Dieser Atlas der Globalisierung ist in vielerlei Hinsicht eine der besten Darstellungen zur Globalisierung, die in letzter Zeit erschienen sind. In verschiedenen Kapiteln werden von renommierten Wissenschaftlern und Journalisten wichtige Fragen und Themen der Weltpolitik im Kontext der Globalisierung erläutert und bewertet, angefangen von Fragen des Umweltschutzes und des Klimawandels über geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen bis hin zu kulturellen Aspekten etwa im Zusammenhang der weltweiten Migration. Die Beiträge sind kurz und übersichtlich, aber faktenreich, und werden durch anschauliche grafische Abbildungen (Karten, Diagramme, Statistiken, etc.) veranschaulicht und durch Listen mit weiterführenden Weblinks ergänzt.
Wirklich beeindruckend ist, wie viele dieser Beiträge einem regelrecht die Augen öffnen für dringende Probleme und mögliche gefährliche Fehlentwicklungen. Wichtige Themen, die in den Massenmedien zu kurz kommen oder gänzlich totgeschwiegen werden, werden hier ausführlich und kenntnisreich ausgebreitet, sei es zur Problematik von Patenten auf Erbgut, zur Vereinnahmung der globalen Massenmedien durch große Firmenkartelle oder zur Unternehmenspoltik von Konzernen wie Walmart. Dass die meisten Autoren der Linken zuneigen, stört nicht, da die Darstellungen sich zwar äußerst kritisch mit vielen Entwicklungen auseinandersetzen, trotzdem aber zum ganz überwiegenden Teil sachlich und kenntnisreich geschrieben sind.
Damit komme ich auch zu den wenigen ärgerlichen Ausnahmen, die den Gesamteindruck leider etwas vermiesen und für die ich einen Stern abgezogen habe. So sind einige der Artikel zu kulturellen und geopolitischen Aspekten der Globalisierung leider sehr einseitig gehalten. Dass einer der Autoren zu der Meinung kam, der Bürgerkrieg im Sudan sei ein Konflikt, in den nicht von außen eingegriffen werden könne, kann nur Kopfschütteln auslösen. Würde es der Autor vielleicht vorziehen, einem Genozid von außen tatenlos zuzuschauen und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen? Wirklich ärgerlich ist außerdem der Artikel über die Religionen Südostasiens, in dem der Verfasser nach Kräften versucht, die Bedrohung durch Islamisten zu relativieren und die südostasiatischen Muslime in ihrer selbst konstruierten Opferrolle zu bestärken. Dass dabei die Massenmorde und Massaker an Hunderttausenden nicht-muslimischen Timoresen, Papuas und Chinesen durch muslimische Indonesier mit keinem Wort erwähnt werden, stößt wirklich übel auf. Schließlich hält Indonesien seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen traurigen Rekord im Ausrotten religiöser und ethnischer Minderheiten.
Ein weiterer Kritikpunkt an diesem Atlas der Globalisierung ist, dass in den Listen mit Weblinks neben vielen nützlichen und informativen Adressen auch immer wieder Wikipedia-Artikel zur Einführung ins Thema empfohlen werden. Wer auf diese schwachsinnige Idee gekommen ist, hätte wirklich einen Comedy-Preis verdient. Über die vielen Unzulänglichkeiten der Wikipedia will ich mich hier lieber nicht weiter auslassen.
Insgesamt ist dieser Atlas der Globalisiereung aber ein äußerst lesenswertes Buch, dass den Preis von 12 Euro auf jeden Fall wert ist und dem Leser viele neue Perspketiven eröffnen kann!