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Außenseiter (suhrkamp taschenbuch)
 
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Außenseiter (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Hans Mayer
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 511 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 7 (1. Dezember 1981)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351837236X
  • ISBN-13: 978-3518372364
  • Größe und/oder Gewicht: 18,1 x 11,1 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 207.589 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hans Mayer
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das Buch entwickelt seine Problematik zentral an der Stellung bürgerlicher Gesellschaft und ihrer Literatur zur Frau, zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Judentum.

Über den Autor

Der Wissenschaftler, Kulturkritiker und Schriftsteller wurde am 19. März 1907 in Köln geboren. Er studierte Jura, Geschichte und Philosophie in Köln, Bonn und Berlin. Als Jude verfolgt, war er von 1933 bis 1945 in der Emigration in Frankreich und in der Schweiz. Von 1948 bis 1963 lehrte er Geschichte der Nationalliteraturen an der Universität Leipzig. Zwischen 1965 und 1973 war er Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Technischen Universität Hannover. Danach lebte er als Honorarprofessor in Tübingen.

1935, im Exil, begann er mit den Vorarbeiten für sein großes Werk über Georg Büchner; ohne Zuspruch von Carl J. Burckhardt wäre das Opus magnum nicht beendet worden. 1972 erschien eine Neuausgabe im Suhrkamp Verlag. 40 Titel von ihm sind seitdem in »seinem« Verlag publiziert worden, darunter Bücher über Goethe und Brecht, Thomas Mann und Richard Wagner; der letzte in diesen Tagen: »Erinnerungen an Willy Brandt«. Bundeskanzler Schröder drückte darüber brieflich noch seine Hochachtung aus.

Hans Mayer war ein Lehrer für uns Deutsche. Ein Wissenschaftler, der mitten im Stalinismus Autoren wie Kafka, Proust, Joyce und Bloch verteidigte, der, wo immer in der Welt er lehrte, Literatur befragte, ob sie geeignet sei, Humanität zu befördern. Ein Gelehrter zwischen den Fronten, dessen wichtigste Werke nicht zufällig den Unbotmäßigen und »Außenseitern« gelten. Seine Erinnerungen waren Erinnerungen eines »Deutschen auf Widerruf«. Die Beschwörungen eines anderen Deutschland bereiteten neuen Kräften wie Uwe Johnson den Weg.

Hans Mayer ist Ehrenbürger der Städte Köln und Leipzig, Ehrendoktor der Universitäten in Brüssel, Wisconsin und Leipzig, Ehrenprofessor der Universität Peking, Träger des »Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland«.

Hans Mayer, Nestor der deutschen Literaturwissenschaft, starb am Sonnabend,
dem 19. Mai 2001, im Alter von 94 Jahren in Tübingen.



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Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Jude Hans Mayer (1907-2001) war ein Außenseiter. Und aus dieser existenziellen Erfahrung heraus ist auch sein Buch "Außenseiter" entstanden. Und so schreibt - besser noch: erzählt Hans Mayer von dem Außenseitertum, von der mangelnden Emanzipation von Homosexuelle, von Frauen, von Juden. Ein Außenseiter über Außenseiter also.

Ausgehend von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer sieht auch Hans Mayer die "bürgerliche Aufklärung als gescheitert" an. In drei Kapitel: Judith und Dalila, Sodom und Shylock - belegt er diese These. Den biblischen Frauen Judith und Dalila wird die Gleichstellung mit dem Mann verweigert. Sodom steht für die Hetze gegen Homosexuelle und der Jude Shylock für alles das, was den Juden bis heute? verweigert wurde: die Emanzipation.

