Auf meiner lang anhaltenden Suche nach In-Ears im mittlerem Preissegment, für mein iPohne 4 und meine iPods, versuchte ich nun die Phonak Audéo PFE 022. Da sie bis auf die Fernbedienung-Mikrofon-Kombination identisch mit den PFE 012 sind, möchte ich meine Eindrücke auch für dieses Modell gerne anderen Interessenten hinterlassen.
Schlecht sind sie keineswegs und auf jeden Fall einen Versuch Wert, auch wenn sie mich letztendlich nicht überzeugen konnten.
Bei den Phonak Audéo PFE handelt es sich um per "Balanced Armature" (BA) angetriebenes Modelle, also um kleine Miniaturlautsprecher mit Druckkammerprinzip und nicht die klassische, dynamische Tauchspulenmembran wie sie idR. in der Einsteiger- und unteren Mittelklasse verwendet wird. Diese Bauart hat bei Verwendung eines einzelnen Treibers Vor- und Nachteile gegenüber dem dynamischen Antrieb. Im Preissegment in denen sich die Phonak Audéo PFE aufhalten gibt es ein großes Angebot sowohl mit dynamischen als auch mit BA-Prinzip, welche allesamt miteinander konkurrieren.
Nun gibt es die Phonak Audéo PFE in acht verschiedenen Versionen zu kaufen: 011, 012, 111, 112, 021, 022, 121 und 122.
Die erste Ziffer gibt das Modell und Austattung an: 0xx = Basis Ausstattung, "Audiofilter grün" | 1xx = komplette Ausstattung, "Audiofilter schwarz" und "grau"
Die zweite Ziffer steht für Fernbedienung und Mikro: x1x = ohne | x2x = mit Fernbedienung und Mikrofon
Die letzte Ziffer steht für die Farbe: xx1 = weiß | xx2 = schwarz
Die 0xx Modelle haben demnach keinerlei Extras dabei. So auch der 012. Es gibt die Ohrhörer und 3 Paar Silikonpads. Fertig. Keine Tasche, keine Schaumstoffpads.
Die Oben bereits erwähnten "Audiofilter" sind kleine, runde Stoffilter, welcher direkt am Schallkanal der PFE eingesetzt werden und sind austauschbar. Dieser Filter verändern das Klangbild des PFE. Beim Modell 012 sind der Tabelle entsprechend bereits grüne Filter eingesetzt. Diese stehen für besonders bassbetonte Wiedergabe. Alle anderen Audiofilter sowie Ersatz für die installierten grünen müssen separat erworben werden!
Die schwarzen Audiofilter stehen für betonte Bässe und Höhen (Badewannen-Abstimmung), die Grauen spielen neutral.
Zu meiner Bestellung habe ich auch einen Satz schwarze Audiofilter bestellt. Der Austausch ist ganz einfach. Die Idee der wechselbaren Filter ist auch aus hygienischer Sicht sehr zu begrüßen.
Ausgepackt wirken die PFE unheimlich leicht. Richtig ungewöhnlich. Sie werden nach Oben zeigend in die Ohren eingesetzt und passen sehr bequem in meine kleinen Gehörgänge, ohne zu drücken. Leider bemerke ich trotz Kabelführung über die Ohren Störgeräusche bei Bewegungen, verursacht durch das etwas stoische Kabel. Das ist leider nicht so gut.
Hier mein ganz persönlicher Klangeindruck mit den mitgelieferten grünen Audiofiltern:
Schöne, warme Abstimmung. Nicht zu dumpf, Feinheiten im oberen Frequenzbereich werden noch immer gut wiedergegeben. Im Bereich der Mitten werden die PFE dann allerdings bei bestimmten Frequenzen sehr grenzwertig. Gegenüber meinen Philips SHE 9800, welche klassische Membranen nutzen, verschlucken die Audéo PFE Feinheiten, welche die SHE 9800 noch differenziert wiedergeben. Das hat mich doch etwas gewundert. Mit dem etwas anderen Klangbild durch die höhere Dämpfung habe ich zwar gerechnet, aber nicht damit, dass die Mittenwiedergabe in bestimmten Frequenzen verwaschener und unsauberer ist, als meine Mittelklasse In-Ears.
Stimmen wiederum werden sehr sauber und klar wieder gegeben. Aber als besonderes Negativbeispiel dient der Anfang des 2. Stückes auf der Jean Michel Jarre CD "Waiting for Cousteau": Calypso Part 2. Das dort sonst anzutreffende feine "Schwirren" geht in einem matschigen Rauschen unter. Dies wird mit erhöhter Lautstärke zwar besser, aber ich bin "Leisehörer" und dies ist der Grund, warum mich die PFE 022 (012) nicht überzeugen können: Im Mittenbereich wirken die Audéo PFE in bestimten Frequenzbereichen leicht verwaschen. Bei niedriger Lautstärke spielen sie sehr ähnlich meinen SHE 9800, übertreffen diese aber nicht. Die Auflösung ist in etwa gleich, sie schaffen es trotz der BA-Treiber nicht, deutlich mehr Feinheiten darzustellen. So, wie es zum Beispiel die äußerst klar und neutral spielenden Ultimate Ears super.fi 5 tun.
Ich möchte mein Kritik dahingehend relativieren, dass mir dies nur deshalb so sehr auffällt, weil die Philips SHE 9800 in diesem Bereich sehr gut darstellen und ich sie schon lange nutze. Wer die Audéo PFE 022 (012) zum ersten mal ohne direkten Vergleich hören wird, wird dies vermutlich nicht so sehr feststellen und sicherlich begeistert sein.
