Emil Stejnars Buch 'Außerkörperliche Erfahrungen' ist Teil der Reihe 'Magie und Mystik im 3. Jahrtausend', in welcher der Autor sein Konzept der gnostischen Hermetik entwickelt. Es behandelt ein Phänomen, das oft spontan auftritt und von dem viele bezweifeln, dass es tatsächlich das ist, was es zu sein scheint. Ohne eine unkritische Haltung einzunehmen, geht Stejnar von der unmittelbaren Evidenz der außerkörperlichen Erlebnisse aus und zeigt, wie diese durch gezielte Übungen forciert werden können.
Während in der gegenwärtigen spirituellen Szene oft Techniken praktiziert werden, die lediglich die Herstellung eines angenehmen, entspannten Zustands zum Ziel haben, wird hier von einem als Magier und Astrologen bekannt gewordenen Autor ein für jeden gangbarer Weg aufgezeigt, sein Erfahrungsspektrum zu erweitern und konkrete geistige Forschungen anzustellen. Das Buch stellt somit eine Herausforderung an den Leser dar, der sich selbst durch aktives Bemühen weiterentwickeln will, verspricht aber auch eine Bereicherung sowie eine Erweiterung und Vertiefung der Erkenntnis. Es wird deutlich, dass der größte persönliche Wert der außerkörperlichen Erfahrung für den Einzelnen offenbar darin liegt, einen Zustand zu erleben, der ihm vermittelt, dass eine bewusste Fortexistenz nach dem Tod möglich ist. Somit wird hier eine, wenn nicht gar 'die' Kernfrage der Esoterik und aller Religionen angesprochen - allerdings aus einer Perspektive, die ganz auf dem eigenen Erleben aufbaut und ein wissenschaftlich orientiertes Interesse zeigt, bei aller Ernsthaftigkeit immer verbunden mit erfrischender Abenteuer- und Entdeckerlust.
Stejnars Buch verweist gelegentlich auch auf andere wichtige Publikationen zu diesem Thema (etwa Werner Zurfluhs 'Quellen der Nacht') und Inhalte des traditionellen Wissens, basiert aber im Wesentlichen auf seinem eigenen Fundament. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es einerseits eine in sich schlüssige, differenzierte Theorie über außerkörperliche Erfahrungen bietet (wobei es andere Gebiete wie die Chakren-Lehre skizzenartig streift), und diese andererseits mit Übungen zur Entwicklung dieser Fähigkeit verbindet. Stejnar setzt dabei an, Momente des Wachseins im Alltag herzustellen und in einem zweiten Schritt die Bewusstheit im Traum zu steigern. Von diesem ausgehend fällt es gemäß den Erfahrungen des Autors leichter, in den außerkörperlichen Zustand zu gelangen.
Es wird schnell klar, dass Stejnar weder Vernunft noch Skepsis ausblendet. Sein Werk zeigt sich anders als viele Publikationen auf diesem Gebiet wohltuend unsentimental, ja erstaunlich sachlich und nüchtern. Die Glaubwürdigkeit der Darstellungen erhöht sich dadurch, dass Stejnar ausführlich und offen über seine eigenen Experimente spricht und hierbei auch die vielfältigen Übergangsbereiche zwischen Traum, luzidem Traum und außerkörperlichem Erlebnis behandelt. Die Differenziertheit und Ausgewogenheit drückt sich zudem darin aus, dass er die Welten und Wesen, die man in diesem Zustand antreffen mag, nicht einfach kurzschlüssig in die Kategorien 'subjektiv' oder 'objektiv' einteilt, sondern aufzeigt, wie sich zum Beispiel in subjektiven Bildern auch ein objektiv Geistiges ausdrücken und sich als Fremdartiges überhaupt erst verständlich machen kann. Aus der Traumwelt und aus den Imaginationen seines eigenen 'Seelengartens' (wie es in Stejnars Begriffsprägung heißt) kann der Mensch mit wachsendem Unterscheidungsvermögen dann auf Ebenen gelangen, auf denen unverfälschtere Begegnungen mit Verstorbenen oder geistigen Wesen möglich sind. Dies gelingt umso besser, je weniger er sich von den eigenen seelischen Erlebnissen 'überwältigen' lässt, sondern sich seiner Rolle als Wahrnehmender bewusst wird. Zudem ist es Stejnar ein wichtiges Anliegen, dass der Mensch sich gegenüber den höheren Wesen, deren Existenz grundsätzlich anerkannt wird, im Zuge dieser Entwicklung emanzipiert, das heißt, sich nicht mehr unwissentlich von ihnen lenken lässt. Dies beginnt damit, dass er dasjenige in sich zu beherrschen lernt, was diesen Wesen verwandt ist. In diesem Kontext stimmt sein Kapitel 'Das Traumschiff der Verdammten' sehr nachdenklich, ebenso wie die Ansicht des Autors, dass wir durch unsere Vorstellungen teils auch die künftige Gestalt des Jenseits mitbestimmen - denn der Wechselwirkungen gibt es viele und Gedanken sind für ihn wirksame Kräfte ...