Hans Mayer, der Literaturwissenschaftler, bedient sich in seinem großartigen Essay der Literatur und nimmt den Leser so auf eine wunderbare, aber auch bedrückende Reise mit. Für Mayer - eines der besten Bücher, für den Leser - eines der wichtigsten.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Das Buch geht von der Behauptung aus, dass die bürgerliche Aufklärung gescheitert ist." So lautet der Anfangssatz dieses literaturwissenschaftlichen Essays über die Außenseiter des bekannten deutschen Literaturwissenschaftlers Hans Mayer aus dem Jahre 1975.
In diesem interessanten und bedeutendem Buch, das eine Balance sucht zwischen essayistischem Erzählen und wissenschaftlicher Quellenforschung, analysiert Mayer die literarische Darstellung gesellschaftlicher Außenseiter wie Frauen, Juden und Homosexuelle. Jedem dieser drei Außenseiter ist ein Kapitel gewidmet.
Nach Mayer scheiterte die Aufklärung deswegen, weil sie die Ungleichheit im Menschlichen, nicht bloß im Gesellschaftlichen ignorierte. Während es im Christentum nur intentionelle Außenseiter gab und gibt, die durch ihre Taten und Meinungen sündhafte Menschen sind, vollzieht sich im Säkularisationsprozess die Erkenntnis, dass es auch Außenseiter gibt jenseits von Mythos und Dogma. Gemeinsam ist diesen existentiellen Außenseitern, dass sie Fremdheit in der bestehenden Gemeinschaft bedeuten. Verurteilt werden sie nicht durch eine strukturell und ideologisch feindliche Gegensicht, sondern durch Ihresgleichen. Obwohl die Aufklärung von der Gleichheit aller Menschen ausging, hat sich die bürgerliche Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts in diesem Punkt zurückentwickelt. Bürgerliche Aufklärung war nur solange harmonisch und konfliktlos, so lange die Bourgeosie von der politischen Machtergreifung ferngehalten war. Die neue bürgerliche Hierarchie verwandelte die Frau, im Rahmen allgemeiner Rechtsgleichheit, in eine parasitäre Sklavin, da sie kein Geld verdient und verdienen soll. Sie bekämpfte die jüdische Emanzipation durch Bildung und Besitz. Die sittenstolze Bürgertugend bekämpfte das aristokratische Laster Sodoms, das unter den Monarchen, Offizieren, Höflingen der Rokoko-Sozietät derartig verbreitet war, dass bloß Médisance denkbar blieb. Fremdenfeindlich von Anfang an, wurde die bürgerliche Gesellschaft zunehmend nationalistischer. In dieser gleichgeschalteten Gesellschaft wurde jeder Außenseiter zur Provokation. Diese Provokationen, diese Ärgernisse der Außenseiter erörtert Mayer an Einzellfällen, indem er einzelne Phänomene und Vorgänge erzählerisch analysiert.

Ein Ärgernis in der bürgerlichen Gesellschaft sind zum Beispiel Frauen, die ihrer "Weiblichkeit" entsagen. Frauen mit der Waffe, sowohl der realen wie der "geistigen" werden von den Männern, die sich mit Frauenfiguren wie der Johanna, Judith oder Penthesilea literarisch beschäftigen, denunziert, da sie aus diesen minoritäten Taten einer Judith oder Johanna die politische Entmündigung auch der weiblichen Majoritäten ableiten. Und obwohl die Frauen keine Minderheit sind, werden sie dennoch als solche behandelt, "als eine vom männlichen Bewußtsein pejorativ gedeutete Außenseiterexistenz." Das beweisen die zahlreichen Beispiele aus der Vergangenheit, wo Frauen, Neger und Juden als Außenseiter nebeneinander gestellt wurden. Nach Mayer sind auch die Frauen im 20. Jahrhundert jeder Möglichkeit zur Subjektivität und Identität beraubt, indem sie sich an die männliche Welt anpassen und die von ihr auferlegte Rollenverteilung. Besonders durch die Werbung und durch ihr Bild von der Frau, die sich an junge Mädchen und Frauen wendet, wird die Frau zum (Sexual-)Objekt gemacht. Darin unterscheiden sich bestimmte "Frauenzeitungen" von einem Männermagazin wie dem "Playboy" durchaus nicht. "Die Rollen müssen gespielt werden; die Bilderwelt der durch Werbung manipulierten Frau wurde zum Rollenklischee. Die Selbstentfremdung wird als Wert angepriesen und gekauft."

Das zweite Kapitel "Sodom" ist der Homosexualität in der Literatur gewidmet, eine bis heute grundlegende Arbeit zu diesem Thema. Mayer entwirft darin zunächst einen literaturhistorischen Überblick zum Thema, die Chronik der Morde und Skandale, die von der griechischen Antike bis ins 20. Jahrhundert reicht. In den weiteren Teilkapiteln führt er dann an ausgewählten Autoren bzw. Literaturfällen exemplarisch spezielle Ausprägungen der literarischen Darstellung der Homosexualität. Für die homosexuellen Literaten und für die literarische Darstellung der Homosexualität im 19. Jahrhundert gab es nach Mayer drei Alternativen: das Streben nach "Gleichschaltung" mit den Normen und Erwartungen der Gesellschaft, oder der Bruch mit diesen Normen durch die bewusste Provokation von Skandalen oder "eine rare, dritte Möglichkeit der homosexuellen Existenz" - der Todesrausch. Zugegeben eine etwas plakative Trias, aber sie zeigt dass der Homosexuelle letztlich in der bürgerlichen Gesellschaft immer ein Außenseiter bleiben wird und zwischen Gleichschaltung, Skandal oder Tod (Selbstmord) wählen wird.

