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Kundenrezensionen

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Wir schreiben das Jahr 1935 und befinden uns auf dem Anwesen der Familie Tallis. Im Zentrum des Romans steht die dreizehnjährige Briony, die mit Vorliebe kleine Theaterstücke schreibt und in ihrer Fantasie ständig neue Geschichten erspinnt. Groß ist die Freude, als ihre ältere Schwester Cecilia mit ihren Freund aus Kindertagen Robbie zu Besuch kommt. Beide studieren in Cambridge. Doch schon bald glaubt Briony, dass Robbie eine Gefahr für ihre Schwester darstellt und konstruiert sich ihre eigene Geschichte. Noch am Ende des ersten Tages äußert sie einen Verdacht, der das Leben aller Beteiligten für immer verändern wird.

Die Leistung des Romans besteht aus den ständig wechselnden Erzählperspektiven, die diesen so schicksalhaften Tag, der gut die Hälfte des Romans ausmacht, aus der Sicht der unterschiedlichen Charaktere beleuchtet. So kennt der Leser die wahren Begebenheiten und erkennt, wie Briony Lieb mit Hass und Leidenschaft mit Gewalt verwechselt und somit Leben zerstört.

Leider kann "Atonement" das hohe Niveau des ersten Teils nicht bis zum Ende hin halten. Weite Teile der nachfolgenden Handlung spielen im Jahr 1940. Robbie befindet sich als Soldat in Dünnkirchen, eingekesselt von der deutschen Armee. Briony und Cecilia haben den Kontakt zueinander sowie mit der Familie abgebrochen und arbeiten beide als Krankenschwester in London. Im Zentrum stehen nun die Schrecken des Krieges sowie einige Rückblicke, die die Ereignisse der vergangenen fünf Jahre zusammenfassen. Vor allem die Kriegsgeschehnisse wirken oftmals eher kitschig als mitreißend und tragen so zum Qualitätsabfall der Handlung maßgeblich bei.

Fazit: Spannende Grundhandlung, die im zweiten Teil des Romans leider von der Kriegshandlung in den Hintergrund gedrückt wird. "Atonement" wäre noch überzeugender, hätte sich McEwan ganz auf seine Hauptthematik der Buße konzentriert.
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am 9. August 2014
I have never read a book that captures guilt and consequences so brilliantly, and heartbreakingly at the same time. It’s absolutely gorgeous. And just in case you’ve seen the movie and think you’re all set: the movie is good, but the book is so much better yet.

Briony, the lead character, is a girl aged 13, very much living into her own head, authoring stories and plays. Her mother describes her fittingly: “[Briony] had vanished into an intact inner world of which writing was no more than the visible surface, the protective crust which even, or especially, a loving mother could not penetrate. Her daughter was always off and away in her mind, grappling with some unspoken, self-imposed problem, as though the weary, self-evident world could be re-invented by a child.”

There are many examples of that, most of them beautifully executed, but the scene with Briony flaying nettles when feeling utterly frustrated is one of the best. Here she is, destroying nettles, and all of a sudden that act becomes something grander, much more impressive than it is:
“No one in the world could do this better than Briony Tallis who would be representing her country next year at the Berlin Olympics and was certain to win the gold. People studied her closely and marveled at her technique, her preference for bare feet because it improved her balance—so important in this demanding sport—with every toe playing its part; the manner in which she led with the wrist and snapped the hand round only at the end of her stroke, the way she distributed her weight and used the rotation in her hips to gain extra power, her distinctive habit of extending the fingers of her free hand—no one came near her. Self-taught, the youngest daughter of a senior civil servant. Look at the concentration in her face, judging the angle, never fudging a shot, taking each nettle with inhuman precision. To reach this level required a lifetime’s dedication.”

McEwan introduces the characters slowly and carefully, so we have very solid mental sculptures of who these people are before the story really unfolds. And then you hit chapter 13. Opening sentence: “Within the half hour Briony would commit her crime." The crime she’d spent the rest of her life trying to atone for.
“She would never be able to console herself that she was pressured or bullied. She never was. She trapped herself, she marched into the labyrinth of her own construction, and was too young, too awestruck, too keen to please, to insist on making her own way back.”