Da man heute nicht mehr einfach bloß glauben oder sich mit abstrakten Erörterungen befassen will, bietet das Buch - neben den anderen dokumentarischen Notizen z.B. von Flugträumen oder dem sog. 'falschen Erwachen' - zuletzt eine besonders interessante und auch berührende Zusammenstellung von Aufzeichnungen des Autors über seine Versuche, über den Traum (respektive das außerkörperliche Erleben) in Kontakt mit seinem verstorbenen Freund Martin zu treten. Man kann dem Verfasser dankbar sein, dass er ein derart persönliches Zeugnis mit aufgenommen hat. Denn gerade an diesem Material mag man eigene Erlebnisse gespiegelt sehen und Ansätze zur Deutung gewinnen. Als entscheidend zeigt sich am Ende die folgende Erkenntnis, die Stejnar als Konsequenz aus diesen Bemühungen zieht und in der er eine weitere Methode der Überprüfung des jeweiligen Zustands formuliert: 'Das Wachsein allein reicht für die Standortbestimmung auf den feinstofflichen Ebenen nicht aus. Erst die Besinnung auf den Zeitablauf und die Erinnerung an den Zeitabschnitt davor, der einen zum jetzigen Standort führte, gibt Auskunft über die Ebene, auf der man sich befindet. Es kommt auf die Kontinuität des Bewusstseins an.' (S. 151; der letzte Satz des Zitats ist im Original hervorgehoben)
Man muss nun keineswegs alle im Einzelnen diskutierbaren Überzeugungen des Autors teilen, um den Wert dieses Buches, den er selbst hoch ansetzt, anzuerkennen. Dies wird von Stejnar der - nie unkritisch - in seiner Arbeit und in seinen Schriften hauptsächlich auf Franz Bardon aufbaut, dabei gelegentlich aber auch andere Esoteriker wie Rudolf Steiner einbezieht, im Übrigen keineswegs verlangt. Vielmehr erläutert er seine Motivation, jeden, der dies möchte, bei dem Vorhaben Hilfestellung zu leisten, sich selbst das außerkörperliche Erleben zu erschließen, sich so zur Überprüfung seiner Aussagen zu befähigen und gegebenenfalls weitere Erkenntnisse zu diesem Gebiet beizutragen. Dabei wird dem Menschen in allen Facetten seines Wesens Rechnung getragen: Er erscheint als Denkender, Fühlender, Wollender, vor allen Dingen aber als sich in seinem Dasein zunehmend bewusst werdendes ICH. Die Klarheit in der Darstellung und die Praktikabilität zielführender Methoden sprechen für das Buch. Aus all diesen Gründen darf es für diejenigen, die an 'Out of Body Experiences' interessiert sind, zu den Titeln gezählt werden, die das Prädikat 'Erste Wahl' verdienen.