Ich glaube, einige der Vorrezensenten haben diesen Film ernster genommen, als er sich selber nimmt. Er spielt genau mit den Klischees, die sie ihm vorwerfen - und das auf eine höchst amüsante und unterhaltsame Art.
Als (ehemaliger) Student kriegt man schon ziemlich am Anfang das große Schmunzeln, wenn Xavier aus dem Off berichtet: "Es gibt verschiedene Austauschprogramme für Studenten. Eins davon heißt Erasmus und ist ein einziges großes Durcheinander." - Jawohl, Xavier, so ist es. Das Hetzen von Büro zu Büro, das mühsame Zusammensammeln obskurer Unterlagen, die resoluten Damen in den Büros - das ist Unialltag.
Angekommen in Barcelona, sind die Storys rund um die turbulente internationale Studenten-WG köstlich und unterhaltsam in Szene gesetzt - etwa der Zettel neben dem Telefon, auf dem in allen Sprachen "XX ist gerade nicht zu Hause" steht, oder die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Charakteren, wenn es ums Putzen oder das Befüllen des Kühlschranks geht. Da steckt überall auch ein Funken Wahrheit drin - so geht es zu in einer internationalen WG! Natürlich überdreht der Film das alles, aber dafür ist es eine Komödie und nicht "Big Brother aus dem Studentenwohnheim".
Ganz besonders stark ist der Film dort, wo er mit den schon erwähnten Klischees zwischen Nationen und Menschentypen spielt. Das abgedrehte "Bewerbungsgespräch" von Xavier in der WG ist das erste große Bonbon dieser Art. Zu erwähnen ist, dass die Studenten tatsächlich von Schauspielern der jeweiligen Nation gespielt werden - der Deutsche ist ein Deutscher, die Spanierin eine Spanierin und so weiter. Dass nun gerade der Deutsche an Xavier "typisch deutsche" Fragen stellt oder ausgerechnet der Bruder der Engländerin sich bei einem Besuch in der WG britisch-prollig benimmt und mit seinen politisch höchst unkorrekten Statements die Sympathie aller verscherzt - genau das macht den Charme dieses Streifens mit aus, denn als Zuschauer empfindet man sehr wohl, dass es hier darum geht, Vorurteile aufs Korn zu nehmen. Dabei bleiben aber alle Charaktere trotzdem liebenswert (gerade der unbeliebte britische Bruder wächst zum Schluss in einer grandios komischen Szene über sich hinaus). Und - in jedem Witz steckt ja auch ein Körnchen Wahrheit, sonst würde er nicht funktionieren.
Die ganzen Liebes- und Trennungsklüngel sowie die Sauf- und Partygelage, von denen der Film ebenfalls pflichtschuldig erzählt, laufen da fast nebenher und dienen eigentlich am ehesten dazu, das Bild unbeschwerter studentischer Eskapaden und Freiheiten abzurunden. Gut umgesetzt ist das Ganze durchaus - ich persönlich spüre beim Anschauen des Films immer das leichte Prickeln warmer Sonnenluft auf der Haut, rieche Meer und Tapas. Ein bisschen Träumerei ist eben auch dabei.
Besonders in mein Herz gespielt hat sich süße Wendy als Vertreterin von der Insel. Auch die bewährte Audrey Tatou als Xaviers Freundin Martine wird ihrer Rolle gerecht, und endlich mal nicht als die lächelnde Sympathie in Person - hier geht sie einem schon in den ersten fünf Minuten auf den Geist mit ihrem weinerlichen Gehabe und ihrem Unverständnis Xavier gegenüber. Dass diese Beziehung zum Scheitern verurteilt ist, ist so für den Zuschauer komplett nachzuvollziehen. Dies arbeitet der Film auch visuell heraus: Während eines Telefonates zwischen den beiden sieht man Xavier in der Sonne Barcelonas stehen, im Hintergrund spanische Musik aus einer Bar - während Martine im grauen verregneten Paris aus dem mit Tropfen übersähten Fenster starrt und traurig ist, dass Xavier sie nicht besuchen kommt.
Fazit: Sehr unterhaltsamer, amüsanter und unbeschwerter Studentenfilm, der sich selbst nicht so ernst nimmt. Auf jeden Fall sehenswert, vor allem für Leute, die als Student ebenfalls einige Zeit im Ausland verbracht haben.