Gerade mit den grünen Audiofiltern, welche mir erheblich besser gefallen und natürlicher klingen, als die unecht wirkenden schwarzen Filter.
Diese habe ich ja mit bestellt. Die angekündigte Badewannen-Abstimmung setzen sie in der Tat um. Die Bässe sind satter, die Höhen kommen mehr durch. Die Mitten halten sich aber noch mehr zurück und wirken nun, als ob ein Schwamm wichtige Details aufsaugt und nicht an meine Ohren hindurch lässt. Dies wirkt sich erneut nicht auf die Stimmwiedergabe, sondern nur auf einzelne Frequenzbereiche aus.
Nun nutzt mir das alles leider wenig, denn ich möchte mich ja klanglich etwas verbessern und mit den PFE kann ich das im Vergleich zu den SHE 9800 nicht.
Die Lautstärke der Phonak Audéo PFE ist gut, aber zum Schutz der Ohren nicht übermäßig laut. Schließlich ist Phonak eine Hörgeräte Spezialist und weiß, ab wann es schädlich wird. Ich persönlich unterstütze diesen Weg des Gehörschutzes, aber nicht jeder wird so denken und daher über die begrenzte Lautstärke unerfreut sein.
Mein Fazit lautet daher: Die Phonak Audéo PFE 022 (012) lösen gut auf und mit den mitgelieferten grünen Filtern verschiebt sich das Frequenzband etwas in Richtung Wärme und Tiefen. Im Direkten vergleich zu Philips SHE 9800 sind einige mittlere Frequenzbereiche unsauber in der Darstellung. gegenüber den Ultimate Ears super.fi 5 sind sie erheblich wärmer und nicht so steril, lösen aber auch bei weitem nicht so detailreich auf. Die Möglichkeit andere Audiofilter zu verwenden und dabei eventuell die eigenen Wünsche besser zu treffen sind ein (kostenpflichtiges!) Feature. Die schwarzen Filter gefielen mir auf Grund der deutlichen Badewannen-Abstimmung allerdings nicht sonderlich.
Ich rate jedem, der eine warme Abstimmung sucht zum Probehören. Die Phonak Audéo 022 (012) wissen durchaus zu gefallen. Ich würde aber in jedem Fall auch die Philips SHE 9800 gegen hören und dann entscheiden welcher mehr zusagt. Letztere spielen offener und bieten eine bessere Bühne, stellen die Mitten und Bässe etwas mehr heraus. Ebenfalls eine Alternative, die man in Betracht ziehen sollte, sind die Ultimate Ears super.fi 3 Studio, welche aber eine außergewöhnliche Bauform und daher einen eingeschränkten Tragekomfort haben. Diese klingen sehr ausgewogen. Mit den austauschbaren Kabeln des triple.fi 10vi kann eine Fernbedienung mit Mikrofon nachgerüstet werden.
Meine Bewertung fällt mir in diesem Fall sehr schwer, aber schlussendlich habe ich 4 Sterne zu vergeben. Viele werden die PFE sicherlich mögen... nur meine Suche geht weiter ;)
Nachwort:
Kopfhörer Rezensionen sind immer sehr schwierig, denn hören wird sehr subjektiv wahr genommen. Was Hans Mustermann gut findet, muss Otto Normal nicht zusagen. Inzwischen habe ich viele Modelle im preisbewussten Segment angehört, und um meine Bewertung nachvollziehen zu können, sollten Sie kurz über meinen Hör- und Musikgeschmack informiert sein. Ziel meiner Rezension soll es ja sein Ihnen mitzuteilen, ob diese In-Ear Kopfhörer auch Ihren Geschmack treffen können und ob sie ihren Preis im Vergleich zur Konkurrenz wert sind. Hier also eine kurze Info zu mir: Ich höre sehr gerne Jean Michel Jarre, also elektronische Musik, die überwiegend aus analogen Synthesizern kommt, außerdem "Dead Can Dance", welche viele außergewöhnliche Musikinstrumente sowie Lautmalerei verwenden. Des weiteren Neo-Prog Rock, wie z.B. IQ. Auch Supertramp, Amy Mc Donald, Muse und Lilly Allen haben auf meinem Player einen festen Platz. Am liebsten genieße ich Musik in einer ruhigen Umgebung, wie z.B. einem Zimmer, auf der Couch, im Bett ... aber auch beim Sport auf dem Fahrad.
Ich mag dynamischen Sound, liebe aber genauso Detailreichtum. Wichtig ist mir ein klares Klangbild, die saubere Trennung von Instrumenten und eine genaue Ortung.
Um mir zu gefallen, muss ein Kopfhörer tiefe Töne angenehm satt wiedergeben, die Bässe dürfen das Frequenzband aber nicht dominieren und die Macht des Spiels an sich reißen. Die Mitten sollten neutral dargestellt werden, nicht in den Hinter- oder Vordergrund treten, oder sich nach Telefon anhören. Höhen müssen deutlich und sauber herausgestellt werden. Ich möchte gerne alle Details eines Stückes hören. S-Laute dürfen dabei nicht zum zischen neigen und ein Becken soll sich auch so anhören und nicht wie ein Stück Blech, dass in eine Ecke geworfen wird. Und das ganze bitte auch bei niedrigen Lautstärken, ich muss mir mein Gehör nicht mit Gewalt ruinieren.
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