Because McEwan build his characters so well before going to the main action, what follows is utterly believable, and gut wrenching at the same time. This is no feel-good book, but it shows how powerful fiction can be.
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am 19. April 2013
An einem heißen Sommertag im Jahr 1935 überschlagen sich die Ereignisse: Cecilia und Robbie kommen sich endlich näher werden jedoch von ihrer Schwester Briony erwischt, die die ganze Situation nicht richtig einzuschätzen weiß.
Am Abend verschwinden die Zwillinge nach einem Streit im Wald und alle begeben sich auf die Suche nach ihnen. Dabei wird Lola, die Schwester der Zwillinge und Cousine von Cecilia und Briony, in der Abenddämmerung vergewaltigt. Die einzige Zeugin dieses Verbrechens ist Briony, welche den Täter aber nur von hinten gesehen hat, ihn aber zu kennen glaubt. Für sie kommt nur eine Person in Frage: Robbie, schließlich hat er sich schon an ihrer Schwester vergangen. Aus dieser Mutmaßung, von deren Wahrheit Briony überzeugt ist, wird eine Aussage und Robbie wird noch am selben Abend verhaftet. Niemand glaubt Cecila, weil man wegen des Briefes, den Briony ihren Eltern übergeben hat, davon ausgeht, dass sie ihn nur schützen will. Daraufhin bricht die Familie auseinander, denn Cecilia will nichts mehr mit ihrer Familie zu tun haben, vor allem nicht mit ihrer Schwester.

Nach einigen Jahren Gefängnis bekommt Robbie die Möglichkeit seine Strafe zu verkürzen, indem er in den Krieg zieht. Gegen Ende des Krieges versucht er schwer verwundet zu Cecila zurück zu kehren, deren Briefe ihn am leben erhalten.

Nachdem ich zum ersten Mal den Trailer zum Film Atonement mit Keira Knightley und James McAvoy gesehen hatte, war ich sehr darauf gespannt. Als ich dann erfuhr, dass es die Verfilmung eines Romans ist, wollte ich diesen sofort lesen und kaufte ihn mir.
Eigentlich hatte ich eine Art Liebesroman erwartet, das ist Atonement jedoch ganz und gar nicht.

Ian McEwan will mit seinem Werk vielmehr zeigen, wie ein im Grunde kleines Missverständnis mehrere Leben zerstören kann. Denn genau darum geht es: Da Briony die Situation wegen ihres jungen Alters nicht richtig zu deuten weiß, muss sie für den Rest ihres Daseins mit den Konsequenzen leben, die sie erst als Erwachsene wirklich begreift.
Die Liebesgeschichte zwischen Cecilia und Robbie ist zwar schön, aber nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Die Erzählweise ist zu Anfang etwas verwirrend und undurchsichtig, da man glaubt, dass ein und dieselbe Handlung mehrmals hintereinander erzählt wird. Mit der Zeit versteht man jedoch, dass der Autor die Erzählperspektive wechselt und die gleiche Handlung aus der Sicht verschiedener Charaktere darstellt. Der Leser kann dadurch die Gefühle der einzelnen Personen besser verstehen.

Der zweite Teil der Handlung bezieht sich inhaltlich auf den Zweiten Weltkrieg, wird vom Autor thematisch aber auf eine neue Weise erzählt. Ian McEwan möchte nicht vorwiegend auf die Grausamkeit und Sinnlosigkeit eines solchen Krieges hinweisen, sondern beleuchtet die Gefühlswelt eines Soldaten (Robbie) und seine Gedanken. Diese Erzählweise macht selbst diese Thematik wieder aufs Neue interessant.

Erwähnenswert ist auch noch der letzte Teil, in dem nun der gesamte Roman so präsentiert wird, als wäre er von einem der Hauptcharaktere selbst geschrieben.

