Nach langer Wartezeit veröffentlichte Jean-Michel Jarre 1990 noch einmal ein reguläres Album und keine neuen Einspielungen seiner alten Titel, wie sie zu unzähligen Auf dem Markt sind. "Waiting for Cousteau" ist eine einzige Widmung an den großen alten Mann (Jaques Cousteau), der das Meer in allen seinen Facetten geliebt hat und auch uns diese Liebe dokumentiert hat. Vier Titel sind auf der CD. Wie man es von früheren Jarre-Alben gewöhnt ist, heißen die ersten drei Calypso part 1-3 und das letze Stück ist das Titelstück. Gekonnt mitreißend, absolut tanzbar, modern, in dem von Jarre gewöhnten Stil beginnt das Werk, spielfreudig bis zur Jahrmarktsmusik, mit viel Rhythmus, Steeldrums, dezenten Vocalsamples - elektronisch verfremdet, einfach toll. Deutlich getragener, ruhiger, dunkler das zweite Stück. Nach zwei Minuten setzt ein Rhythmus ein, der auch den vorgegebenen Takt eines Schiffsdiesels imitieren kann; optimistische Einsprengsel, bis das Stück zur Mitte kippt und ins belanglose rhythmieren abdriftet. Euphorisch, getragen, kirchenorgelmäßig - der volle Jarre-Bombast beschließt den Kreis im dritten Stück. So stelle ich mir ein See-Begräbnis vor. Aber jetzt kommts: Das Stück "Waiting for Cousteau" 47 Minuten lang ist etwas echt anderes, für Jarre ein Aufbruch in eine völlig neue Welt. Es herrscht Tiefseeathmosphäre: ein dunkler leiser Klangteppich bildet den Hintergrund, darüber zarte, kaum als Melodien identifizierbare Tonfolgen, so zerdehnt sind sie, wenige Samples, keine Steigerung, es beginnt und endet durch Einblenden und dazwischen ist nichts, an dem sich das Ohr festhalten kann. Ich finde es sehr gut, es entschädigt für die doch immer wieder gleichen Stücke zu Beginn. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)