Ein ungefähr dreizehnjähriges Kind kann noch nicht sehr viel vom Thema Sex verstehen. Aber ihm ist wohl bewusst, dass es da etwas gibt, etwas geheimnisvolles, verbotenes und vielleicht auch gefährliches. Aber vielleicht auch etwas schönes, etwas, wovon die Erwachsenen die Kinder ausschließen, etwas, auf das man vielleicht sogar neidisch sein kann. Wenn ein Kind in diesem Alter nun an einem Tag mehrfach mit dem Thema Sex konfrontiert wird, mit Worten, Gesten und Bildern, dann ist es natürlich überfordert, denn es versteht von dem eigentlichen Akt ja nichts.
Wovon aber ein Kind etwas versteht, ist das Thema Liebe. Es versteht etwas davon, akzeptiert und gemocht zu werden, und es versteht auch etwas von der Ausschließlichkeit der Gefühle, die es nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Junge und Mädchen schon gibt. Und es versteht, dass man um Zuneigung auch kämpfen kann. Manchmal mit guten Mitteln, manchmal aber auch mit bösen. Abbitte erzählt vom moralischen Scheitern eines vorpubertären Mädchens. Denn wir sehen hier ein Kind, dass durchaus weiß, was es tut, auch wenn es von der Situation insgesamt überfordert sein mag. Es hilft nicht, dass dem Mädchen die Konsequenzen seines Handelns sicher nicht klar waren. Denn es wollte einfach den maximalen Schaden anrichten, und so ist es ihr auch egal, auf welche Weise dieser letztendlich eintritt.
Diese Geschichte wird im ersten von drei Abschnitten des Films wirklich hervorragend erzählt. Alle Schauspieler leisten dabei herausragendes. Allen voran die Darstellerin der jungen Briony, die zum ersten Mal in ihrem Leben Leidenschaft sieht, und dann aus Eifersucht die Katastrophe auslöst. Deren große Schwester spielt Keira Knightley, und sie ist hier gut wie nie zuvor. Sie schafft den Spagat zwischen der verliebten und zu allem bereiten Frau und der etwas unterkühlten, britischen Upper-Class-Tochter ohne jeden Bruch. Sie macht das ganze auch zu einer wunderbaren Liebesgeschichte, indem sie glaubhaft eine Frau verkörpert, die bereit ist, für die Liebe ihres Lebens auch Konventionen und die Beziehung zu ihrer Familie über den Haufen zu werfen. Das ganze ist dann noch mit wunderschönen Bildern von einem englischen Landsitz garniert und mit einer hervorragenden Musikauswahl illustriert. Selten ist es gelungen, eine komplexe Geschichte mit komplizierten Figuren und Motivationen so gut auf der Leinwand zu erzählen.
Nach diesem furiosen Beginn gibt es im Film einen Zeitsprung, damit auch einen Bruch in der Erzählweise. Dieser zweite Teil des Films erscheint dem Zuschauer nicht ganz so stark. Viel wird über den zweiten Weltkrieg erzählt, an dessen Rande die Protagonisten versuchen, ihr Leben nach den Geschehnissen wieder auf die Reihe zu bekommen. Was natürlich nicht einfach ist. Letztendlich werden die Hauptfiguren damit konfrontiert, dass es im Leben Fehler gibt, die nicht wieder gut zu machen sind. Das ist manchmal allerdings etwas umständlich erzählt. Es fehlt dem Zuschauer die Eleganz und Ökonomie der Erzählung aus dem ersten Teil. Offen bleibt die Frage, ob nicht auch die Lüge einer zweiten Teenagerin zu der Katastrophe beigetragen hat.
Im letzten, kurzen Teil sehen wir dann eine großartig aufgelegte Vanessa Redgrave, die als Briony aus der Zukunft auf die Handlung zurück blickt. Und das auf eine durchaus überraschende Weise. Letztendlich ist es dieser kurze, letzte Teil, der den zweiten Teil dann doch wieder als gelungen erscheinen lässt. Denn ein paar der Punkte, die dem Zuschauer hier etwas aufgestoßen sind, werden erst jetzt erklärt. Das dreht den Film dann endgültig. Kein großes, aber doch ein kleines Meisterwerk.
Für Fans von Keira Knigthley ist der Film ohnehin ein Muss.