Alles in allem ein anspruchsvolles, aber auch einzigartiges Buch, das man einmal gelesen haben sollte.
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am 26. Februar 2009
Ich habe neulich gelesen, dass Atonement zu einem der hunderst besten Romane gewählt worden ist- und da kann ich nur zustimmen.
Selten hat mich ein Buch so beschäftigt und wach gehalten. McEwan versteht es, den Leser in die Irre zu führen, aber gerade dadurch beginnt der Leser, sich über sein Leseverhalten Gedanken zu machen.
Meines Erachtens nach kommen in vielen anderen Büchern McEwans die Emotionen etwas zu kurz, manchmal schildert er die Dinge für meinen Geschmack etwas zu sachlich. Obwohl die Gefühle auch hier eher distanziert in Szene gesetzt werden und fast nie explizit ausgesprochen werden, spürt man trotzdem die Verbundenheit zwischen den beiden Liebenden und auch Brionys Schuldgefühle werden sehr anschaulich und nachfühlbar dargestellt.
Über den Plot möchte ich nicht allzuviel sagen, nur eins: Obwohl so viele Perspektivwechsel (vor allem in der ersten Hälfte) vorhanden sind, fühlt man sich den Personen trotzdem nahe und man beginnt zu begreifen, warum alles so gekommen ist und nicht anders.
Ein fantastisches Buch, dass ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.
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am 19. Dezember 2002
atonement ist das erste buch von ian mcewan, das ich lese, und es ist ein wunder. es ist eine geschichte über das schreiben im weiteren, die literatur im engeren sinn, über die einbildungskraft, die dem leben sinn verleihen soll, und über die liebe. diese themen sind nicht unabhängig voneinander zu denken, und dieses buch vollzieht das nicht nur in seiner geschichte, sondern auch in seiner dichten, poetischen, selbstreflexiven form nach. mcewan erzählen ist so philosophisch wie bilderstark, in seiner dichten psychologie erinnert es an autoren wie virginia woolf und henry james, die zeit vor und während des zweiten weltkrieges umgibt die kühle der moderne, doch die liebesgeschichte, die mcewan erzählt, ist eine der schönsten, wahrsten und genauesten, die ich jemals gelesen habe. bisher hielt ich franzen, coetzee und wallace für die besten autoren, die ich in diesem jahr gelesen habe - ich bin mir nicht sicher, aber die verquickung von "thema" und form, von geschichte und ihrer erzählung, gelingt keinem auf so atemberaubende weise wie mcewan. und die distanz zur unmittelbar heutigen zeit, die leicht gebrochen wirkende entrückheit, machen das lesen umso ergreifender - als würde man etwas von sich erfahren, dass man schon vergessen hatte.
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VINE-PRODUKTTESTERam 4. Februar 2008
McEwans "Atonement" funktioniert auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass es wahrlich eine Freude ist, dieses Buch auch ein zweites Mal zu lesen: denn erst dann wird man sich der vollen Tragweite dieses literarischen Experiments bewusst. Ohne hier zu viel zu verraten (und Erstlesern damit die Überraschung zu verderben): McEwan spielt bewusst mit der Erwartungshaltung des Lesers an einen (vermeintlich) im Stile des Realismus geschriebenen Roman; man erwartet eine Art literarisches "Schaukastentheater", präsentiert und vermittelt von einem allmächtigen Erzähler - und doch sind all die Hinweise bereits im Text vorhanden.
So ergeht es dem Leser letztendlich ebenso wie Briony: er sieht nur das, was er sehen möchte - bis der Schleier schließlich zerreißt.
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am 31. März 2015
Packend und kunstvoll gearbeitet fand es eine Auswahl von hochrangigen Kritikern, die für die BBC die besten englischsprachigen Romane seit 2000 auswählen sollten und setzten es unter über 150 Büchern auf Platz 9. Ich bin froh, der Empfehlung gefolgt zu sein, auch wenn ich mich etwas plagen musste. Nur Muttersprachler oder echte Zweisprachler lesen anspruchsvolle Literatur ohne Mühe, ich bin weder das eine noch das andere. Ich schätze die Arbeit von Übersetzern, aber eine noch so gute Übersetzung kann die Begegnung mit dem Original nicht ersetzen, zumal wenn es sich in diesem Fall um ein stilistisch herausragendes Werk handelt. Selten hat sich die Mühe so gelohnt.

