Vor den Moscheen Istanbuls standen frueher Maenner mit grossen Kaefigen, in denen kleine Singvoegel herumschwirten. Einer Sitte im Islam entsprechend, konnten die Glaeubigen einen Vogel frei kaufen. Mit diesem Bild beginnt Kemal seinen Roman, den ich ausgesprochen gut finde. In einer noch sehr modern wirkenden Erzaehlweise ist dieses Buch Yasar Kemals gehalten. Fuer einen Erzaehler, der seine Jugend im Taurus mit den kurdisch-tuerkischen Epen des Landes verbracht hat, ist dieses Buch sicherliche eine seine modernsten Erzaehlungen. Die Stadt wirkt hier bedrohlich und brodelnd zugleich. Ein gefaehrlicher Anziehungspunkt.
Yasar Kemal-Fans kommen auf ihre Kosten, allerdings sehen wir hier eher eine moderne, sozialkritische Geschichte, als einen baeurlichen Heldenepos aus der Cukorova. Der Autor hat spaeter noch einen Istanbul-Roman vorgelegt ( "Der Zorn des Meeres" ), den ich auch emphaelen kann.