Endlich und leider sehr spät wird der unwiderstehlich charmante und völlig coole Feel-Good-Film "L'auberge espagnole" doch noch in einer deutschen Fassung veröffentlicht. Leider ist die Edition nicht wirklich ein Hit, denn neben dem Film werden keine Extras geboten. Das ist sehr schade, denn es gibt eine sehr empfehlenswerte französische 2-DVD-Version mit ausführlichem Making-of, 13 geschnittenen Szenen, die von Cédric Klapisch in liebenswerter Weise präsentiert werden, sowie einem Anti-Aids-Kurzfilm mit Valéria Bruni-Tedeschi.
Xavier, eigentlich ein totaler Langweiler, ist gerade mit dem Studium fertig und hat im Wirtschaftsministerium einen Job in Aussicht. Allerdings erst in einem Jahr und Voraussetzung ist ein Nachdiplomstudium in Spanien. Mit dem Erasmus-Programm der EU kommt er nach Barcelona und lässt seine Hippie-Mutter und seine neurotische Freundin Martine (Amélie-Star Audrey Tautou) in Paris zurück. Schon auf dem Flugplatz trifft er auf das seltsame und eher peinliche Paar Jean-Michel, einem aufdringlichen Arzt, und Anne Sophie, einem schüchternen Dummerchen. In Barcelona findet Xavier dann einen Platz in einer WG und wohnt schliesslich in europäischer Eintracht mit der Engländerin Wendy, dem Italiener Alessandro, dem Deutschen Tobias, dem Dänen Lars, der Spanierin Soledad und der Belgierin Isabelle zusammen und schliesslich hängt auch noch Wendys nervender Bruder William in der WG herum. Es ist nicht erstaunlich, dass Xavier bald erkennt, dass sich das Leben nicht nur an der Uni abspielt. Xavier entdeckt die mediterrane Lebensart, ein entspanntes Lebensgefühl, die Frauen und die Liebe. Ausserdem wird ihm bewusst, dass er nicht eine Karriere in der Verwaltung machen will, dass das nicht sein Lebensziel ist, sondern dass Schriftstellerei seine wahre Berufung ist.
"L'auberge espagnole" ist eine äusserst witzige Komödie mit liebenswerten Charakteren und einem intelligenten Drehbuch. Typisch französisch ist, dass auch politische Themen in amüsanter Weise behandelt werden, wie die der Sprache an der Uni (Katalanisch, nicht Spanisch) oder die Frage nach der Identität, wobei ein Schwarzer erläutert, dass er sowohl eine gambische als auch eine katalanische Identität hat. Auch in Details sind Entdeckungen zu machen. So betont Lars bei beiden Vorstellungsgesprächen, dass er in Paris war und Französisch spricht. Das zweite Mal kommt dies als Running Gag rüber. Dabei muss man seine Freundin Soledad beachten, die giftige eifersüchtige Blicke von sich gibt.
Schliesslich sollte man sich den Film unbedingt im Original mit Untertiteln anschauen. In der Synchronfassung geht viel vom Flair und vom Multikulti-Charakter des WG-Lebens verloren. Besonders schön kommt dies in einer geschnittenen Szene zum Ausdruck: Xavier erläutert Isabelle seine geheimen sexuellen Fantasien auf Französisch. Dann kommt Wendy und er wiederholt das Ganze auf Englisch. Schliesslich stösst noch Soledad dazu und er erzählt das Gleiche nochmals auf Spanisch.