Von Atrocity habe ich ja nun gar nichts mehr erwartet, aber aus dem nichts heraus (dieses "Nichts" trägt den Namen "Gemini") haben sie nicht nur zur Form ihren glorreichen Tage zurückgefunden, sondern vielleicht sogar ihr bestes Album überhaupt abgeliefert. Der hier verfolgte Stil ist ein sehr Eigenwilliger, und deswegen muss das Album erst einmal wachsen, was mehrere Durchläufe benötigt. Doch gleich der erste Track, die tiefdüstere Knüppelorgie "Reich Of Phenomena" verspricht viel. Ein ganz fieses, melodiöses Stück Death Metal mit Blastbeats und groovigen Riffs, unterstützt von heterosexuellen Keyboardsounds aus dem Graf Dracula höchstpersönlich dem sein Schloß! Fein, fein, fein! Das war dann aber auch schon das schnellste Stück. "Superior Race" ist immer noch recht adipöser Death Metal, zwar etwas zahmer als der Vorgänger, aber dennoch knallehart. "Gods Of Nation" ist dann ganz anders. Rythmusbetonter, midpaced Death Metal mit sehr eingängigem, Gothic-mäßigen Refrain. Ein regelrechter Ohrwurm, der dennoch an Heaviness nichts vermissen lässt. Mit "Ichor" bleibt man dann auf der gleichen Schiene: tonnenschwerer Death Metal mit Widerhaken-Refrain. Es folgt das melodiöseste Stück: Enigma, fast schon eine Powerballade im Gothic Metal-Stil, zu dem Alex Krulls Ehefrau Liv Kristine auch am deutlichsten Mitträllern darf. "Morbid Mind" ist dann wieder ein Tritt auf's Gaspedal. Wundervoll thrashiges Todesmetal mit Tempowechseln zur Strophe, was aber zum Refrain in eine rockige, dann punkige Mitgröhlhymne mutiert. Eine Abgehnummer par excellence! Das kurze "Omen" ist ein atmosphärisches Stück mit geisterhaftem Frauengesang (von wem wohl) zu den schon genannten Keyboardsounds aus dem Grafen dem sein Domizil in Transilvanien. Gruselig, gruselig. Buhuhu. Das anschliessende "Cold Black Days" ist dann einfach Gothic Metal in Reinkultur zum Instant-Mitsinging. "Atlantean Empire" bietet dann wieder schwere, doomige Stakatto-Riffs und Grunzerei, allerdings auch wieder einem popigen Chorus, der ein wenig an Goth Rocker, wie Secret Discovery oder Dreadful Shadows anmutet. Mit "Clash Of The Titans" wird's wieder unmelodiöser Morbid Angel-mäßiger Death Metal mit angenehmen Double Bass-Einsatz, und ganz ohne Gothic Anleihen. "Apokalypse" hält den Härtegrad mit hyperaktivem Drumming und doublepedal-Einsätzen aufrecht. "Lost Eden" ist ein ein-minütiges Keyboard-Gedudel, welches in "Sunken Paradies" übergeht, das korn-ähnliches Gestöhne zur Strophe bringt, dann aber nach einer kurzen Grunzephase in einem besoffen-mitbrüll-Refrain der Güteklasse A aufgeht. Zuckersüß! Das letzte Lied ist "Aeon", das schon ein sehr an die psychedelisch-opulenten Metal-Kompositionen von Devin Townsend erinnert. Das daran anknüpfende, 50-sekündige "Ein Volk" ist nur ein bisschen Gitarrengedudel mit der gesprochenen Zeile "Wir sind ein Volk", sonst nix, und das Album ist vorbei.
Für mich eine sehr unterhaltsame Angelegenheit. Ein eigenwilliges Album mit starken Stilwechseln, doch vielen sehr gelungenen Kombinationen von unterschiedlichen Einflüssen. ich habe lange nicht mehr eine so gelungene Mixtur aus Gothic und Death Metal gehört.