Der Roman bietet fein ziselierte Porträts von Individuen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Friedens- und Kriegszeiten über einen Zeitraum von 100 Jahren, wenn man einige Rückblenden und den langen Epilog dazurechnet. Dazu ein atemberaubendes Bild der Fratze des Krieges im Vorfeld der Evakuierung der britischen und französischen Truppen bei Dünkirchen 1940. Als Infanteristen treffen wir dort einen unschuldig Verurteilten und seines Lebenstraumes Beraubten und zur gleichen Zeit in einem Londoner Hospital die Schuldige als Schwesternschülerin Briony (Nurse Tallis) auf der Suche nach Vergebung für eine Schuld, die sie 1935 auf dem Landsitz ihrer Eltern auf sich geladen hatte, als sie den Geliebten ihrer älteren Schwester Cäcilie durch ihre Falschaussage ins Gefängnis brachte. Wird das Paar die Belastung überstehen, wird sie warten können wie versprochen, wird er überleben?

So auf das Handlungsgerüst reduziert, könnte man meinen, man könnte dergleichen auch woanders lesen. Vielleicht, aber nicht auf diesem Niveau. Familienbande (nach Karl Kraus hat das Wort einen Beigeschmack von Wahrheit), Freund- und Feindschaften, Standesdünkel (Robbie ist der Sohn einer Hausangestellten, ein hochbegabter Medizinstudent), Schuld und Sühne, Treue und Vergeltung. Das erfordert einen Stilisten von Gnaden. McEwan trifft unter vielleicht fünfzig englischen Ausdrücken für Reden oder Fortbewegen den jeweils in der Situation einzig Richtigen, er hält die Balance zwischen Stimmungsbildern, ruhigen Beschreibungen und unbarmherzig vorangepeitschten Handlungen. Da ist kein Wort zuviel, eine verzogene Tür im Elternhaus und ein heruntergekommener viktorianischer Tempel in einem See stehen für die Risse in einer dekadenten Zwischenkriegsgesellschaft, die erst in der Gefahr einer drohenden Invasion zu sich selbst und zu den alten Tugenden findet.

Liebhaber schriftstellerischer Rafinesse werden einen ausführlichen Brief goutieren, in dem der Herausgeber einer Zeitschrift, m.E. unverkennbar das Alter Ego McEwans, der Schwesternschülerin Briony erklärt, warum er ihre autobiographisch gefärbte Erzählung wegen gewisser Schwächen nicht veröffentlichen kann, sie aber gleichzeitig zum Weitermachen ermutigt. McEwan taucht noch einmal auf, in anderer hier nicht zu verratender Gestalt im Epilog, wo es um Fiktion und Realität geht. Hat sich nicht auch mancher Leser gefragt, wie es wirklich war?

Auf Niveau B2 bzw. C1 und Leseerfahrungen mit anspruchsvoller Literatur lässt sich die Herausforderung mit Gewinn bestehen, meine ich. Notfalls hilft die Wörterbuchfunktion des Kindle, ganz Eifrige können eine Vokabelsammlung aufbauen und nochmals Revue passieren lassen, sogar im Kontext der Originalstellen, außerordentlich hilfreich.
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VINE-PRODUKTTESTERam 13. September 2010
Schon von vielen Lesern habe ich gehört, dass sie das Buch vorzeitig abgebrochen haben. In der Tat ist es ein Werk, das vom Leser einen ausgesprochen "langen Atem" verlangt, ein Buch, das seinen Wert nicht völlig offensichtlich in rasanter Handlung oder spannendem Einstieg offenlegt. Es gliedert sich in vier Abschnitte, und wenn man auch nur einen davon auslässt, oder frühzeitig aussteigt aus dem Buch, so ist der Eindruck unvollständig. man muss / sollte schon bis zum Ende lesen, erst dann erschließt sich der Sinn des Ganzen, und was der Autor mit diesem Buch eigentlich sagen wollte.

