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Atlas der Globalisierung spezial - Das 20. Jahrhundert. Der Geschichtsatlas
 
 
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Atlas der Globalisierung spezial - Das 20. Jahrhundert. Der Geschichtsatlas [Broschiert]

Philippe Rekacewicz , Le Monde diplomatique , Barbara Bauer , Dorothee D'Aprile
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 102 Seiten
  • Verlag: Taz; Auflage: 1 (27. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937683321
  • ISBN-13: 978-3937683324
  • Größe und/oder Gewicht: 29,8 x 22,2 x 0,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der erste Geschichtsatlas von Le Monde diplomatique stellt das gesamte 20. Jahrhundert dar: Vom Zerfall des Osmanischen Reichs bis zur Emanzipation der Frauen, von der Funktechnik auf Kriegsschiffen bis zur Popmusik, vom Hitler-Stalin-Pakt bis zum Siegeszug des Shareholder Values. Ein Atlas für alle, die über die jüngere Geschichte mehr wissen wollen, als in ihren Geschichtsbüchern stand. Mit Originalbeiträgen von Otto Kallscheuer, Ilija Trojanow, Michael Wildt, Stefan Wolle, Andreas Zumach u.a.

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36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wenn Sie hinter dem Werk einen Geschichtsatlas und ein objektives Werk erwarten werden sie enttäuscht sein. Das an sich exzellente Konzept wird durch die ideologische Intention der Redaktion zunichte gemacht. Auf 102 Seiten werden Sie mit teilweise geschichtliche Realitäten ignorierenden Perspektiven aus dem extrem linken Gesellschaftsspektrum konfrontiert. Die Autoren gehen dabei nur selten direkt vor sondern versuchen mit Wahl der Themen und Termini den eventuell unpositionierten Leser zu beeinflussen. Wenn Sie dem Sozialismus und Kommunismus zugeneigt sind werden Sie viel Spaß beim Lesen haben und sich bestätigt fühlen. Falls nicht, und Sie es auch nicht werden wollen, könnte Sie die fehlende Neutralität, die beim bisherigen 'Atlas der Globalisierung' so noch nicht zu spüren war, beim Lesen sehr ärgern.

Für einen 'Geschichtsatlas' kein gutes Omen ist, dass bereits auf dem repräsentativen Cover das Kaspische Meer in Weißrussland bis Rumänien verortet wird. Je Seite werden den Texten etwa 1-2 Karten beigefügt die ihn sinnvoll ergänzen und Überblick schaffen. Bei genauem Hinsehen wird jedoch klar, dass es sich nicht um 'Karten' sondern vielmehr um 'Infografiken' handelt. Diese sehen beim ersten betrachten ansprechend aus, werden aber bei genauerer Betrachtung inhaltlich und handwerklich einem echten 'Geschichtsatlanten' nicht gerecht. Sie sollten sich inhaltlich NICHT auf das verlassen was Sie sehen und weitere Quellen heranziehen, Bspw. den 'Putzger'.

Da ich zunächst auch kaum glauben konnte was ich vorfand werde ich versuchen meinen Standpunkt bezüglich Text und Karte an Hand einiger Stellen genauer zu belegen.

Zu den Karten:

Eindeutig ist, dass der Autor der Karten häufig historische Grenzen freihand und eher geraten hat. Erkennbar daran, dass historische Grenzen übermäßig häufig geometrisch falsch, extrem vereinfacht und extrem generalisiert sind. z.B. auf Seite 14, die Ost- und Westgrenze Polens sind mehr geraten als fundiert. Auch wird Belgien in der Karte 'Die neuen Staaten nach dem Ersten Weltkrieg' als Land ohne territoriale Veränderung geführt und die griechisch-bulgarisch-türkische Grenze lässt einen schaudern.

Die Karten des kolonialen Afrikas (S. 9) zeigen z.B. eine Mischung aus aktuellen und historischen Grenzen die häufig aktuelle fälschlich als historische darstellt. Besonders in Kamerun wird die West und Südgrenze falsch dargestellt. Auch Rio de Oro und das spätere Libyen sind nicht korrekt dargestellt. Die englische Walfischbuch fehlt grundsätzlich selbst in Karten zu Deutsch Südwest-Afrika (S.8), Cyrenaika ist falsch verortet und Nigeria wird als französisch visualisiert. Die unsinnige und irreführend-falsche Unterscheidung zwischen historischen und aktuellen Grenze ist auch nicht gerade förderlich.

