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Atlantis: Roman
 
 
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Atlantis: Roman [Gebundene Ausgabe]

Hannu Raittila , Stefan Moster
2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Von der Umwandlung materieller in ideologische Produktion schwadroniert der reiche Kerl im Cockpit des Hubschraubers, der über Finnlands Seenlandschaft dahinjagt. Ehemalige Baumwoll-fabriken in Kulturtempel umwandeln, die stillgelegte Glasfabrik mit Glas blasenden Schauspieler-Doubles besetzen, Folkloristisches Brimborium eben, Eventkultur! Die Arbeit abgewandert, die Leute arm, aber erlebnishungrig. Vor allem die Neureichen aus dem nahe gelegenen St. Petersburg. Kaum haben seine Computerspielchen Mika Saarilahti zum Multimillionär gemacht, sieht er sich von wilden Allmachtsfantasien beflügelt. Finnland, ein einziger begehbarer Jurassic Park mit Seenplatte. Geschichte light, alles zum Anfassen. Dass Saarilahti und sein Adlatus Kuosmanen als Mittelpunkt ihres finnischen Themenparks ein geheimnisvolles, in einem See versunkenes Dorf auserkoren haben, findet jemand überhaupt nicht lustig!

Nachdem Hannu Raittila mit Canale Grande, seiner Satire um ein finnisches "Rettungsteam", das Venedig vorm Absaufen bewahren sollte, einen veritablen Erfolg verbuchen konnte, trompetet man etwas hochtrabend von einer "Wassertrilogie", deren abschließendes drittes Werk bereits in Arbeit sein soll. Das kostbare Nass ist dem Autor offenbar eine heilige Angelegenheit. Wie auch Finnlands bewegte Geschichte, weshalb die selbstgefälligen Tiraden des Finnen-Berlusconi den Roman etwas schwer in die Gänge geraten lassen. Dennoch liegt über dem Werk über blinde Technologiegläubigkeit so etwas wie ein trauriger nordischer Mythenschleier. Was wurde aus der sektenartigen Dorfgemeinschaft, die sich strikt jeder Moderne verweigert hatte?

Kanäle für Besichtigungs-U-Boote, Riesenbrücken, Sprengung von Fahrrinnen -- der Größenwahn Saarilahtis macht vor nichts Halt. Ein Gegenmodell des Romans ist die schöne Helena, eine Volkskundlerin, die das versunkene Dorf tauchend erkundet und Artefakte zutage fördert. Dass sie ausgerechnet auf einen Profitaucher stößt, der im Dienste Saarilahtis die Unterwasserwelt zur Ausbeutung durchschnüffelt und sich nebenbei in Helena verknallt, macht die Sache nicht eben leichter. Gegen Ende werden sämtliche Schleusen geöffnet. Ein geheimnisvoller Sohn des Dorfes macht sich die Natur auf seine Weise zum Verbündeten. Raittilas geliebtes Element bricht sich schäumend Bahn und sorgt für endgültige Klarheit. Finnland ist noch einmal verschont geblieben, die Sorgenwogen der Öko-Freunde geglättet. --Ravi Unger

Kurzbeschreibung

Über virtuelle Welteroberung, realen Größenwahn und den Eigensinn des Wassers.

Schwarze Realsatire, Expedition in geheimnisvolle Tiefen und Kaleidoskop finnischer Geschichte – Hannu Raittila ist nach seinem erfolgreichen Roman „Canal Grande“ von den Wassern Venedigs in die große Wasserwildnis seiner finnischen Heimat zurückgekehrt.

Der über Nacht reich gewordene finnische Geschäftsmann Saarilahti hat atemberaubende Pläne: Im Gebiet des großen Saimaa-Sees, der letzten, fast menschenleeren Wildnis im Norden Europas, will er einen riesigen Themenpark bauen. Zentrum soll ein Dorf werden, das vor vielen Jahren überschwemmt wurde und nun in zehn Metern Tiefe liegt. Einst hatte hier eine tiefreligiöse Gemeinschaft gelebt, weitab von Fortschritt und Zivilisation. Nun sollen hier nostalgische Traumreisen in die Kindheit, Zeitreisen in die Geschichte, U-Boot-Fahrten in die versunkene heile Welt finnischer Dörfer stattfinden. Die Pläne sind fertig: Straßen und gigantische Brücken sind projektiert für Tausende von Besucherautos, neue Fahrrinnen vorgesehen für die Anreise per Schiff – vor allem aus Russland, wo es Millionen Menschen an Unterhaltung und Abenteuer mangelt und wo das nahe Sankt Petersburg sich auf die gemeinsamen Wurzeln mit der finnischen Kultur besinnen soll. Für Saarilahti ist nichts unmöglich. Ist die virtuelle Welt nicht genauso wirklich wie die Realität? Wer Millionen mit Computerspielen verdient hat, wird sich von niemandem aufhalten lassen. Doch da ist einer im Dickicht der Weiden, der seine Erinnerung schützen und die versunkenen Häuser nicht dem Blick touristischer Voyeure preisgeben will. Er setzt alle Wasser in Bewegung, und die große Flut ist nicht mehr aufzuhalten.

