Gerhard Polt schlägt wieder zu: Er hat seinen Mitbürgern haargenau aufs Maul geschaut und hält ihnen mit so perfider Unschuld den Spiegel vor, dass einem das Lachen im Halse steckenbleibt und dann doch umso hemmungsloser rauskommt -- lauter hinterhältig treffende Momentaufnahmen des deutschen Alltags, in denen Polt weniger karikiert, aber umso mehr komprimiert.
Die alte Erkenntnis "Nichts ist komischer als die Realität" wird hier bestätigt: Wenn es in "Der Weber Max" 15 Minuten lang fast im O-Ton um die gesammelten Feinheiten des kommunalpolitischen Filz geht, wo eine Bosheit mit harmlosem Antlitz die nächste jagt und man bei jedem Hören neue versteckte Fiesheiten bemerkt. Oder wenn Polt bildungsbürgerliche ("Der Kaiser Nero") oder kulinarische ("Menschenfresser") Ambitionen der aufstiegswilligen Neureichen mit deren eigenen Worten auf den Punkt bringt und, immer noch in deren eigenen Worten, den Flachsinn hinter den Worthülsen gnadenlos hervorzerrt -- oder ob es in "Der Cineast" um inhaltsschwangere TV-Produktionen geht, oder ob um "Mir san mir"-Gehabe beim Oktoberfest ("Der Nobelpreisträger"), oder um den allgegenwärtigen World Music-Hype ("E-Mam-Be-Le") -- Polt hat genau hingeschaut und hingehört. Er lässt seine Landsleute scheinbar ganz einfach reden, bis sie aus den erhabenen Höhen ihrer vermeintlichen Hochkultur wieder runterpoltern in die tiefergelegten Ödnisse ihres Spießertums.
Gestochen scharfe Momentaufnahmen der deutschen Befindlichkeit präpariert Polt hier unter seinem Vergrößerungsglas; sie gipfeln in einer geradezu lyrischen Eloge auf die "Gemütlichkeit" -- hier zelebriert Polt förmlich die sprachlichen Versatzstücke des Feierabend-Philosophen. Selten wurde Feierabend-philosophisches Gehabe dermaßen präzise auf den Punkt gebracht.
Was Polt hier als Quintessenz seiner Landsleute präsentiert, indem er sie ganz einfach in ihrer Sprache reden lässt, das sucht seinesgleichen: Schwärzer, boshafter, treffender kann man nicht sein.