Die Abschnitte Eins bis Drei haben in der Tat erzählenden Charakter. Teil Eins beschreibt einen einzigen, heißen Sommertag im England des Jahres 1935. Die Schwüle und zwischenmenschliche Spannung wird hier bei deutlichem Hinlesen (!) doch sehr gut spürbar. Es geht eben nicht um die Handlung an sich, sondern um vieles, was zwischen der Personen im Raum steht. Wie sie sich missverstehen. Wie der eine vom anderen zu wissen glaubt, was dieser denkt. Wie sich der Wechsel von einem Lebensabschnitt zum nächsten vollziehen kann, nämlich durch ein einziges Ereignis. Erst ganz zum Schluss dieses Abschnittes kommt es zu einer Art Handlung - die allerdings das Leben aller Beteiligten von Grund auf verändern wird.

Teil Zwei spielt bereits 5 Jahre später. Es ist schwierig, dies näher zu beschreiben, ohne sogleich das dramatische Geschehen aus Teil Eins vorweg zu nehmen, das sich der Leser besser selber erschließen sollte. Sagen wir so, einer der Beteiligten, für den es damals gar nicht gut ausging, befindet sich als britischer Soldat in Frankreich, auf dem Rückzug nach Dünkirchen. Er reflektiert gleichzeitig das Geschehen aus Teil Eins, und beschreibt seine Erfahrungen mit dem Krieg. Auch hier muss man wieder genau "hinlesen". auf den ersten Bllick überwiegt die Kriegshandlung (ziemlich drastisch sogar), auf den zweiten aber erhält der Leser einen tiefen Einblick in seelisches Geschehen, was Teil Eins sehr gut ergänzt.

Teil Drei ist in etwa zeitgleich zu Teil Zwei anzusiedeln. Eine weitere der damals beteiligten Personen wird in ihrem Leben "danach" geschildert. Sie scheint sich bewusst für einen schweren Lebensweg entschieden zu haben - sie wurde Krankenschwester, obwohl sie das Zeug zu einem Studium gehabt hätte. immer wieder wird dem Leser durch persönliche Einblicke klar: dies alles geschieht, weil die Person eben "Abbitte" leisten möchte, darauf begründet sich auch der Titel des Buches. Wieder wimmelt der Abschnitt von drastischen Details, die aber den Leser nicht davon ablenken sollten, auf die innere Erlebniswelt der Protagonistin zu schauen. Endlich beginnt sie zu ahnen, was sie damals angerichtet hat. Ein besonderes "Bonbon" in diesem Teil ist auch die Tatsache, dass der Leser zumindest teilweise eine "Auflösung" erhält. Was geschah wirklich in Teil Eins? die Protagonistin weiß es nun, und lässt es den Leser ahnen.

Teil Vier jedoch ist der "Knaller", der alles Vorhergehende in völlig anderem Licht erscheinen lässt! Das ist unmöglich wiederzugeben, ohne alles zu verraten. Teil Vier spielt in der Gegenwart, und wird erzählt in der Ich-Perspektive der Heldin aus Teil Drei. ein völliger Stimmungsumschwung findet hier statt. Vom allwissenden Erzähler in der dritten Person zur Ich-Perspektive. Briony ist Schriftstellerin geworden, und man fragt sich zum Schluss, war das ganze Buch nur ein Traum, was war wirklich, was falsch? man stellt sich in der Tat vielerlei Fragen. Was ist Schuld, und wie kann sie abgegolten werden. Was ist persönliche Verantwortung. Wie sehr formt Erinnerung unser Bewusstsein. Und noch viele Fragen mehr drängen sich auf. Eigentlich müsste man nun das ganze Buch noch einmal von vorne lesen. Doch diese überlasse ich lieber dem geneigten Leser dieser Rezension, denn ich selbst habe dafür im Moment eben nicht genug "langen Atem".

Es stimmt schon, das Buch ist durch und durch britisch, lebt sehr von "understatement", von Dingen "zwischen den Zeilen". Es hat mir sehr viel gebracht, erstens vorher den Film gesehen zu haben, und zur Originalfassung zu greifen. Denn die Sprache ist fast so etwas wie eine handelnde Person selbst. Die schwebenden Sätze tragen das Ganze, und besonders in Teil Eins wird dadurch diese entsetzlich träge Stimmung eines Sommertages deutlich, was sicher auch zur Zuspitzung der Situation geführt hat.

