... die eigentlich mit jeder Risikotechnologie verbunden ist. Das Buch liefert einen geschichtlichen Abriss der militärischen und zivilen Nutzung der Kern- bzw. Nukleartechnologie bis in die jüngste Zeit (angenehmerweise ohne Fukushima - das angesichts der Aktualität nicht hätte angemessen berücksichtigt werden können).
Stephanie Cooke gelingt es, ohne viel technische Details den Beginn der Ära, in der sich die physikalische Forschung mit Atomkernen befasst, zu schildern. Dabei ist wesentlich, dass die Kernspaltung in einer politisch kritischen Zeit, 1938 in Deutschland unter der NS-Herrschaft, entdeckt wurde. Ab diesem Zeitpunkt, also fast von Anfang an, ist mit der Kerntechnologie zuerst die Angst vor ihrem militärischen Einsatz verbunden. Zunächst nur befürchtet, schliesslich durch die Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki mit Bildern von fürchterlicher Zerstörungskraft und von schwer ertragbarem Leid verbunden.
Das Buch ist gut in zeitliche Abschnitte gegliedert. In diesen wird herausgearbeitet, wie sich im Laufe der Zeit die Hoffnungen und Befürchtungen bezüglich der Kernenergie und der Kernwaffen verändern. Was jedoch gegenüber der Öffentlichkeit nach dem zweiten Weltkrieg als leicht voneinander trennbar dargestellt wird, erweist sich nach und nach als Täuschung und Selbsttäuschung der Akteure und Entscheidungsträger.
Zum einen zeigt sich, dass die Kerntechnologie selbst keine scharfe Unterteilung in zivile und militärische Nutzung kennt und somit an sich Schlupflöcher für unerwünschte Nutzung und Verbreitung bietet.
Zum anderen arbeitet die Autorin recht ausführlich heraus, dass menschliche und institutionelle Schwächen das eigentliche und erheblich größere Problem bei der Beherrschung dieser Risikotechnologie darstellen. Dies wird besonders in jenen Kapiteln deutlich, die beschreiben, wie zunächst England, Frankreich und die Sowjetunion sich diese Technologie aneignen. Noch klarer wird es jedoch an den Beispielen, wie China, Israel, Indien und Pakistan trotz oder gerade wegen internationaler Organisationen (wie z.B. der IAEO) zu nuklear bewaffneten Staaten werden.
Es ist zweifellos ein Buch, das seinen Leser wachsamer machen kann. Manchmal sogar spannend wie ein Thriller - der zusätzliche Kick: jeder spielt darin zwangsläufig eine Rolle.
Ein paar kleine Mängel sind mir an wenigen Stellen aufgefallen. Das wird durch einen umfangreichen Anhang mit Fußnoten, Quellen- und Stichwortverzeichnissen aber mehr als wett gemacht. Daher danke ich sehr dem Verlag dafür, dass er diese interessanten ergänzenden Informationen nicht weggespart hat.