Schon die Idee ist genial: Eine Frau kommt nach Hause. Alles klingt, riecht und schaut aus wie immer. Und trotzdem ist da Idee des Ehemannes: Nein, das ist nicht meine Frau. Irgendetwas wurde an diesem Film, der sich das wahre Leben nennt, verändert - eine Rolle durch eine andere Schauspielerin besetzt. Gut, nach so einem Einstieg erwartet man dann eigentlich einen Thriller. Doch das genau ist "Atmosphärische Störungen nicht". Es ist vielmehr ein andauernder Dialog an verschiedenen Schauplätzen, der sich immer im Grundsatz um die immer gleiche Frage dreht - mal direkt, mal symbolisch durch Ableitungen aus der Meteorologie: Ist das alles wirklich so, wie es scheint? Und wie gut kann man einen Menschen wirklich kennen? Ja, das sind mutige Umsetzungen: Gerade in dieser Zeit, wo man klare Schattierungen gewohnt ist, kommt ein Buch, in dem viele Charaktäre fluktuieren, wo nicht einmal klar ist, wer wirklich existiert und wer nicht. Das ist eine Herausforderung für den Verstand. Wer darum eine entspannende Geschichte erwartet, die man in einem halben Tag querlesen kann, der wird enttäuscht. Wer sich jedoch auf die Geschichte wirklich Wort für Wort einlässt, für den wird es eines dieser seltenen Bücher, das man nie mehr vergisst.