Im Rückblick faszinieren mich auch viele kleine Details, die immer aus verschiedenen Perspektiven geschildert werden, und so zu völlig anderen Deutungen bei den beteiligten Personen führen. Eine zuschlagende Balkontür: für die Mutter der Wind, für Briony im Garten ein Zeichen des Rückzugs. Das Berühren eines Hemdkragens: für Cecilia Ausdruck von Emotion, für den Betrachter aus dem ersten Stock eine Anklage. Ein abgerissenes Plakat: für den einen ein Zeichen von Sabotage, für den anderen ein Ausdruck persönlichen Frusts. Das Klackern von Absätzen auf Parkett, und ein dumpfes Geräusch im ersten Stock. für die Mutter auf dem Sofa Geräusche der Vorbereitung aufs Abendessen, für Lola jedoch... oh weh, lest selbst!

Letztlich kann ich es nur jedem von euch selbst überlassen, ob ihr dieses Buch lesen wollt. Wie gesagt: macht euch gefasst auf eine verlangsamte Lektüre, und haltet Ausschau nach Einzelheiten. Dann kann es sich wirklich lohnen!
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am 23. Januar 2003
At the center of this incredible novel are the two daughters of Emily and Jack Tallis. As the book opens in 1935, Briony is 13 years of age, and her sister Cecilia is 23. Robbie Turner, who works in the estate gardens, becomes the lover of Cecilia. The first part of the novel shows us the participants in minute detail, examining past and future aspiration to form complete character studies. The summer day starts rather bucolic, but quickly starts to disintegrate as personalities clash and grate on each other. At night, one of the young female guests is raped, and Briony points her finger at Robbie. Thus Robbie is convicted and sentenced to two years in jail.
The second part of the book takes place in May of 1940. Cecilia has become a registered nurse, and Briony just started as a learning nurse. Robbie is part of the British Expeditionary Force, trying to get to Dunkirk and back to England. The description of this retreat is an incredible piece of literature. The reader feels like he is there, suffering through the combat and choking on its details. One is tempted to believe that the author writes from personal experience. Shortly thereafter the author describes the life of a training nurse during war time. Again, he gives us details that are fascinating and gives us endless respect for these caring women.
The end of the book gives us the denouement. At war�s end, Briony admits that she lied about the rape and that Robbie was innocent. A confession too late? At the end of the novel Briony celebrates her 77th birthday and all the characters are brought up to date.
Warning! This novel is written incredibly well as to imagination,
language and style. It may well spoil for you many books you read thereafter, making them look superficial, shallow and sloppy.
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am 5. Juni 2005
Dies ist die klassische Geschichte von Dostojewskijs' Schuld und Sühne im Gewand des 21. Jahrhunderts: die aus einer Unreife enstandene Tat eines kleinen Mädchens fordert Opfer, die das Verantwortungsbewusstsein des Mädchens zuerst übersteigen, dann bestimmen, aber nicht mehr gesühnt werden können. Eigentlich eine Geschichte von nicht vergebener Schuld und unvollkommener Sühne, was ich dem Geist und der Moral unserer Zeit, im Lichte von fast eineinhalb vergangenen Jahrhunderten seit dem Erscheinen von Dostojewskijs Roman, für angemessener erachte. "Abbitte" ist in mancher Hinsicht, trotz des gleichen Motivs, kontrapunktisch zu Dostojewskijs Erzählung angelegt, was einen Vergleich rechtfertigt.
Ian McEwan's Roman ist eine sehr zeitgemässe Umsetzung von Dostojewskij's klassischem Motiv. Es ist eine Leistung für sich, sich an solchem Beispiel zu messen. McEwan gelingt das vorbildlich. Aus literarischer Sicht interessant ist der Rahmen, der gleichzeitig Teil der Handlung ist und sich erst aus dem Nachwort erklärt; der gelegentliche Wechsel der Perspektiven macht das Buch zudem ausgesprochen lesbar und interessant.
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