Auch inhaltlich wurde wenig auf korrekte Darstellung wert gelegt. So zeigt die Karte 'Europa am Vorabend des Ersten Weltkrieges' (S.14) zwar die augenscheinlich die Grenzen von 1914, aber zusätzlich bereits die Mächtekonstellationen wie sie erst 1916 Realität wurden. Bei genauem Hinsehen jedoch fällt auf, dass die historischen Grenzen eher 'Schätzungen' sind und häufig die aktuellen als historische Grenzverläufe verkauft werden. Z.B. gehört Eupen-Malmedy, wie heute, zu Belgien und es lässt sich anhand an der russisch-osmanischen Grenze die Datenausgangslage rekonstruieren.

Die Ethnienkarte Österreich-Ungarns (S.15) glänzt nicht mit handwerklichem Geschickt. Statt die fließenden Übergange der Ethnien zu unterstreichen wurde um jede Fläche eine Kontur in Farbe der Gewässer gelegt. Unglücklich. Zudem ist die inhaltlich geometrische Qualität ähnlich heterogen und in Galizien und Bosnien sieht es eher unrealistisch aus. Besonders Ostbosnien und Herzegowina wird hier zu homogen und mehrheitlich bosnisch dargestellt.

Die Karte über den russischen Bürgerkriegs (S.17) zeigt ebenfalls nur an den Stellen der Grenzen eine sinnvolle Generalisierung wo sie bis heute unverändert ist. Finnland wird bis auf die notdürftig veränderte Grenze im Norden gar in den heutigen Grenzen dargestellt. Die Grenze zur Türkei ist abermals mehr Fiktion als Fakt. Die gewählte Mercatorprojektion, die bekanntlich die Nordhalbkugel wesentlich vergrößert und die Südhalbkugel verkleinert, kommt zur Anwendung um die Ambitionen Japans auf Sibirien zu visualisieren und erzeugt damit beim Leser ein abwegiges Größenverhältnis zwischen Sibirien, Japan und China.

Die Karten zur Entwicklung Israels (S.50) zeigen bspw. das britische Mandatsgebiet Jordanien 1920 in den Grenzen nach 1965.

In den Karten fehlt z.B. Urjanchai (1911-44) bzw. wird grundsätzlich Russland statt der Mongolei/China zugeordnet (S. 11).

Die Karte 'Europas politische Landschaft am Vorabend des Zweiten Weltkriegs' (S.23) ist ein gutes Beispiel für multiple Fehler bei der Planung und Ausführung einer Geschichtskarte. Extreme Generalisierungen der Geometrie, ausschließlich Inseln haben eine blaue Küstenlinie, Grenzverläufe sind zeitlich nicht korrekt (z.B. gibt es Österreich und die Tschechoslowakei). Auch die unsinnige Einzeichnung 'deutschsprachiger Bevölkerung' außerhalb des Reiches in einer irreführenden Form die sich mit deutschen Gebietsverlusten nach dem Ersten Weltkrieg vermischt und z.B. auch Südtirol einzeichnet, belegt die Inkompetenz des Kartenautors.

Zum Text:

Die Autoren haben die Texte gezielt subjektiv formuliert um Ihre Botschaft zu transportieren. Dies will ich an einem Beispiel demonstrieren.

Folgenden Satz werden Sie NICHT finden:
'Nach dem Ende der Allianz zwischen der USA und der Sowjetunion gegen die Achsenmächte folgte eine globale Konfrontation der Systeme. Beide Hegemone suchten die Expansion des Anderen mit allen Mitteln zu verhindern.'

Stattdessen werden Sie folgenden lesen:
'Nach dem Ende ihrer Allianz mit der Sowjetunion gegen Nazideutschland sahen sich die USA einem vermeintlich weltweit ausgreifenden kommunistischen System gegenüber. Als selbsternannte Speerspitze der 'freien Welt' fühlte sich die Weltmacht dazu aufgerufen, diese Expansion mit allen Mitteln zu verhindern.'

