancholie des vorigen Songs vollständig und bricht mit Gitarrengewitter über einen herein. "Miracles" macht dann da weiter wo "Hesitate" aufgehört hat, mit einem dermaßen starken Text, der nur so vor Verzweiflung und Hilflosigkeit sprießt. Die Gitarrenarbeit von James Root und Josh Rand kommen wunderbar zur Geltung und die düstere Grundstimmung die sich durch das Album zieht erreicht hier ihren Gipfel. "Pieces" klingt dagegen schon wieder etwas freundlicher, mit stimmlicher Meisterleistung. "The Bitter End" knallt daraufhin wieder richtig derbe und dürfte der wohl härteste Song auf Audio Secrecy sein.
Der vorletzte Song "Imperfect" ist wiederrum sehr balladesk und rührend, und wieder ist ein immens hervorragender Einklang der Instrumente und vor allem Corey's Stimme auszumachen. "Threadbare" gibt den Abschluss und klingt schon fast episch mit einem perfekten Refrain, dezente progressive Klänge, und zum Schluss hin mit mehr Härte. Wieder kommt der Breitwandsound zum Tragen und lässt den Hörer am Ende etwas verwirrt, aber doch sehr gebannt zurück. Je öfter die Songs gehört werden, desto mehr verbreiten sie ihren Drive, ihre Authenzität und den beeindruckenden Impuls ständig neue Stellen zu finden, in die man sich verfängt, die einen aber auch wirklich nicht mehr loslassen.
Die Special Edition beeinhaltet zudem noch 3 Bonustracks "Hate not gone", "Anna" und "Home again" die genauso gut auf die reguläre Playlist gepasst hätten. Zudem liegt eine DVD bei, welche die Arbeit an "Audio Secrecy" in schönen, interessanten Bildern zeigt und außerdem noch 3 Live-Performances des Download-Festivals 2010 wiedergibt.
"Audio Secrecy" wird Meinungen spalten. Die Einen werden die alte Härte von Stone Sour vermissen, die Anderen werden vor Freude Tränen in den Augen haben, wenn sie sich denn auf das Album einlassen, es mit Bedacht hören und die Texte mitlesen. Für mich persönlich ist es ein Highlight im Jahre 2010 und mein Stone Sour-Favourite, weil Melancholie, Intensität und Härte in einem außergewöhnlich beeindruckendem Einklang stehen, der jedem Bewunderer der Hardrock-Musik, das Herz aufgehen lässt.
Stone Sour sind eben ein Phänomen.