Ich fand das Buch fantastisch.
Paulina, deren Perspektive uns durch die Ereignisse führt, ist keineswegs charakterlos oder ein blasser Charakter, wie ein anderer Rezensent behauptete. Sie ist ein junger Mensch an der Schwelle zum Erwachsensein, ja eigentlich schon erwachsen, aber bis dahin eben - wie es typisch für hiesige Biographien ist - mit der Identität "Schülerin" ausgestattet und im Elternhaus lebend. Wir begeben uns mit ihr in eine unbekannte Welt in zweierlei Hinsicht. Paulina beginnt ein Leben, das sie so vorher noch nicht geführt hat. Die Eltern sind weit weg und ihre finanzielle Unterstützung allein würde nicht ausreichen. Es ist ganz allein an Paulina, sich Unterkunft zu suchen und für die Deckung aller anfallenden Kosten zu sorgen. Mir als Leser war das Paris, das Paulina entdeckt, völlig unbekannt. Zum Glück ist Paulina eine kompetente Reiseführerin, denn sie beherrscht immerhin die Sprache, kennt ihre Ziele in der großen Stadt und vermochte mich mit ihrem Interesse an Kunst und Kunstgeschichte zu leiten. Ungewohnt und spannend ist für Paulina wie für mich, den Leser, die Begegnung mit den Menschen in Paris. Es mag nicht jeder Leser durchhalten, den Kunstansichten eines steinalten Mannes zu einem nicht gerade bekannten Künstler zu folgen; bis zum Ende zuzuhören, wenn ein erfolgloser Pianist über sein Idol erzählt oder wenn sich ein seltsam ungleich wirkendes Paar über Erfolg oder Misserfolg eines Buchkritikers streitet. Ich fragte mich, ob ich all die Monologe kennen muss, um die weitere Handlung verstehen zu können. Andererseits hatte ich auch ein Interesse, nah an Paulina zu bleiben, mit ihren Augen zu sehen. Sie hört den Menschen aufmerksam zu. Das ist keine Charakterlosigkeit, sondern das macht einen Teil ihres Charakters aus. Sie nimmt die Menschen, wie sie sind, sie öffnet sich dem Neuen, das es dabei zu entdecken gibt. Was sie dabei entdeckt, ist äußerst skurril, seltsam, komisch - wie dann auch Paulinas Träume, die so zwischen die Handlung geschrieben sind, dass ich mir erst im Nachhinein darüber klar werden musste: war das Traum oder Wirklichkeit?
Das Buch geht weiter wie ein Krimi, oder es ist von Anfang an ein Krimi. Wenn ich jetzt über das Ende des Buches schreiben würde, warum es mir so gut gefiel, dann müsste ich zuviel verraten. Deshalb ist es mir nicht möglich und die Rezension macht hier Schluss.