Schon die Einleitung des Direktors des Le Monde diplomatique Serge Halimi will nach eigenen Worten die 'alternativen' zum 'Kapitalismus' in der Geschichte zeigen die er als mögliche künftige Gesellschaftsform, zwischen den Zeilen herbei gesehnt. Zu seinen Ikonen gehört die Pariser Kommune, Rosa Luxemburg, später Marx, Engels usw. Es wird über die 'Herrschaft der Wenigen' und über die unzureichende Wertschätzung im Westen betreffend den Anteil den die Sowjetunion an der 'Niederlage der Nazidiktatur' hatte, geklagt. Es werden Vergleiche zwischen absolutistischen Herrschern und Leibeigenen mit Industriellen und Angestellten gezogen.

Die Auswüchse des gelobten kommunistischen Modells wie millionenfacher Mord, Hochrüstung, Unfreiheit, Unterdrückung und Diktatur werden, obwohl in allen sozialistischen Ländern aufgeprägt, als Zufall und nicht systembedingt dargestellt. Zum Abschluss wird deutlich, dass der Autor sein unneutrales Werk dadurch legitimiert, dass bspw. in den US Schulbüchern statt 'Kapitalismus' nur noch 'freies Unternehmertum' zu lesen ist und dadurch quasi ein Gegengewicht geschaffen werden muss. Dass das Wort 'Kapitalismus' an sich aber ein Produkt der Kritiker und Feinde des freien Marktes im 19. Jahrhundert war, wird nicht erwähnt.

Seite 16 beschäftigt sich unter dem reißerischen Titel 'Zehn Armeen gegen die Russische Revolution' (...und dennoch nicht gewonnen, ha!) mit dem Bürgerkrieg in der späteren Sowjetunion. Wie im Rest der Texte versuchen die Autoren durch ihre Wortwahl und gezielte Relativierung mehr oder weniger durch die Hintertür dem Leser ihre Ideologie näher zu bringen bzw. zu verharmlosen. Bspw. heißt es auf Seite 16 'am 23. Oktober 1918 beschwor Clemenceau in dramatischen Worten die Bedrohung durch die Rote Armee, die angeblich eine Million Männer unter Waffe bringen wolle: "Der Bolschewismus will die Herrschaft der Sowjets auf ganz Russland und dann den Rest Europas ausweiten.'.' Der Autor baut den Text dabei so auf, dass beim Leser der Eindruck entstehen soll es handle sich um eine Verleumdung der Sowjets durch Clemenceaus. Wir wir aber alle wissen, hat die Geschichte diese Aussage später bestätigt. Anschließend wird noch der Plan der Entente und Japans offenbart Russland nach einem Sieg der Weißen aufzuteilen. Der Kartentitel 'Die Bolschewiki, von allen Seiten angegriffen' untermauert den Eindruck der Autor hegt nicht nur leise Bewunderung.

S. 18: Auch das nächste Kapitel 'Die kurze Blüte der Rätebewegung' bringt recht eindeutig das Bedauern über deren Scheitern zum Ausdruck. 'Doch die von den Räten entwickelten Modelle der Mitbestimmung sind bis heute beispielgebend für die Demokratie von unten.'. Auch im weiteren Verlauf wird die Verhinderung dieser 'Demokratie' durch die Ermordung der 'kommunistischen Revolutionsführer' Luxemburg und Liebknecht durch 'rechtsradikale Freikorpssoldaten' bedauert. Wer jedoch die 'Diktatur des Proletariats' mit Demokratie verwechselt ist als Autor eines objektiven Werkes eigentlich disqualifiziert. Lesen Sie weiter... ›
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6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Dillbe
Der Atlas ist - wie bisher alle Erscheinungen der Reihe - nur zu empfehlen! In dieser Geschichts-Sonderausgabe sind die Texte erfreulich kurz und prägnant gehalten. So konnten sehr viele verschiedene Themen in das Heft aufgenommen und den Grafiken und Karten der nötige Platz gelassen werden. Der Atlas bietet genau das, was ich mir darunter im Vorhinein vorgestellt hatte.
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