Man kann James Newton Howard mögen oder nicht, aber es ist unbestreitbar, dass ein kompositorischer Aspekt ist im im Laufe seiner Karriere immer ausgeprägt war. Der End-Vierziger mit den Wurzeln in der Pop-Musik (James Newton Howard & Friends) war stets ein begnadeter Komponist ausladender Triumphthemen. Ob seine costnerschen Werke wie "Waterworld" oder "The Postman", Scores wie "Dinosaur", "Alive" oder "Wyatt Earp", die oft mehreren Hauptthemen waren memorable Ohrwürmer erster Güte.
Nach Howards erstem Disney-Engagement steht nun ein weiterer Zeichentrickfilm von der Firma mit der Maus auf dem Programm, der aber ebenso wie "Dinosaur" mit klassischem Zeichentrick wenig am Hut hat. "Atlantis - The Lost Empire" beschäftigt sich mit dem Mythos der untergegangen Stadt Atlantis und verschmilzt eine kindgerechte Story mit Spannung, Abenteuer und Action (!). Auch hierfür hat James Newton Howard wieder tief in seine Themenschatzkiste gegriffen und hat ein weiteres Juwel ans Tageslicht gezaubert. Groß, episch und wundervoll anzuhören ist es, und da auch die Orchestration bei Howard inzwischen brilliante Routinearbeit ist, lässt sich der komplette Score von "Atlantis" getrost als ausgesprochen gut bezeichnen.
Im Grunde kann man sagen, dass es sich bei dem Score zu "Atlantis" um eine umgeschriebene, thematisch veränderte und variierte Version von "Dinosaur" handelt. Der gleiche musikalische Urspung der Musik ist ebenso spürbar wie der ähnliche Verwendungszweck. So besteht das instrumentale Grundgerüst aus einem großen Orchester, einem Chor und diversen ethnischen Instrumenten sowie klanglicher Unterstützung vom Synthesizer. Das Ergebnis ist klanglich aber deutlich geradliniger, man könnte auch sagen weniger abwechslungsreich als bei "Dinosaur". Die Instrumentation bleibt fast den gesamten Score konstant, es fehlen deutlich artikulierte Zwischentöne vom Chor, wie die afrikanisch angehauchten Passagen bei dem prähistorischen Spektakel.
Konkret heisst das folgendes: Zumeist haben die Streicher eine harmonische Übermacht im Score. In extrovertierten Passagen werden sie von fanfarenartigen Bläsern und Percussions begleitet, an eher ruhigen Stellen kommen Flöten oder Glockenspiele hinzu. Das dadurch erzeugte orchestrale Konstrukt ist an jeder Stelle überzeugend gearbeitet, komplex und klanglich überwältigend. Es werden viele verschiedene Ausdrucksformen geboten, von beeindruckenden Orchesterartikulationen, die fast schon nach John Williams klingen, bis hin zu effektvollen Kombinationen verschiedener Instrumentengruppen. Man entdeckt bei jedem Hören ein neues Detail und das trägt eindeutig zu dem sehr hohen Spassfaktor der CD bei. Zusammen mit den Synthesizern und dem Chor (teilweise sogar verschiedene Chöre), deren Einsatz Howard inzwischen ebenfalls perfekt beherrscht, wird dieser Eindruck noch verstärkt. Dann und wann brechen auch noch ethnische Percussions durch die Harmonik, wie in "Milo meets Kida", und man ist einfach sprachlos. Von lei chten Gitarren über Mundharmonika bis hinzu diversen Flöten bietet Howard eine grandiose Palette ethnischer Einsprengsel von Exotik bis zu westerntypischen Passagen. Es ist kaum vorstellbar, dass irgendein Scoreliebhaber bei solch schöner Musik nicht innerlich lächeln muss. Spätestens an den herausragenden Stellen des Scores, wie zum Beispiel die Tracks "Just Do It" oder "The Submarine" siegt der freudvolle Genuss an der CD über die gesunde Skepsis eines jeden. Da kommt Howards Talent für Themengestaltung zu seiner schönsten Entfaltung in "Atlantis".
Fazit: Die Arbeit von James Newton Howard an "Atlantis : The Lost Empire" ist natürlich bei weitem kein Meilenstein der Filmmusik, aber, um bei diesem Bild zu bleiben, ein kleiner Schritt, der Spass macht. Es ist eine begeisternde Routinearbeit, die viel von der Faszination von "Dinosaur" hat, aber dennoch kein Abklatsch ist. Also zugreifen, euer Lächeln wird es nicht bereuen.