Klappentext

"Satire über Fortschrittswahn und Technikgläubigkeit, Geschichts-Kaleidoskop, ein bisschen Mystery und viel scharfkantiger Humor. Lesen!"
Hellweger Anzeiger

"Schwarze Komödie finnischer Prägung."
Badische Neueste Nachrichten

"In 'Atlantis' prallen Vergangenheit und Gegenwart, traditionelle Lebensweise und moderne Ökonomie, Größenwahn und gesunder Menschenverstand aufeinander. Eine faszinierende Reise in die finnische Seele und in eine Lebensweise, die sich rasend schnell verändert."
Sanomalehtik Ilkka -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Hannu Raittila (geb. 1956) gilt als einer der interessantesten und wichtigsten Autoren Finnlands. Man kennt ihn als Verfasser von Kolumnen, Hörspielen, Drehbüchern, von fünf Bänden mit Erzählungen und mehreren Romanen. Für "Canal Grande" erhielt er den "Finlandia-Preis", die bedeutendste literarische Auszeichnung des Landes. Raittila hat ein besonderes Gespür für die absurden Seiten der Gegenwart und einen scharfen Blick auf die Entwicklungen der modernen Welt, die er in seinen Romanen immer wieder zum Gegenstand tragikomischer Verwicklungen macht.




Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Ein Zerstörungswerk ... versteht ihr. Was ich getan habe, ist ein Werk der Zerstörung. Ihr versteht überhaupt nichts. Hier sind alle verrückt geworden, zumindest hat es den Anschein. Das ist wie, na, wie das, was man früher Mordbrand genannt hat. Dafür muss man keinen Mord begehen. Es reicht, wenn man ein Feuer legt oder was in die Luft jagt. Mäkelä «Die Stadt der tausend Seen.» Saarilahti machte die Blechtür auf und schlug sie gleich wieder zu. Die selbstklebenden Buchstaben waren weg, aber die Schrift war noch immer auf dem kompakten Rumpf der Maschine zu erkennen. «Eine Piper.» «Was?» «Exakte Balance, schwimmt gut.» «Ist das kein Flugzeug?» Saarilahti und Kuosmanen fingen an, sich übers Fliegen zu unterhalten: Angeblich wurden seit Jahrzehnten keine anständigen Kleinflugzeuge mehr gebaut. Sie gingen um die Maschine herum, deren Schnauze schräg nach oben zeigte, und sprachen über sie wie über einen sorgfältig restaurierten antiken Gegenstand. Auch Saarilahtis Auto war ein Rover, Baujahr 63. Damit war er die gesamte Strecke genau nach den Geschwindigkeitsbeschränkungen gefahren. Schon in Helsinki hatte er an jeder Ampel angehalten, sobald sie von Grün auf Gelb umgesprungen war jedenfalls dort, wo sie so früh am Morgen schon eingeschaltet waren. Hinter und neben ihm hatten die Fahrer der Taxis und Lieferwagen gehupt und Handzeichen gegeben, aber Saarilahti und Kuosmanen hatten ihr Gespräch über eine Russin namens Katharina nicht unterbrochen. Der Wagen hatte sanft geschaukelt, ich war auf dem Ledersitz eingeschlafen und kapierte beim Aufwachen nicht gleich, wo ich war. Auf einem Schild stand die Nummer der Fernstraße: 7. Wir fuhren demnach auf der Küstenroute nach Osten. Erst als wir an den Befestigungsanlagen von Kyminlinna vorbeikamen, wusste ich, dass wir uns zwischen Pyhtää und Karhula befinden mussten. Saarilahti und Kuosmanen behaupteten, wir wären jetzt auf der russischen Seite. Waren wir nicht bei Pyhtää? Na eben, antwortete Saarilahti, an Ruotsinpyhtää sind wir vorbei, und jetzt sind wirbei Pyhtää, auf der russischen Seite. Sie sprachen nämlich noch immer über diese Katharina. Ich hatte sie für ein Freudenmädchen gehalten, aber allmählich kam ich darauf, dass es sich um die ehemalige Zarin Russlands handelte. KOTKA 7 stand auf einem grünen Autobahnschild. Saarilahti und Kuosmanen verrenkten die Hälse, um die Festung zu sehen, deren Spitze sich der Landstraße entgegenreckte wie der Bug eines Schlachtschiffes aus dem Ersten Weltkrieg. Ich nickte wieder mehr schlecht als recht ein, erinnere mich aber, dass ich mich durch den Schlaf hindurch über die beiden wunderte. Kuosmanen hatte Saarilahti mehrere Male Gustav genannt, obwohl er Mika hieß, das wusste ich."
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