Eine flüssig und interessant geschriebene Biographie. Sie könnte fünf Sterne wert sein.
Warum sie das nicht ist: Zunächst täuscht Herr Zimmermann seine Leser. Er war nämlich kein Gauner, sondern hat sich lediglich in den späten vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts so über Wasser gehalten, wie viele andere seiner Landsleute auch: als Schwarzmarkthändler. In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre war er dann sogar Opfer eines Unrechtsregimes. In der DDR, wohin er wegen eines Interviews gereist war - er arbeitete inzwischen als Journalist - fing er sich eine der damals dort obligatorischen 25jährigen Haftstrafen wg. Spionage für eine westlich-kapitalistische Zeitung ein. Ich war so naiv, das Buch zu kaufen, weil ich wissen wollte, was denn "Ganoven-Ede" nun verbrochen hatte. Nach meinem, zugegeben heutigen Rechtsempfinden nichts. Das kostet ihn in dieser Rezension den fünften Stern, denn der Titel des Buches stimmt ganz einfach nicht. Dieser Prototyp von Seriösität war kein Gauner!
"Law and Order" so führt er aus, sei für ihn kein Schimpfwort. Das verwundert dann doch, denn dieser Begriff bezeichnet in der Debatte der letzten Jahre eine Justiz die, koste es, was es wolle, gegen jeden vorgeht, der irgendwie das Gesetz übertritt, egal aus welchem Grunde. Das Schlagwort von der "Null-Toleranz" könnte geradezu von Zimmermann selbst stammen, der doch als unschuldiges Opfer der DDR-Rechtsprechung hätte wissen können, daß es sowohl Justizirrtümer als auch Justizverbrechen gibt.
Ich bin ein Fan von XY. Erstens, weil ich Krimis mag. Zweitens: Weil auch nach meinem Dafürhalten der wirkliche Verbrecher seinem gerechten Richter und seiner ebensolchen Strafe zugeführt werden muß, und zwar in den Grenzen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung vorgibt. Dieser Autor aber haßt nicht nur das Verbrechen. Er haßt auch den Verbrecher. Dies allein erklärt mir, warum er so nervig unnatürlich für fast jeden Verständnis hegt, der sich ihm vor 1954 irgendwie auf erwähnenswerte Weise in den Weg gestellt hat.
Haß ist ein schlechter Ratgeber. Er hat Herrn Zimmermann dazu getrieben, päpstlicher als der Papst zu sein und ein als Verbrechensbekämpfer und Opferanwalt verdienstvolles Mitglied der Gesellschaft als Gauner zu diffamieren. Es sei dahingestellt, ob er damit seiner konservativen Seele wohl wollte, oder die Gesetze des Kapitalismus allzugut begriffen hat. Jeder ist dazu berechtigt, sich selbst in seinen Memoiren nicht gerecht zu werden. Genanntes Mitglied der Gesellschaft ist niemand als Eduard Zimmermann selbst. Das führt dazu, daß ich ihm den vierten Stern für sein Buch verweigern muß.