Godards 1959 gedrehter Film 'Außer Atem' (À bout de souffle) markiert den Beginn einer neuen Ära des französischen Kinos: der 'Neuen Welle' (Nouvelle Vague), zu deren Protagonisten neben Godard weitere ehemalige Filmkritiker der Fachzeitschrift 'Cahiers du Cinéma' wie Truffaut, Chabrol u.a. gehören.
Godard hatte rund zehn Jahre als Kritiker bei den 'Cahiers' verbracht, bis er den Versuch unternahm, alles, was er als Regisseur zu sagen hatte, in seinem Erstlingwerk auszudrücken. Daß dies eine Milchmädchenrechnung sein mußte, war ihm klar, und doch hinterließ der Streifen deutlichere Spuren als jeder andere französische Film in den Jahren zuvor. Seine bewußt 'falschen' Schnitte, der Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung, die unorthodoxe Arbeitsweise ohne festes Drehbuch, die Spontaneität der Hauptfiguren sowie seine Verarbeitung amerikanischer Einflüsse machten diesen Film zu einem Klassiker. Die ungewöhnlich dichte Atmosphäre sowie die nahezu ideale Besetzung (Seberg, Belmondo) sind in dieser Form von ihm nicht wieder erreicht worden.
Nach dem unbesonnenen Mord an einem Polizisten in Südfrankreich hetzt der junge Michel (Jean-Paul Belmondo) durch das Paris der späten Fünfziger, versucht seine amerikanische Geliebte Patricia (Jean Seberg) zu überreden, ihm nach Italien zu folgen, stiehlt Geld bei einer Freundin, versucht, einen ungedeckten Scheck einzulösen, schwängert seine große Liebe und landet schließlich in den Armen der Polizei - verraten von eben dieser Geliebten, die dem Fahndungsdruck nachgibt, als sie um die Verlängerung ihres Visums fürchten muß.
Mit einer Kugel im Rücken stolpert er die Straße bis zur nächsten Kreuzung herunter, wo er zusammenbricht. Fassungslos sieht Patricia ihren Geliebten sterben, als dieser flüstert, das sei doch alles zum kotzen. Da sie ihn nicht versteht, erklärt der Polizist, "er hat gesagt, Sie sind wirklich zum kotzen". Noch immer benommen von den Ereignissen dreht sie sich frontal zur Kamera und fragt mit scharfem amerikanischem Akzent, "was heißt das, 'zum kotzen'"?
Die Thematisierung des Lebens als Abenteuerroman, als Krimi und als schnelles, unbedarftes Glück verleihen Godards Debut den Hauch einer Form der Schnellebigkeit, die im Hier und Jetzt aufgeht und sich in der Annahme, nur das Auskosten des Moments erzeuge Authentizität, nicht darum schert, über den Tellerrand der Unmittelbarkeit hinauszuschauen. In Michels Worten, "il faut tout ou rien".
Unbedingt empfehlenswert!