Im dritten Kapitel "Shylock" beschäftigt sich Hans Mayer mit der literarischen Darstellung des Juden seit Shakespeare und Marlowe. Auch bei der Judenfrage ist die bürgerliche Aufklärung trotz eines Lessing gescheitert. Sie musste scheitern, weil die Theorie und Praxis der Aufklärung, das Problem dadurch zu lösen versuchte, dass man "die Forderung der jüdischen Assimilation stellte, nämlich als Verzicht auf den Ursprung zugunsten der Umwandlung, als Reduzierung eines Volkes schlimmstenfalls auf eine Glaubensgemeinschaft, möglichst jedoch auf eine totale Amalgamierung". Bereits in Lessings Lustspiel "Die Juden" findet sich diese erstaunliche Vorwegnahme für die nachfolgenden Jahre: "die nüchterne Präsentation der gesellschaftlichen Bedingungen, unter welchem das Postulat der Judenemanzipation einzig realisiert werden könnte. Nämlich durch Bildung und Besitz." So gab es auch eine von den assimilierten Juden selbst übernommene Diskriminierung: "jene nämlich nach den deutschen Juden, die (virtuell) zur Bildung und zum Besitz qualifiziert schienen, und den verachteten "Ostjuden"." Hans Mayer macht deutlich, dass trotz des hochherzigen Optimismus der Judenhass und der Antisemitismus auch nach Auschwitz nicht abgenommen hat, sondern weiterhin unter einem neuen Deckmantel grassiert. "Aus dem bisherigen isolierten jüdischen Außenseiter inmitten einer nichtjüdischen Bevölkerung wurde eine jüdischer Außenseiterstaat inmitten einer nichtjüdischen Staatengemeinschaft." Da der Staat Israel nach Mayer ein Judenstaat ist, betreibt eine Politik, die diesen Staat nicht anerkannt und zerstören möchte, "den Judenhaß von einst und von jeder."

Im "Offenen Schluss" hält Mayer ein leidenschaftliches Plädoyer für die Außenseiter. Er wendet sich gegen die marxistische und faschistische Praxis, die Interessen des Kollektivs über die Individualrechte des einzelnen zu stellen. "Eine Denkrichtung, die eine jede so genannte Personalisierung verachtet, um allein die Kollektivitäten anzuerkennen, die quantitativ erheblichen Regelfälle, statt der qualitativen Einzelfälle, fördert das fetischisierte Denken und damit eine unmenschliche Praxis." Man sollte aber zweierlei nicht vergessen. Selbst in einer liberalen Gesellschaft ist die Frau in einer führenden Position von Parlamenten. Regierungen und Parteien, ist der homosexuelle Bürgermeister oder Außenminister, ist der jüdische Bürgermeister in Deutschland die Ausnahme und macht nicht vergessen, dass zum Beispiel solche Proklamationen wie das "Jahr der Frau" insgeheim voraussetzen, dass alle anderen Jahre solche des Mannes sind, oder dass die erwiesenen Homosexuellen in allen Ländern nach wie vor als "Sicherheitsrisiko" behandelt werden. Zum zweiten darf man auf keine Solidarität zwischen den Außenseitern hoffen, was zu bedauern ist. Die angeführten Beispiele aus der Literaturgeschichte zeigen nach Mayer keine Gemeinschaft der Außenseiter. Der Jude Heine steht gegen den Homosexuellen Platen, Lulu gegen die Gräfin Geschwitz, Rosa Luxemburg gegen die den jüdischen Offizier.
Das Phänomen Auschwitz hatte deswegen nach Adorno und Horkheimer, denen Mayer in diesem Fall zustimmt, nur in vordergründigen Weise mit Judenhass zu tun. "Es meinte, weit über die Existenz von Juden hinausreichend, ein globales Vernichtungsdenken, das nur noch Mehrheiten zulassen will, und Minderheit gleichzusetzen strebt mit "lebensunwertem Leben"." Die Kategorien Jude, Neger oder Homosexueller sind somit in einer solchen faschistischen Betrachtungsweise, die dezidierte Gegenaufklärung betreibt, austauschbar.
Ein wichtiges Buch, für jeden der sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte.
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